Ein "Iglou" als Notschlafplatz in Euskirchen

Neuartiger Unterschlupf für Obdachlose gegen Kälte 02:59 Min. Verfügbar bis 30.11.2022

Ein "Iglou" als Notschlafplatz in Euskirchen

Von Märte Burmeister

Einen neuartigen Kälteschutz für Obdachlose hat nun die Stadt Euskirchen angeschafft: Eine Art Ein-Mann-Zelt mit einer besonders dicken Isolierung.

Das "Iglou" mit "o-u" sieht eigentlich gar nicht aus wie eine traditionelle Eskimo-Behausung, sondern eher wie ein kleines Tunnelzelt aus gut fünf Zentimeter dicken, silbergrauen Isomatten.

30 Stück davon hat die Stadt Euskirchen für insgesamt 5000 Euro angeschafft. Sie sind für die Obdachlosen gedacht, die keine Notschlafstelle aufsuchen wollen – zum Beispiel, weil sie alkohol- oder drogenabhängig sind.

"Ein Drogenkonsum ist in keiner Einrichtung deutschlandweit erlaubt", erklärt Sozialarbeiter Markus Niederstein von der Caritas-Wohnungslosenhilfe in Euskirchen. Manche Leute blieben deswegen lieber draußen.

Lebensgefährliche Unterkühlung verhindern

Etwa acht bis zehn Obdachlose in Euskirchen wollen nicht in die Notschlafstelle kommen und zelten zum Beispiel draußen. Was im Sommer noch funktioniert, kann im Winter lebensgefährlich werden.

Kältetote unter den Obdachlosen habe es in Euskirchen noch keine gegeben, sagt Niederstein. Aber einige Tage vor der Anlieferung der "Iglous" musste einer der Obdachlosen stark unterkühlt mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.

Er war volltrunken draußen auf dem nackten Boden eingeschlafen. Solche Fälle sollen die neuen mobilen Unterschlupfe nun verhindern.

Ein "Iglou" als Notschlafplatz in Euskirchen

02:58 Min. Verfügbar bis 30.11.2022


"Iglous" eher zufällig gefunden

Die Anschaffung der Iso-Zelte ist das Ergebnis aus regelmäßigen Gesprächen zwischen Stadt und Caritas, bei denen es immer wieder auch um die Versorgung von Obdachlosen im Winter geht.

"Wir haben uns kundig gemacht, welche Möglichkeiten es gibt", erzählt Maria Surges-Brilon, Bereichsleiterin der Sucht- und Wohnungshilfe und Vorstand im Caritasverband in Euskirchen.

Eher zufällig sei man auf die "Iglous" gestoßen, die noch gar nicht so bekannt sind. Euskirchen ist neben Saarbrücken nach Angaben des Herstellers erst die zweite Stadt in Deutschland, die diesen Kälteschutz für Obdachlose ausprobiert.

Erste positive Rückmeldungen

Seit der Lieferung am 18. November waren drei der Zelte im Einsatz. Markus Niederstein und seine Kolleginnen und Kollegen besuchen die ihnen bekannten Obdachlosen regelmäßig, bieten ihnen nun auch den neuartigen Unterschlupf an und bauen ihn auf.

Auch suchen sie den Kontakt zu Anwohnern und sagen der Stadt Bescheid, wo die Zelte stehen. Die Obdachlosen können sie nutzen, solange sie wollen.

Die bisherigen Rückmeldungen sind positiv, freut sich Niederstein: "Die isolieren wirklich gut, die Wärme bleibt drin und es sind auch ausreichend Lüftungsschlitze drin", erzählt er, "grundsätzlich funktionieren die Dinger sehr gut."

Stand: 30.11.2021, 14:31