Krefeld: Ermittlungen gegen Sektenarzt Hopp eingestellt

Helmut Hopp

Krefeld: Ermittlungen gegen Sektenarzt Hopp eingestellt

Von Martin Höke

  • Überraschende Wende im Fall Hartmut Hopp
  • Ermittlungen gegen den früheren Sektenarzt eingestellt
  • Acht Jahre lang wurde gegen Hopp ermittelt
  • 74-Jähriger lebt nach seiner Flucht aus Chile seit 2011 in Krefeld

Der in Krefeld lebende Sektenarzt Hartmut Hopp bleibt ein freier Mann. Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstag (07.05.2019) mitgeteilt, dass die Ermittlungen gegen das aus Chile geflohene führende Mitglied der berüchtigten Sekte Colonia Dignidad mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt wurden.

Ermittlungen dauerten acht Jahre

Seit August 2011 hatte die Krefelder Justiz gegen den heute 74-Jährigen ermittelt. Damals waren mehrere Strafanzeigen von Opfern der Kolonie, deren Anwälten und eines Journalisten eingegangen. Darin wurden Hopp Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch und Körperverletzung vorgeworfen.

Außerdem soll er Mitte der 1970er Jahre während der Militärjunta in Chile an der Ermordung chilenischer Regimegegner beteiligt gewesen sein. Hartmut Hopp wurde bereits 2011 in Chile zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er setzte sich nach Deutschland ab und lebt seither in Krefeld.

Staatsanwaltschaft wollte Haft in Deutschland

Weil Hopp als deutscher Staatsbürger nicht ausgeliefert werden darf, hatte die Krefelder Staatsanwaltschaft 2016 beantragt, die in Chile verhängte Haftstrafe in Deutschland zu vollstrecken. Das Landgericht Krefeld gab dem Antrag im Sommer 2017 statt. Doch Hopp ging in die nächste Instanz und genießt weiterhin seine Freiheit.

Opferanwältin reagiert enttäuscht

Die Berliner Anwältin Petra Isabel Schlagenhauf, die mehrere Opfer der Sekte vertritt, zeigte sich enttäuscht und hat Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft Krefeld gegen das Urteil eingereicht, wie diese am Montag (20.05.2019) bestätigte.

Stand: 07.05.2019, 07:30

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