Düsseldorf: Innenminister wütend über Behinderung von Rettungskräften

Stand: 17.08.2021, 10:54 Uhr

Nach der Behinderung von Rettungskräften in der Düsseldorfer Altstadt am Wochenende hat NRW-Innenminister Reul (CDU) den Vorfall als "vollkommen inakzeptabel" kritisiert.

Nach Polizeiangaben waren Rettungskräfte am frühen Samstagabend wegen eines medizinischen Notfalls auf der Bolkerstraße in der Altstadt im Einsatz. Dabei wurden die Sanitäter von einer Gruppe Jugendlicher bedrängt. Die jungen Leute wollten sich das Geschehen nicht nur ansehen, sondern es auch filmen. Ein 15-Jähriger soll einen Polizisten angesprungen haben. Beamten überwältigten den Jugendlichen und brachten ihn zur Altstadtwache.

"Jetzt ist langsam genug"

Am Samstagabend hatte der Notarzt den Verletzten nur mithilfe der Polizei versorgen können. "Wo kommen wir denn hin, wenn sich Jugendliche zusammenrotten und einen Rettungseinsatz behindern? Einfach nur, um Frust abzulassen. Hier werden nicht mal moralische Mindeststandards eingehalten", sagte Innenminister Herbert Reul am Sonntagabend. "Ich finde, jetzt ist langsam genug", so der Innenminister und forderte ein Nachdenken darüber, ob neue rechtliche Regelungen erforderlich seien. Es sei schwierig, Täter zu identifizieren, die aus einer großen Gruppe heraus Straftaten begingen.

Ähnliches ließ auch die Polizei am Dienstag verlauten: Sie ermittle weiterhin nur gegen den 15-Jährigen. Bei dem Einsatz sei man vordringlich mit der Gefahrenabwehr und nicht mit der Feststellung von Personalien beschäftigt gewesen.

Dieser Vorfall und ein ähnlicher in Köln, wo Flaschen auf Polizisten geworfen wurden, "machen mich unglaublich wütend", so Reul weiter. Für Thorsten Fleiß von der Düsseldorfer Polizei hat solch ein Verhalten mit Sensationslust zu tun: "Da werden Videos gedreht und hinterher gepostet und dann damit angegeben, wie man sich mit der Polizei gemessen hat." Das Phänomen, dass Rettungskräfte in ihrer Arbeit behindert werden, ist nicht neu. Laut Polizei suchen junge Erwachsene vor allem an Wochenenden gezielt die Auseinandersetzung.

Hunderte Menschen solidarisierten sich

Als die Polizisten den Verletzten abschirmen und die Jugendlichen vom Filmen abhalten wollten, seien immer mehr Menschen hinzu gekommen, die sich mit den Jugendlichen solidarisiert hätten, so die Polizei. Demnach seien es insgesamt rund 200 gewesen. Ein Notarzt sei deshalb zunächst nicht zu dem Verletzten durchgekommen.

Jugendlicher wollte Polizeikette durchbrechen

Der 15-Jährige versuchte dann offenbar, einen Beamten erst wegzuschubsen, dann sei er mit Anlauf gegen ihn gesprungen, um die Absperrung zu durchbrechen. Der Jugendliche wurde festgenommen und auf die Polizeiwache gebracht. Dort mussten ihn seine Eltern abholen.