Die Hochwasser-Katastrophe und das Leben danach

Die Hochwasser-Katastrophe und das Leben danach

Von Christine Roskopf

Erst langsam begreifen die Menschen in den Hochwassergebieten, was sie alles verloren haben. Familie Acker-Efferen aus Erftstadt-Blessem durfte am Donnerstag zum ersten Mal zurück in ihr überflutetes Haus. Seitdem arbeiten sie unermüdlich daran, die Schäden zu beseitigen.

Sabine Acker und Dirk Efferen stehen vor einem meterhohen Berg aus zerstörten Möbeln und Gegenständen. Was nicht durch das Wasser zerstört wurde, hat sich der Schlamm genommen. In den letzten Tagen haben sie gemeinsam mit Freiwilligen alles aus ihrem Keller und dem Erdgeschoss auf die Straße geschleppt. Jetzt warten sie darauf, dass endlich der Traktor kommt und alles mitnimmt.  

Wohin mit dem ganzen Sperrmüll?

Sperrmüllberg vorm Haus der Familie Acker-Efferen in Erftstadt nach der Flutkatastrophe

Sperrmüllberg vorm Haus der Familie Acker-Efferen

Schon seit Tagen sind viele Landwirte mit ihren Maschinen unterwegs und bringen den zerstören Hausrat von vielen Menschen weg. In der Nähe der zerstörten B265 ist eine provisorische Müllhalde entstanden. Allein in der Nachbarschaft von Familie Acker-Efferen reihen sich hunderte kaputte Waschmaschinen, Trockner und Kühlschränke aneinander. "Ohne die Hilfe der Landwirte und der vielen Freiwilligen wären wir aufgeschmissen", sagt Dirk Efferen.

Und plötzlich lag da die Puppe

Das Haus wird lange Zeit nicht bewohnbar sein. Die 13-jährige Tochter ist vorerst bei Freunden untergekommen. Sabine Acker hat das Chaos um sich herum bislang mit Fassung getragen. Bis zu dem Moment, wo sie durch Zufall ihre alte Puppe aus Kindertagen im Schlamm findet. Erst da kämpft sie das erste Mal mit den Tränen und ihr wird bewusst, dass auch Erinnerungen verloren gehen, die sie nicht mit Geld ersetzen kann. "Ich habe wenigstens meine Puppe retten können aber meine Tochter hat jetzt nichts mehr, ihre Erinnerungskiste ist verloren."

Was zahlt die Versicherung?

Während die ganze Nachbarschaft noch beim Aufräumen ist, drängt sich eine Frage immer mehr in den Vordergrund. Die Frage nach dem Versicherungsstatus. Wer ist gegen Elementarschäden versichert und wer nicht? Familie Acker-Efferen gehört zu den Glücklichen, die sich damals beim Hausbau vor elf Jahren für den vollen Schutz entschieden haben. Obwohl auch sie damals dachten, die Erft sei doch weit genug entfernt.

Der Boden im Haus der Familie Acker-Efferen ist nach der Flutkatastrophe voller Schlamm

Der Boden im Haus der Familie Acker-Efferen ist nach der Flutkatastrophe voller Schlamm

Ob der Versicherungsstatus die Nachbarschaft spaltet? Noch sieht Dirk Efferen einen Zusammenhalt, den es so schon lange nicht mehr gab. Am späten Nachmittag sind die Landwirte mit ihren Maschinen auch endlich bei Familie Acker-Efferen angekommen. Sabine Acker zieht noch schnell ein Kuscheltier ihrer Tochter aus dem Schlamm. "Vielleicht kann man es noch retten."   

Stand: 25.07.2021, 09:13