Carolin Kebekus bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2021 im Tanzbrunnen in Köln, 16.09.2021

Carolin Kebekus: "Ich habe das Gefühl, dass die Menschen der Kirche letztendlich egal sind."

Stand: 08.03.2022, 16:23 Uhr

Die Kölner Comedian Carolin Kebekus setzt sich immer wieder kritisch mit der katholischen Kirche auseinander. Im Interview verrät sie uns, wie sie nun ganz konkret Opfern von sexualisierter Gewalt helfen möchte.

Carolin Kebekus unterstützt zusammen mit dem Verein "Umsteuern!" die neue und unabhängige Beratungsstelle "Leuchtzeichen". Hier soll Menschen geholfen werden, die Opfer von sexualierster Gewalt durch die Kriche geworden sind.

WDR: Wozu wurde der Verein "Umsteuern!" gegründet?

Carolin Kebekus: Der Verein wurde gegründet, um tatsächlich konkret umzusteuern. Also Kirchensteuern umzuwandeln in Hilfsprojekte für Menschen, die Opfer von sexueller Gewalt wurden, besonders durch Mitglieder der Kirche.

Der eigentliche Gedanke war, dass die Menschen, die aus der Kirche austreten, ihre Kirchensteuer, die sie bisher gezahlt haben, bei uns besseren Zwecken zukommen lassen können. Aber man kann natürlich auch ganz normal Mitglied in der Kirche bleiben und trotzdem spenden.

WDR: Jetzt engagierst Du Dich ja vielfältig und setzt Dich immer wieder für unterschiedliche Themen ein. Weshalb bist Du hier besonders engagiert?

Carolin Kebekus: Auch wenn ich jetzt nicht mehr Mitglied in der Kirche bin, auch wenn ich ausgetreten bin, fühle ich mich trotzdem dieser Gemeinschaft zugehörig. Und ich glaube, wir sind alle fürchterlich entsetzt über den Umgang mit dem Missbrauchsskandal und mit der wenigen Verantwortung, die man übernimmt.

Und weil es auch sonst keine Anlaufstelle gibt, wollen wir eben eine sein, wo man sich melden kann. Weil man kann sich das vorstellen, wie entwürdigend das ist, wenn man als Opfer von sexuellem Missbrauch durch die Kirche selber zur Täterorganisation gehen muss, um da irgendwie Hilfe zu bekommen. Deswegen gibt es diesen Verein.

WDR: Du bist nicht mehr in der Kirche. Bist du denn noch religiös?

Carolin Kebekus: Also ich fühle mich katholisch, ich bin katholisch getauft und ich glaube das kann man mir auch nicht aberkennen. Ich habe einfach ein Problem mit der Institution. Ich habe ein Problem mit den Machtverhältnissen in der Kirche und mit den Strukturen. Und bin auch gleichzeitig so wahnsinnig entsetzt, dass es so viele Menschen gibt in der katholischen Kirche, die Dinge ändern wollen, die das aber nicht dürfen. Und im Grunde habe ich das Gefühl, dass die Menschen der Kirche letztendlich egal sind.

WDR: Woelki hat jetzt angeboten, zurückzutreten.

Carolin Kebekus: Also Woelki hat seinen Rücktritt angeboten, aber er will ja eigentlich lieber bleiben. Es ist ja ein bisschen schizophren. Und der Papst wird es nicht annehmen, der hat es von keinem angenommen. Der hat es von Marx nicht angenommen und auch von Heese nicht angenommen. Das macht er nicht. Das ist ja sein Ding, dass er die Leute im Amt lässt, damit die was ändern können. Also ich glaube nicht, dass sich das noch ändern wird.

Im Grunde habe ich das Gefühl, dass die Menschen der Kirche letztendlich egal sind. Carolin Kebekus

WDR: Am Mittwoch wird die Beratungsstelle Leuchtzeichen eröffnet. Ein Meilenstein?

Carolin Kebekus: Ja, klar. Es ist das erste Projekt, was realisiert wird, wo es eine konkrete Anlaufstelle für Opfer gibt, wo die konkreten Spenden, die bei uns gesammelt werden, eben auch ein direktes Ergebnis haben. Und ich habe jetzt gehört, dass sich auch schon sehr, sehr viele Leute gemeldet haben. Also es gibt Bedarf.

Über das Thema berichten wir am 08.03.2022 in unseren Lokalzeiten im WDR Hörfunk und Fernsehen.