Offener Rassismus im Kölner Amateurfußball

Opfer von offenem Rassismus: Der Kölner Fußballer Kautheepaan

Offener Rassismus im Kölner Amateurfußball

Getreten, geschlagen, beschimpft – der Kölner Amateurfußballer Kautheepaan T. wurde am vergangenen Wochenende Opfer von offenem Rassismus. Sein Entsetzen ist groß. Ein Gespräch.

Köln sieht sich ja gern als liberale, weltoffene Stadt. Da passt so gar nicht, was am vergangenen Sonntag (15.10.2017) passiert ist. Da erlebte der dunkelhäutige Kautheepaan T. im rechtsrheinischen Stadtteil Holweide seinen ganz persönlichen Horror. Der junge Mann aus Sri Lanka - der bereits als Sechsjähriger mit seiner Familie nach Deutschland übersiedelte - wurde auf dem Fußballplatz beschimpft, beleidigt und geschlagen. Im Interview spricht er über sein Erlebnis.

WDR.de: Kautheepaan, Sie leben in Köln, spielen regelmäßig in einer Amateur-Fußballmannschaft in der Kreisklasse. Was ist am vergangenen Wochenende passiert?

Kautheepaan: Ich spiele in der 2. Mannschaft des SC Köln-Holweide - seit Jahren schon. Am vergangenen Wochenende hatten wir ein Ligaspiel gegen die 2. Mannschaft des Ortsnachbarn SV Gremberg. Es war schlimm. Die Gegenspieler hatten mich irgendwie von der ersten Minute des Spiels an auf dem Kieker. 'Was will die schwarze Sau?' und 'Tritt ihm die Beine weg' waren die ersten Sprüche, die ich von den gegnerischen Spielern hörte.

WDR.de: Es blieb nicht bei Sprüchen ...

Kautheepaan: Ich bin vor dem gegnerischen Tor gefoult worden, lag mit dem Gesicht zum Tor auf dem Boden. Da ist ein gegnerischer Spieler auf mich zugekommen und hat mir mit voller Absicht ins Gesicht getreten.

Wenig später wollte ich in einer anderen Szene gerade aufstehen, da kommt jemand von hinten und rammt mir mit voller Wucht sein Knie in den Rücken. Irgendwann in der zweiten Halbzeit bin ich ins Gesicht geschlagen worden und man hat mich angespuckt.

WDR.de: Ist das alles unbemerkt geblieben? Wurden Sie nicht beschützt?

Kautheepaan: Viele Dinge passierten abseits des Spielgeschehens, wenn der Ball ganz woanders war. Aber klar, meine Teamkollegen haben einiges mitbekommen, und wir hatten etliche 'Rudelbildungen' auf dem Platz. Sie wollten mich natürlich beschützen. Aber wir waren uns einig. Wir steigen auf dieses Aktionen nicht ein, sondern versuchen, das Spiel über die Bühne zu bringen.

WDR.de: Was hat der Schiedsrichter gemacht?

Kautheepaan: Der Schiedsrichter hat einige der Beleidigungen mitbekommen und auch schriftlich festgehalten. Offiziell im Spielbericht stehen drei Aussagen: 'Geh dorthin zurück, wo Du herkommst', 'Du gehörst hinter die Grenze' und 'Du schwarzes Drecksding'.

Ich glaube, der war auch heilfroh, als das Spiel zu Ende war. Er hat insgesamt zwei Spieler des Gegners vom Platz gestellt, ich selbst bekam auch irgendwann die Gelb-Rote Karte wegen 'Unsportlichkeit'. Ich hatte zum Gegenspieler, der mir in den Rücken gesprungen ist, 'Was soll das, Du Spinner' gesagt. Vielleicht war der Schiri auch froh, mich vom Feld zu bekommen, um die ganze Sache zu beruhigen.

WDR.de: Haben Sie so etwas schon einmal vorher erlebt?

Kautheepaan mit einem seiner Freunde und Mitspieler

Kautheepaan T. (r.) - beliebt in seinem Fußballverein.

Kautheepaan: Ich bin als Sechsjähriger mit meiner Familie aus Sri Lanka nach Deutschland gekommen, bin in der Eifel aufgewachsen, die auch nicht gerade als super-liberal gilt. Später bin ich nach Köln gezogen. Ich bin jetzt 34, seit ich denken kann, spiele ich Fußball. So etwas aber habe ich noch nie zuvor erlebt.

WDR.de: Hatten Sie Angst?

Kautheepaan: Nein, ich war eher entsetzt. Ich habe zwischenzeitlich versucht, mit den Spielern zu reden. Hab sie gefragt, warum sie das machen. Es kam keine vernünftige Antwort.

Bei solchen Typen macht's auch - glaub' ich - keinen Sinn. Einer hat zu mir gesagt 'Geh zurück nach Uganda'. Mein Gott, da komme ich nun wirklich nicht her.

WDR.de: Wie ist es im Alltag. Haben Sie das Gefühl, die Anfeindungen gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe werden in Deutschland schlimmer?

Kautheepaan: Eigentlich nicht. Klar, im Alltag habe ich immer schon mal Sachen gehört wie 'Der Schwarze macht dies und das' oder auf dem Fußballplatz 'Schau, dass der Schwarze kein Tor macht'. Aber das hat mir nie etwas ausgemacht, darüber kann ich eher lachen. Das Erlebnis jetzt war eben völlig anders. Deshalb konnte und kann ich es auch überhaupt nicht verstehen.

WDR.de: Werden Sie weiter Fußball spielen?

Kautheepaan: Klar, in meiner Fußballmannschaft habe ich meine besten Freunde. Das gebe ich nicht auf. Nicht wegen solcher Typen. Ich fände nur gut, wenn die kein Fußball mehr spielen dürften. Darum rede ich auch offen über die Sache. Damit die Öffentlichkeit davon erfährt und mithilft, dass anderen so etwas nicht passiert.

Das Gespräch führte Olaf Jansen.

Stand: 21.10.2017, 06:00