Hungerstreik für eine Kirche im Braunkohledorf Keyenberg

Hungerstreik für eine Kirche im Braunkohledorf Keyenberg

In dem vom Abriss bedrohten Braunkohledorf Keyenberg bei Erkelenz befindet sich seit Dienstagmorgen ein Mann im Hungerstreik. Er setzt sich so für die Kirche "Heilig Kreuz" ein.

Keyenberg soll dem Tagebau Garzweiler II weichen - und damit die Kirche auch. Sie ist bereits an RWE verkauft worden, doch der Aachener Bischof Dieser hatte die Entwidmung der Kirche abgelehnt. Er will die neue Leitentscheidung der Landesregierung zu Garzweiler II abwarten. Erst dann wird klar sein, ob der Ort wirklich dem Tagebau weichen muss. Dennoch gibt es in der Kirche bereits jetzt schon keine Gottesdienste mehr.

Das Ziel des aktuellen Hungerstreiks: Die schon lange verschlossene Kirche "Heilig Kreuz" soll zum Tag des offenen Denkmals besichtigt werden können. Und: Die völlig überraschend ausgebauten Kirchenglocken sollen wieder eingebaut werden.

Hungerstreik wegen Kirchenglocken Lokalzeit aus Aachen 07.09.2021 03:29 Min. Verfügbar bis 08.09.2022 WDR Von Anke Bardenberg

Ganz klein wirkt er vor der imposanten Heilig-Kreuz-Kirche in Keyenberg. Uwe Brustmeier, Denkmalexperte aus Gummersbach, sitzt vor dem verschlossenen Eingang auf den Stufen und ist fest entschlossen: Er will nichts mehr essen. Tage, Wochen – wie lange genau, das weiß er nicht. Dabei könnte das für den 58-Jährigen lebensgefährlich sein, denn er ist schwer krank. Ein Ende des Hungerstreiks sei aber erst in Sicht:

Wenn der LKW mit den Glocken hier einbiegt und die Monteure in die Kirche einsteigen und sagen, wir bauen die jetzt wieder ein – dann ist der Hungerstreik beendet.

Drei große Glocken auf der Ladefläche eines LKW

Abtransport der Kirchenglocken aus Keyenberg

Ein Schock für die Dorfbewohner

Die Kirchenglocken seien am vergangenen Freitag völlig überraschend ausgebaut worden, erklärt eine Anwohnerin. Unter Polizeischutz seien sie abtransportiert worden. Das habe sie rein zufällig gesehen. Niemand im Ort sei vorher darüber informiert worden. Der unangekündigte Glockenabbau aus ihrer Kirche sei ein Schock für die Menschen, die noch in Keyenberg wohnen und sich gegen ihre Umsiedlung wehren. Sie fühlt sich von der zuständigen Pfarrei Christkönig in Erkelenz im Stich gelassen und sagt „Sie haben uns die Glocken einfach geklaut.“

Zu einem Interview war weder die Pfarrei noch das Bistum Aachen bereit. In einer Pressemitteilung des Bistums heißt es, die Glocken würden nun gewartet und anschließend in die fast fertig gebaute neue Kirche im Umsiedlungsstandort Neu-Keyenberg eingesetzt. Eine entsprechende denkmalrechtliche Erlaubnis läge vor. Und das, obwohl erst 2026 darüber entschieden werden soll, ob das Dorf Keyenberg überhaupt abgebaggert werden soll. Zudem ist die Heilig-Kreuz-Kirche noch gar nicht entwidmet. Viele Dorfbewohner sind geschockt über diese Vorgehensweise.

Hungerstreik für die Kirche als Denkmal

Mit seinem Hungerstreik will Denkmalexperte Uwe Brustmeier ein deutliches Zeichen setzen. Er ist entsetzt, die Entnahme der Glocken sei eine Beschädigung des Denkmals. Die Kirche "Heilig Kreuz" fasziniert ihn schon seit Jahren. Drinnen war er allerdings schon lange nicht mehr. Die Pfarrei Christkönig halte sie seit Monaten für die Öffentlichkeit verschlossen. Auch Gottesdienste finden dort schon lange nicht mehr statt. Dabei hat die Pfarrei noch Hausrecht, auch wenn die Kirche – wie fast alles hier in Keyenberg – längst an den Energiekonzern RWE verkauft ist. Mit seinem Hungerstreik will Uwe Brustmeier jetzt für die Kirche kämpfen. Er hofft, dass er sie am kommenden „Tag des Offenen Denkmals“ am 12. September zumindest noch einmal besichtigen kann.

Stand: 08.09.2021, 19:24