DNA-Analyse gegen Hundehaufen

Stand: 25.08.2022, 08:00 Uhr

Mit einer DNA-Datenbank für Hunde will Weilerswist künftig gegen die vielen Hundehaufen im Ort vorgehen. So sollen die "Übeltäter" direkt überführt werden - oder vielmehr deren Besitzer.

Von Norbert Hiller

Alfred Palmersheim mäht im Auftrag der Stadt Weilerswist Rasen. Immer wieder kommt der Mann vom Bauhof mit seinen Kollegen in Bereiche wo viel Hundekot liegt. "Wenn wir am Weg an der Bahn mähen, dann wird es so schlimm, dass wir nach 30 Minuten über und über mit Kot bedeckt sind. Dann müssen wir nach Hause uns umziehen und wenn wir Pech haben, geht die Sache dann wieder von vorne los."

Viele Hundebesitzer lassen Kot vorsätzlich liegen

Tatsächlich liegt in dem Bereich Hundehaufen neben Hundehaufen. Teilweise direkt daneben liegen auch Plastiktüten mit Kot. Alfred Palmersheim weiß, dass viele Hundebesitzer erst so tun, als ob sie den Kot ihrer Tiere korrekt mit Hundebeuteln entsorgen. Wenn keiner hinguckt, werfen sie den Beutel aber einfach ins Gebüsch. "Es ist unsäglich!"

Bürgermeisterin Anne Horst reicht es langsam. Immer mehr Beschwerden kamen in den letzten Monaten bei ihr an - von Bürgern, die in Hundehaufen getreten waren. Denn offensichtlich entfernen viele Hundebesitzer den Kot ihrer Lieblinge nicht, obwohl sie dazu verpflichtet sind. Bußgelder wurden angedroht, aber relativ selten umgesetzt, da die Beweisführung schwierig ist.

Bürgermeisterin Anne Holst und das Rathaus von Weilerswist.

Bürgermeisterin Anne Holst und das Rathaus von Weilerswist.

Die Bürgermeisterin will das nicht länger hinnehmen - und eine DNA-Kartei von allen Hunden in der Gemeinde einrichten, um den Übeltätern auf die Schliche zu kommen. "Wir haben zu wenig Personal. Wenn wir uns auf die Lauer legen müssten, um Kot-Sündern einzeln live aufzulauern, dauert es zu lange und ist viel zu aufwendig." Wer den Haufen seines Hundes liegen lässt, für den soll es künftig teuer werden.

Bürgermeisterin Anne Horst will DNA-Kartei wie in Südtirol

Ihr Vorschlag: Eine DNA-Kartei wie in Südtirol. Dort müssen Hundebesitzer schon länger Speichelproben ihrer Hunde bei der Gemeinde abgeben. Wenn es eine Beschwerde gibt, nimmt ein Polizist oder ein Mitarbeiter des Ordnungsamt eine Probe des Kots. Die wird dann in einem Labor ausgewertet.

In der italienischen Provinz Bozen funktioniert es. In einem Video-Telefonat mit dem WDR bestätigt Gerlinde Wiedenhofer vom Landestierärztlichen Dienst das. Sie erzählt, dass jeder, der durch den DNA-Kot seines Hundes überführt wird, hohe Bußgelder zahlen muss. Die Höhe bestimmt die jeweilige Gemeinde.

Bürgermeisterin Horst hofft, dass DNA-Kartei kostenneutral wird

Weilerswists Bürgermeisterin geht davon aus, dass das Verfahren für die gesetzestreuen Hundebesitzer nicht zu höheren Steuern führt. Sie will aber, dass die, die den Kot ihrer Hunde liegen lassen, hohe Bußgelder und die Kosten für die jeweiligen Tests selbst zahlen müssen. Noch ist es allerdings nicht soweit. Zur Zeit überprüft der Städte- und Gemeindebund auf Bitten von Anne Horst, ob das Register sich mit den Datenschutzregeln verträgt. In Rheinland-Pfalz wurde eine entsprechende Bitte der Gemeinde Selters vom Land abgelehnt.

Wenn es in NRW klappt, soll in Weilerswist die neue Hunde-Satzung mit hohen Bußgeldern per Ratsbeschluss eingeführt werden. Einen gibt es schon, der ganz fest die Daumen dafür drückt: Alfred Palmersheim, der Mann vom Bauhof. Denn wenn er mit seinem Rasenmäher kaum noch Hundehaufen trifft, wäre das eine Verbesserung der Lebensqualität, an die er kaum noch geglaubt hat.

Über dieses Thema haben wir am 24. August 2022 um 19:30 in der Lokalzeit aus Bonn im WDR Fernsehen berichtet.

Weitere Themen