Hochwasser in Düsseldorf: Stadt stellt sich Kritik

Überschwemmungen in Düsseldorf Gerresheim

Hochwasser in Düsseldorf: Stadt stellt sich Kritik

Von Peter Hild

In einer Sondersitzung dreier Ratsausschüsse wurden am Donnerstag die Folgen des extremen Unwetters vom Juli aufgearbeitet. Von Betroffenen gab es Lob, aber auch deutliche Kritik.

Ich kann die Enttäuschung vieler verstehen, dass nicht überall so gewarnt wurde, wie es aufgrund von verfügbaren Informationen hätte getan werden können, ja müssen“, räumte Düsseldorfs Ordnungsdezernent Christian Zaum (CDU) in der Sondersitzung am Donnerstag ein.

Vor allem wegen fehlender Warnungen für die Stadtteile Gerresheim und Vennhausen in der Nacht von 14. auf den 15. Juli gab es von Betroffenen viel Kritik an der Verwaltung.

Interne Protokolle, die dem WDR vorliegen, belegen, dass sich der Krisenstab kurz nach Mitternacht auf den nächsten Morgen vertagt hatte. In den nächsten Stunden wurden dann Teile Gerresheims und Vennhausens von einer zweiten Hochwasserwelle der Düssel überflutet. Zaum als damaliger Krisenstabsleiter erklärte am Donnerstag, dass eine interne Arbeitsgruppe nun Versäumnisse aufarbeiten soll, etwa bei den Meldeketten.

Stadt will sich besser rüsten

Die Politik hatte im Vorfeld Aufklärung und Lösungen gefordert, um für künftige Extremwetterereignisse besser gerüstet zu sein. Die Stadt kündigte am Donnerstag erneut Verbesserungen in mehreren Bereichen an.

Das Unwetter im Rheinland - so sah es in Düsseldorf und Umgebung aus

Das Unwetter hat vielerorts in Düsseldorf, Erkrath und der Umgebung Bilder der Verwüstung zurückgelassen. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten in der Region.

Überschwemmungen in Düsseldorf Gerresheim

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Straßen mussten wegen der Überschwemmungen gesperrt werden, so wie hier die B8 in Düsseldorf. Auch die A44 war betroffen.

In Mettmann kam es zu dramatischen Szenen: Am Morgen des 14.07.2021 wurde eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims bei dem Versuch, das Haus mit Sandsäcken gegen Wassermassen zu schützen, unter einem umstürzenden Baum eingeklemmt. Nur weil ein Ersthelfer den Kopf der Mitarbeiterin über Wasser hielt, konnte ihr Ertrinken verhindert werden.

Einsatzkräfte versuchten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag den Damm in der Düsseldorfer Ostparksiedlung zu sichern.

Der von der Feuerwehr errichtete Damm in der Ostparksiedlung konnte den Wassermassen jedoch nicht standhalten.

Eine Wohnsiedlung in Düsseldorf-Vennhausen am Donnerstagmorgen. Die Anwohner mussten lange auf die Feuerwehr warten.

Das Wasser hat die ganze Siedlung durchzogen. Viele Anwohner hatten ihre Häuser und Wohnungen zwischenzeitlich verlassen müssen.

Vennhausen – Hier stand das Wasser bis unter die Decke. Sicherungen und Stromzähler wurden vielerorts zerstört. Viele Anwohner hatten über Tage keinen Strom.

Im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth ist am Samstag eine Straße unterspült worden und abgesackt. Ein drei Meter tiefes Loch bleibt zurück. Wann die Alte Landstraße wieder freigegeben wird, ist unklar.

Die Sportanlage vom TV Grafenberg stand unter Wasser. Der Fußballplatz ist mittlerweile wieder halbwegs trocken – zurück bleiben Schlamm und Dreck.

Auch das Clubhaus des TV Grafenberg neben der Ostparksiedlung hat es hart getroffen. Wann hier wieder trainiert und Siege gefeiert werden können, ist unklar.

In der Kleingartenanlage Weidenau in Düsseldorf-Gerresheim ist die harte Arbeit vieler Kleingärtner in den Fluten zerstört worden.

