Das Bild zeigt eine Person im Homeoffice.

Wie wir mit dem Homeoffice klar kommen

Stand: 15.06.2021, 12:29 Uhr

Das Homeoffice ist durch Corona nicht mehr nur ein Gedankenspiel, sondern für viele Realität geworden. Ob das gut ist, darauf gibt es mehr als eine Antwort. Die Bertelsmann Stiftung hat die Folgen für Arbeitnehmer wissenschaftlich untersucht. In Bonn treffen wir auf Menschen, die das Homeoffice aus verschiedenen Perspektiven betrachten.

Verlassene Arbeitsplätze in einem Bürogebäude

Verlassene Arbeitsplätze

Dem Bonner IT-Unternehmen LeanIX geht es wie vielen anderen: Die Pandemie hat den  Arbeitsalltag der Mitarbeiter total verändert. Vor Corona war Homeoffice eine Möglichkeit, nicht die Regel, sagt Personalmanagerin Friederike Möcker. "Jetzt ist es tatsächlich umgekehrt, wir erwarten von unseren Mitarbeitern, dass sie sofern es möglich ist, von zuhause aus arbeiten und nur ins Büro kommen, wenn es einen konkreten Anlass gibt."

Digitale Kommunikation erfordert Umstellung

Aleix Casonovas ist Informatiker bei LeanIX und arbeitet seit einem Jahr von der Bonner Südstadt aus im Homeoffice. Für ihn war die Umstellung besonders zu Beginn der Pandemie eine Herausforderung. „Am Anfang war es schon deutlich schwieriger, einen kompletten Tag nur digital kommunizieren zu müssen.“ Inzwischen sieht er auch Vorteile im Arbeitsplatz zu Hause im Wohnzimmer: “...alles schön mit einem Kaffee".

Arbeitnehmer haben diesen Wandel bislang gut weggesteckt, stellt Jörg Habich fest. Er gehört zu den Autoren der Studie der Bertelsmann-Stiftung. Rund 80 Prozent finden die Arbeit demnach im Homeoffice auch nach über einem Jahr "etwas positiv" oder "sehr positiv". "Ein ganz wesentlicher positiver Punkt, das hat sich gezeigt, ist die Work-Live-Balance, damit war natürlich auch zu rechnen, aber die Beschäftigten sehen darin einen großen Gewinn", so Habich.

Studie fürchtet negative Auswirkungen

Trotzdem warnt die Studie: Frauen droht zuhause die Doppelbelastung mit Haushalt und Karriere, und gerade junge Menschen könnten im Job den Anschluss verlieren. Sie fürchten das Homeoffice als Karrierefalle.

Jörg Habich erklärt das so: "Es fehlen Vorbilder. Ich bin also plötzlich allein zuhause im Homeoffice, im schlimmsten Fall gerade im Homeschooling gewesen, und habe eigentlich gar nicht mehr den Austausch mit den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen."

Stylisches Ambiente in leeren Büroetagen

Bei LeanIX Firmengründer André Christ schlagen zwei Herzen in der Brust. Er läuft durch die seit Monaten menschenleere Büroetage seiner Firmenzentrale im ehemaligen Bonner Regierungsviertel: "Wir sind viel flexibler geworden, auf der anderen Seite können wir das schöne Arbeitsumfeld nicht nutzen."

Damit die Kollegen zuhause nicht vereinsamen, hat das Unternehmen einiges ausprobiert. Eine Firmenübernahme feierten sie mit einem Konzert im Livestream. Die Cocktails dazu mixte der Firmenchef online. "Es war dann sehr schön zu sehen, dass es viel Energie gab. Die Mitarbeiter haben viel kommentiert, haben sich gefreut, haben Fotos geteilt. Das ist dann ein gutes Zeichen, um zu sehen, da wird viel Energie frei, und es wichtig, dass man sowas als Firma auch in dieser Zeit feiert."

Im Unternehmen gibt es ein Budget, um sich das Homeoffice einzurichten. Einigen Mitarbeitern hat es geholfen, die Videokonferenz mit den Kollegen im Hintergrund weiterlaufen zu lassen.

Regeln für das Arbeiten zu Hause

Für Aleix Casanovas war das größte Problem, Job und Privatleben im Homeoffice zu trennen. Ihm helfen feste Regeln: "Es ist genau so, dass man sich in den Kalender schreibt, jetzt ist Mittagspause, und danach geht man arbeiten." Ihm wäre es am liebsten, flexibler arbeiten zu können, abwechselnd im Homeoffice und im Büro - eine Idee für die Zeit, wenn die Pandemie endlich vorbei ist.

Homeoffice – Arbeit zwischen Kind, Computer und Küche

Planet Wissen 30.04.2021 58:02 Min. UT Verfügbar bis 30.04.2026 WDR

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