Intelligentes Plastik aus Troisdorf

Von Franca Schön

Voll recycelbarer Kunststoff und eine App sollen das weltweite Plastikmüll-Problem lösen. An dieser Idee arbeitet ein Troisdorfer Maschinenbauer zusammen mit einem Dutzend anderer Unternehmen.

Deutlich mehr Recycling und deutlich weniger Plastikmüll, der in Verbrennungsanlagen, auf Müllhalden oder in der Natur landet. Das ist die Vision von einem Dutzend Kunststoffunternehmen, die sich zum Projekt R-Cycle zusammengetan haben. Uneigennützig ist das aber nicht, denn die Kunststoffindustrie hat in Zeiten des Klimawandels viel mehr als nur ein Imageproblem. Sie hat ein Zukunftsproblem.

Weniger Kunststoff – derselbe Nutzen

"Kunststoffverpackungen sind zum Teil unnötig oder könnten mit weniger Material dieselbe Funktion erfüllen", sagt Daniel Lamers vom Maschinenbauer Reifenhäuser. Die Themen Müllvermeidung und Recycling, versichert er, könne und wolle das Unternehmen nicht ignorieren.

Vollständiges Recycling ist selten

Produktionshalle in Troisdorf: Hier wird die Blasfolie hergestellt. | Bildquelle: Franca Schön/WDR

Auch nach 30 Jahren Mülltrennung werden in Deutschland nur 17% des Plastikmülls zu neuen Produkten recycelt. Das geht aus dem "Plastikaltas" der Heinrich-Böll-Stiftung und des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) hervor. Oft ist das Recycling eigentlich ein Downcycling. Aus eingeschmolzenem, hochwertigen Kunststoff werden Parkbänke, Abflussrohre oder Müllsäcke.

Das Problem: Kunststoffverpackungen sind in der Regel Verbundstoffe. Das bedeutet, dass sie aus unterschiedlichen Kunststoffarten bestehen. Einmal verarbeitet sind diese aber untrennbar miteinander verbunden. Beim Einschmelzen entsteht ein minderwertiger Brei, aus dem man keine hochwertigen Produkte mehr herstellen kann.

Recyceln statt verbrennen WDR 5 Profit - aktuell 22.06.2021 04:50 Min. Verfügbar bis 22.06.2022 WDR 5

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Nur noch Verpackungen aus sortenreinen Kunststoffen

Deshalb hat der Troisdorfer Maschinenbauer eine Technik entwickelt, mit der Folie aus nur einem einzigen Kunststoff, sogenannte Mono-Folie, hergestellt werden kann.

Aber erst wenn diese sortenreinen Verpackungen auch als solche erkannt werden, können sie separat eingeschmolzen werden – und wieder zu hochwertigen Produkten verarbeitet werden.

Unsichtbares Wasserzeichen für Verpackungen

Das Projekt R-Cycle, an dem neben Reifenhäuser auch Kautex und andere Kunststoffunternehmen mitarbeiten, hat eine Art unsichtbares Wasserzeichen entwickelt, das in die Mono-Folien eingearbeitet wird. Dieses wiederum sollen Müllsortieranlagen automatisch erkennen und Müllsammler beispielsweise in Indien mit dem Smartphone scannen können. Hinterlegt sind Daten über die einzelnen Bestandteile des Kunststoffs. Die App und die Datenbank hat das Konsortium als offenen Standard geplant. Jeder soll sie kostenlos nutzen können.

Ob sich aber aus dieser Troisdorfer Idee wirklich ein neuer, weltweiter Standard für die Kunststoffindustrie entwickeln wird, das wird sich erst in einigen Jahren zeigen.

Umweltschutz mit Plastik Planet Wissen 14.06.2021 02:11 Min. UT Verfügbar bis 08.06.2025 ARD-alpha