Jeden Tag fünf Angriffe auf Kölner Polizisten

Das Bundeskabinett hat ein Gesetz auf den Weg gebracht, welches Polizisten besser vor Gewalt schützen soll.

Jeden Tag fünf Angriffe auf Kölner Polizisten

Von Oliver Köhler

  • Täter aus allen Bevölkerungsgruppen
  • Polizei: Gesellschaft verwahrlost zunehmend
  • Sicherheitsmaßnahmen werden verstärkt

Sie werden getreten, geschlagen, gewürgt - die Zahl der Angriffe auf Polizisten hat sich seit 2012 in Köln auf 2.000 Fälle pro Jahr verdoppelt - mehr als fünf Übergriffe pro Tag. Die Täter sind laut Polizei Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen und fast jeden Alters. Oft seien es kleinste Anlässe, die dazu führen, dass Bürger Polizisten angreifen.

Ursache für die steigende Gewaltbereitschaft gegen Beamte ist nach Ansicht des Leiters der Kölner Kriminalpolizei Klaus-Stephan Becker eine zunehmende Verwahrlosung der Gesellschaft. Das Gewaltmonopol des Staates würde von vielen Menschen nicht mehr akzeptiert. Bei Einsätzen würden Polizisten inzwischen sogar in vielen Fällen von Unbeteiligten angegriffen.

Sicherheitsmaßnahmen für Beamte verstärkt

Ausschreitungen bei der Hooligan-Demo in Köln

Gewalt gegen Polizisten bei einer Hooligan-Demo in Köln

Die Polizei hat die Sicherheitsmaßnahmen für die Beamten durch zusätzliche Ausrüstung verstärkt, wie etwa Kameras an den Streifenwagen. Und durch Fortbildung, die dafür sorgen sollen, dass sich Beamte im Einsatz selbst besser schützen können. Die Polizei hat zusätzliche eine Beratungsstelle geschaffen, die Gewalt-Opfern psychologisch und rechtlich unterstützen soll.

Besonders viele Angriffe verzeichnet die Polizei bei Routinekontrollen in den Kölner Kneipenvierteln und bei Kontrollen im Straßenverkehr. Betroffen sind meist junge Beamte im Streifendienst im Alter zwischen 24 und 34 Jahren.

Nach Angriff lebenslang Rückenschmerzen

AfD-Veranstaltung in Köln aufgelöst

Bei einer AfD-Veranstaltung in Köln mussten Beamte zupacken

Der Polizist Marius Rehbach war gerade erst zwei Wochen im Dienst, als bei einer Kontrolle ein Mann plötzlich ein Messer zog und versuchte, den Beamten in den Bauch zu stechen. Nur wenige Jahre später wollte Marius Rehbach gemeinsam mit weiteren Beamten der Einsatzhundertschaft zu Karneval zwei Wildpinkler stellen. Einer der Männer flüchtete aber und stieß Marius Rehbach zu Boden. Der Beamte zog sich bei dem Sturz Bandscheibenvorfälle zu. Folge: Er musste den Dienst bei der Einsatzhundertschaft aufgeben, kann auch nicht mehr Streife fahren. Der 28-Jährige arbeitet jetzt im Innendienst bei der Polizei. Er muss wahrscheinlich lebenslang mit Rückenschmerzen leben.

Neue Trainings zur Eigensicherung

Das Strafverfahren gegen den Täter wurde gegen eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro eingestellt. Marius Rehbach bekam später im Zivilverfahren 500 Euro Schmerzensgeld. Die Angriffe auf Marius Rehbach haben dazu geführt, dass in Trainings zur Eigensicherung bei der Polizei gezielt auch auf solche Situationen eingegangen wird.

Gewalt gegen Polizeibeamte Lokalzeit aus Köln 13.08.2019 03:15 Min. Verfügbar bis 13.08.2020 WDR

Stand: 14.08.2019, 11:29