Überflutete Straßenschilder und Fahrradständer lassen erahnen, dass hier einmal eine Straße war. Der überflutete Anleger der Rheinfähre in Meerbusch zeigt, wie weit sich der Fluss wegen des Unwetters ausgedehnt hat.

Hochwasser am Rhein – Der Dauerregen und das Unwetter haben auch den Rheinpegel steigen lassen. Der Fluss erreichte in Düsseldorf am Samstag den Höchststand von 7,60 Metern.

In Erkrath war der Stadtteil Alt-Erkrath stark überflutet. 600 Menschen konnten die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nicht im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung verbringen.

Ein Auto, bis zum Dach im Wasser versunken, steht auf der überfluteten Morper Alle in Erkrath.

In Alt-Erkrath liefen viele Keller und Garagen voll.

Obwohl ihn das Unwetter kalt erwischt hat, strampelt ein Radfahrer in Erkrath tapfer weiter.

Nach dem Starkregen mussten in Erkrath unzählige Keller ausgepumpt, Sandsäcke abgetragen und zerstörtes Hab und Gut aus den überfluteten Räumen geräumt werden. Am Freitag sammmelte sich in Alt-Erkrath das Sperrgut.

Durchnässter Hausrat, alte Fotoalben, zerstörte Geräte: All das türmt sich nach dem Unwetter schlammbedeckt auf den Straßen in Düsseldorf.

Die Aufräumarbeiten in Düsseldorf laufen noch – allein am ersten Wochenende nach dem Hochwasser hat die Awista rund 350 Tonnen Sperrmüll eingesammelt.

Auch in Ratingen in der Siedlung am Grünen See stapelte sich massenweise zerstörtes Hab und Gut der Anwohner. Laut Feuerwehr, die 185 Einsätze auf dem Ratinger Stadtgebiet gezählt hat, waren vor allem die Stadtteile West, Mitte, Tiefenbroich und Hösel besondere Einsatzschwerpunkte.

Auch das Ufer des Grünen Sees selbst wurde beschädigt, die Böschung ist abgerutscht. Das Grünflächenamt der Stadt Ratingen hat das Gebiet abgesperrt.

So sollen die Flusspegel digitalisiert werden und online abrufbar sein, über das System „Cell Broadcast“ sollen die Menschen künftig gezielt per SMS informiert werden können. In dieser Woche hatte die Verwaltung bereits Starkregengefahrenkarten im Internet veröffentlicht, auf denen jeder Bürger das Überflutungsrisiko seines Wohngebiets ablesen kann.

Renaturierung braucht Zeit

Halle mit vielen Tischen und Politikvertretern im Innenraum, Zuschauer oben auf der Tribüne

Viele Nachfragen gab es auch zur möglichen Renaturierung von Flussläufen, um mehr Ausweichflächen für Wassermassen zu schaffen. Viele Maßnahmen seien bereits in der Genehmigung, hieß es von Seiten der Stadt. Doch wegen langwieriger Planungsprozesse und fehlendem Fachpersonal sei unklar, ob alle Maßnahmen wie geplant bis 2027 abgeschlossen werden können.

Am Geld scheitern diese Umbauten nicht“, betonte Stadtkämmerin Dorothée Schneider, „aber in der Umsetzung sind wir auch von anderen abhängig.

Stadt muss sich rechtfertigen

Die Stadt musste sich gerade für ausgebliebene Warnungen immer wieder rechtfertigen. „Durch die Vielzahl der Ereignisse war am späten Abend eine ganz konkrete Einordnung und Warnung für bestimmte Gebiete nicht möglich“, erklärte Feuerwehrchef David von der Lieth.

Markus Lezaun von der Hochwasser-Anwohnerinitiative Gerresheim zollte der Stadt nach der Sondersitzung einerseits Respekt, sich offen den Fragen gestellt und Fehler eingeräumt zu haben. Andererseits geht er davon aus, dass die genaue Fehleranalyse vielleicht noch Monate dauern werde. Wie viel Bestand die Absichtserklärungen der Verwaltung haben, wird sich in der Praxis erst erweisen müssen.

Stand: 09.09.2021, 19:23