Von der Schwierigkeit, als Christ schwul zu sein

Timo Platte unterhält sich mit seinem evangelischen Pfarrer

Von der Schwierigkeit, als Christ schwul zu sein

  • Homosexualität ist in vielen Kirchengemeinden als Sünde angesehen
  • Schwuler Wuppertaler erzählt seine Leidensgeschichte
  • Buch mit Geschichten von homosexuellen und transsexuellen Christen

Der Wuppertaler Timo Platte hat in seinem Buch "Nicht mehr schweigen" 25 Geschichten von schwulen, lesbischen und transsexuellen Christen gesammelt. Sie haben in ihrem strenggläubigen Umfeld ihre sexuelle Identität jahrelang verschwiegen, weil sie Angst hatten, ausgegrenzt zu werden.

Jahrzehntelanges Leugnen der sexuellen Identität

Timo Platte im Porträt

Timo Platte

Diese Angst hat auch Timo Platte erlebt. Erst mit 40 Jahren kann er sein Schwulsein leben. Denn dass seine sexuelle Ausrichtung völlig normal ist, hat er sich lange Zeit nicht vorstellen können. Das Aufwachsen in einer strenggläubigen freikirchlichen Gemeinde prägte ihn jahrelang:

"Als Kind war das eine schöne Gemeinschaft, dort hatte ich meinen Lebensmittelpunkt, dass ich anders 'ticke', darüber konnte ich von klein auf nicht sprechen. Ich kannte das Wort schwul gar nicht, so weit weg war das für mich." In seiner Gemeinde wurden Bibeltexte nämlich wörtlich genommen. "Und bei einem Mann sollst du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt: ein Greuel ist es." (3. Mose 18,22)

Evangelischer Pfarrer aus Unterbarmen hilft ihm, sich zu outen

Pfarrer Thomas Corzilius

Thomas Corzilius

Timo Platte fiel es schwer, sich von solchen Bibelsätzen frei zu machen. Die Erkenntnis, dass Schwulsein Teil seiner Persönlichkeit ist, war für ihn als freikirchlicher Christ sehr fremd. Hilfe fand Platte schließlich bei Thomas Corzilius, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Unterbarmen Mitte in Wuppertal. Der Geistliche ermutigte den Wuppertaler, sich zu seiner sexuellen Ausrichtung zu bekennen. Das war 2012.

In den neunziger Jahren, erinnert sich der Pfarrer, gab es auch in seiner Gemeinde noch heftige Diskussionen über das Thema. Doch das habe sich geändert: "Es ist für uns mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, dass Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung bei uns eine Heimat haben, willkommen sind und das ohne Wenn und Aber."

Ende der Diskriminierung auch in anderen Kirchen in Sicht?

Inzwischen traut die evangelische Kirche homosexuelle Paare. Aber soweit sind noch lange nicht alle Christen. Timo Platte hofft durch sein Buch, Bewegung in das Thema zu bringen - auch bei den Freikirchen und den Katholiken.

Dort zumindest lockere sich offenbar ganz langsam die Blockadehaltung, sagt der Wuppertaler Pastoralreferent Dr. Werner Kleine. Die Ehe für homosexuelle Paare sei immer noch ein 'no go'. Aber erste katholische Bischöfe gestatteten es ihren Priestern, homosexuelle Beziehungen wenigstens zu segnen. Soviel Mut wünscht sich Kleine in der gesamten katholischen Kirche.

Stand: 21.12.2018, 13:41