Konflikt USA-Iran: Was Iraner in NRW dazu sagen

Trauerfeierlichkeiten für den getöteten iranischen Genaral Soleimanis in Teheran

Konflikt USA-Iran: Was Iraner in NRW dazu sagen

  • Spannungen nach Tötung eines iranischen Generals durch die USA
  • WDR.de hat darüber mit einer Iranerin gesprochen
  • Sie lebt in NRW und möchte unerkannt bleiben. Wir nennen sie Josamin
  • "Die Iraner wollen keinen Krieg"

WDR: Was sagt die iranische Community in NRW zu den jüngsten Ereignissen?

Josamin: Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Die iranische Community im Ausland und vor allem in Deutschland ist sehr politisch ausgerichtet und daher auch gespalten. Anfang der 80-er Jahre gab es eine große Auswanderungswelle. Zu jener Zeit haben sich besonders viele verschiedene politische und kulturelle Gruppierungen vor allem in Köln niedergelassen.

WDR: Welche Reaktionen gab es in den vergangenen Tagen unter Iranern in NRW?

Josamin: So verschieden die Meinungen sind, in einem Punkt sind sich die Iraner, auch die in NRW, aus meiner Sicht einig: Die Tötung von General Suleimani verstößt gegen internationales Recht. Im Falle eines Krieges stünde dann wohl die Mehrheit der Iraner zusammen gegen die USA. Es gibt lediglich einen kleinen Teil der Monarchisten, die sich von den USA Unterstützung erhoffen.

WDR: Was sind Ihrer Ansicht nach die Folgen der jüngsten Ereignisse?

Josamin: Wie viele Iraner denke ich, dass der Prozess einer innerlichen Veränderung in unserem Land nun gestört ist. Denn die Aufmerksamkeit ist nun nach außen gelenkt. Das Engagement für mehr gesellschaftliche Freiheit und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage haben in den vergangenen zehn Jahren langsam, aber stetig an Struktur gewonnen. Dieser Prozess ist nun unterbrochen.

WDR: Welche Konsequenzen haben die jüngsten Ereignisse auf Sie persönlich und auf andere Iraner in NRW?

Josamin: Mir und vielen meiner Landsleuten macht es Angst zu sehen, wie hier mit den USA und Iran zwei unberechenbare Kräfte aufeinander losgehen. Wie ist das möglich im 21. Jahrhundert, dass ein so mächtiges Land wie die USA vor Augen der internationalen Gemeinschaft einfach so angreifen kann, ohne dass dies Konsequenzen hat? Ich denke darüber nach, wie ich es im Falle eines Krieges ertragen könnte, von Deutschland aus zuzusehen, wie Raketen auf Iran geschossen werden. So geht es auch vielen meiner Landsleute im Moment.

WDR: Wie sollte Iran hier in NRW wahrgenommen werden?

Josamin: Ich wünsche mir, dass Iran in der öffentlichen Wahrnehmung nicht reduziert wird auf Atomwaffen und Bedrohung. Die Iraner sind ein friedliebendes Volk und sie wollen keinen Krieg. Obendrein ist Iran ist ein kulturell sehr reiches Land. Ich und viele meiner Landsleute in NRW vermissen dieses Bild in der Öffentlichkeit sehr.

Das Interview führte Sybille Schultz.

Stand: 05.01.2020, 16:24

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