Blick von unten auf einen großen Strommast aus Stahl

Start für umstrittenen Netzausbau durch Hürth

Stand: 07.01.2022, 05:00 Uhr

Der Netzbetreiber Amprion hat in Hürth mit den Bauarbeiten für eine umstrittene Höchstspannungsleitung durch den Stadtteil Efferen begonnen - obwohl eine Anwohnerklage vor dem Bundesverwaltungsgericht noch nicht entschieden ist.

Von Stephan Pesch

Bis kurz vor der Stadtgrenze von Hürth ragen sie schon in den Himmel. Bis zu 90 Meter hohe Hochspannungsmasten. Die mächtigen Stahlträger sind Teil einer neuen Stromautobahn mitten durch das Rheinland. Über sie soll überwiegend Windstrom vom Norden in den Süden Deutschlands  fließen. Doch weiter als bis Hürth kommt der Netzausbau bislang nicht voran. Eine Hürther Bürgerinitiative will erreichen, dass die geplante 380 Kilovolt Freileitung nicht durch, sondern  um Efferen herum verlegt wird. Anwohner sind deshalb vor das Bundesverwaltungsgericht. gezogen. Doch Amprion will nicht auf ein Urteil warten.

Startschuss für die Bauarbeiten

Mit dem Jahreswechsel haben auf Hürther Stadtgebiet die ersten Arbeiten begonnen. Büsche und Bäume werden dort zurück geschnitten, wo Betonfundamente gegossen werden sollen. Auch neue Wege für die Baumaschinen werden hergerichtet, damit das 35 Kilometer lange Teilstück der neuen Stromautobahn zwischen Rommerskirchen im Rhein-Kreis Neuss und Bornheim Sechtem im Rhein-Sieg-Kreis fertig gestellt werden kann. Für die neue Höchstspannungsleitung soll eine bereits bestehende Trasse genutzt werden. Über sie laufen bislang zwei Stromleitungen mit jeweils 110 und 220 Kilovolt. Da die alten Stahlträger für einen Ausbau des Stromnetzes viel zu klein und schmächtig sind, werden sie durch die neuen Riesen ersetzt. Doch die sind heftig umstritten.

Strom soll um Efferen herum fließen

Zwei Männer unterhalten sich, im Hintergrund sind ein Spielplatz und eine Höchstspannungsleitung zu sehen

Wolfgang Holz will die Höchstspannungsleitung durch Hürth verhindern

In Hürth sollen die neuen Hochspannungsmasten auch mitten in Wohnquartiere montiert werden. Betroffen ist vor allem der Stadtteil Efferen. Rechts und links der Bestandstrasse stehen mehrstöckige Wohnhäuser. Unter den Stromkabeln befinden sich Wiesen, Gärten, ein Spielplatz und sogar eine KITA. Für Wolfgang Holz macht es daher einfach keinen Sinn, durch Efferen eine neue  Höchstspannungsfreileitung zu verlegen. Holz ist Mitglied der Bürgerinitiative "Hürth gegen Hochspannung". Sie setzt sich dafür ein, dass Amprion die geplante 380 Kilovolt Freileitung um Efferen herum verlegt. Dort gebe es auch eine Stromtrasse, die der Netzbetreiber nutzen könne, sagt Wolfgang Holz, der auch ein Erdkabel für eine gute Option hält.

Neue Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht

Vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatten Holz und seine Mitstreiter im Jahr 2018 einen Sieg errungen. Die Richter kippten nach einer Klage der Anwohner den Planfeststelltungsbeschluss der Bezirskregierung Köln. Amprion wurde gezwungen, alle Alternativen noch einmal gründlich zu prüfen. Auch die um Efferen herum. Doch der Netzbetreiber kommt nach wie vor zu dem Schluss: Der Trassenverlauf durch das Hürther Stadtgebiet sei die beste Lösung. Mittlerweile liegt auch eine neue Genehmigung der zuständigen Bezirksregierung Köln vor. Dagegen hat die Bürgerinitiative erneut Klage beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht.

Für Amprion sind alle Auflagen erfüllt

Die Anwohner von Efferen kritisieren, dass Amprion bei der Prüfung der Trassenverläufe nicht ausreichend berücksichtigt habe, dass die Höchstspannungsleitung mitten durch dicht besiedelte Wohnquartiere verlaufen soll. Hier hätten viele Angst um ihre Gesundheit, weil der Strom nur wenige Meter an den Balkonen vorbei fließen soll, sagt Wolfgang Holz, der ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erst im Sommer erwartet. Doch der Netzbetreiber sieht sich mit dem Baustart noch vor einem Urteil auf der sicheren Seite. Alle Auflagen  seien erfüllt worden, sagt Amprion Sprecherin Joelle Bouilon. Zudem habe die neue Klage der Hürther Bürgerinitiative keine aufschiebende Wirkung. Der Fahrplan stehe. Der Netzausbau durch Hürth soll Mitte 2023 abgeschlossen sein.