Bonner Modellprojekt: Gelebte Demokratie in Flüchtlingsunterkünften

Frauen mit Kopftuch sitzen auf einer Parkbank

Bonner Modellprojekt: Gelebte Demokratie in Flüchtlingsunterkünften

Von Tobias Al Shomer

  • Ashok Sridharan Vorsitzender der neuen Fachkommission zu Integrationsfähigkeit
  • Bonner Mitbestimmungsprojekt lässt Geflüchtete Verantwortung übernehmen
  • Überdurchschnittlicher Stellenwert von Integration in Bonn

Zum Start der neuen Fachkommission zu Integrationsfähigkeit hat Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan am Mittwoch (20.02.2019) ein Vorzeige-Projekt im Gepäck: Im Bonner Modellprojekt "Mitwirken" nehmen Geflüchtete aktiv an Problemlösungen rund um Integration teil. Bewohner ausgewählter Flüchtlingsunterkünfte wählen Vertreter, die in regelmäßigen Abständen Alltagsprobleme der Geflüchteten ansprechen und gemeinsam mit der Stadt Lösungen suchen.

Verantwortung verändert den Blickwinkel

Um die Konzeption und Umsetzung kümmert sich die Otto-Benecke-Stiftung. Inzwischen gibt es in sieben Unterkünften gewählte Sprecher und Versammlungen. Die Geflüchteten führe das näher an unsere Gesellschaft heran, so Projektleiter Bernd Loschnig: "Das verändert uns alle. Wer als Klassensprecher gewählt wurde oder wer in ein Amt gewählt wird, das verändert auch, weil man Verantwortung übernimmt, Verantwortung für andere."

Freie Meinungsäußerung lernen

Viele Geflüchtete kommen aus autoritären Regimen. Freie Meinungsäußerung und Meinungsbildung kennen sie oft nicht, so Bernd Loschnig. Gemeinsam mit anderen Menschen Probleme zu erkennen und Problemlösungen zu kommunizieren sei eine Erfahrung, die viele Geflüchtete erst lernen müssten.

Auch für Wael Khamis aus Syrien, ehemaliger Sprecher im Stadtteil Auerberg, war freie Meinungsäußerung bisher immer an Geld und Einfluss geknüpft. In sein neues Amt musste er sich daher erst einfinden: "Ich war sehr nervös. Aber dann haben wir das erreicht und wir sprechen über unsere Situation bei uns im Heim und was wir benötigen. Und die Chefin vom Amt für Soziales und Wohnen, sie hört uns zu und macht alles was sie kann, damit wir das erreichen."

Mitbestimmung Geflüchteter

WDR 5 Westblick - aktuell 12.09.2018 03:47 Min. WDR 5

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Schlüsselrolle der Stabstelle Integration Bonn

Ohne die Stabstelle Integration der Stadt Bonn sei "Mitwirken" nicht möglich gewesen, sagt Bernd Loschnig. Sie ist direkt bei Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan angesiedelt und profitiert daher von kurzen Arbeitswegen und guter Ausstattung. Integration habe in Bonn einen höheren Stellenwert als in anderen Kommunen, so Loschnig.

Das Mitbestimmungsprojekt sei bislang ein voller Erfolg. Es gäbe Anfragen von Kommunen aus ganz Deutschland. Bis Ende des Jahres ist das Projekt finanziert. Doch auch durch die neue Regierungskommission zur Integration hofft Loschnig, dass die Mitbestimmung Geflüchteter bald Standard in Deutschland wird.

Integration: "Aufnehmende Gesellschaft in den Blick nehmen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 20.02.2019 04:45 Min. WDR 5

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Stand: 20.02.2019, 11:17