Naturkatastrophenbericht: Risiko für Deutschland steigt

Die Flut: Teuerste Naturkatastrophe in Deutschland Aktuelle Stunde 10.01.2022 14:03 Min. UT Verfügbar bis 17.01.2022 WDR Von Carsten Upadek

Naturkatastrophenbericht: Risiko für Deutschland steigt

Das Juli-Hochwasser war nur ein Vorbote: Deutschland muss sich infolge des Klimawandels häufiger auf schwere Katastrophen einstellen. Die Warnung kommt nicht von Umweltschützern, sondern von der Versicherungswirtschaft.

Mit einem Gesamtschaden von 46 Milliarden Euro - davon 33 Milliarden in Deutschland - waren "Tief Bernd" und das Juli-Hochwasser im Rheinland im vergangenen Jahr das zweitteuerste Naturereignis weltweit. Das meldet am Montag die Versicherungsgesellschaft "Münchener Rück" in ihrem alljährlichen Naturkatastrophenbericht. Nur Hurrikan "Ida", der Ende August über die USA und Kanada gezogen war, verursachte demnach noch höhere Schäden: umgerechnet rund 57 Milliarden Euro.

Weltweit verursachten Stürme, Hochwasser, Waldbrände oder Erdbeben im Jahr 2021 Schäden von 280 Milliarden Dollar. Im Vorjahr waren es noch 210 Milliarden Dollar gewesen. Im langjährigen Trend sind die Schäden durch Naturkatastrophen immer weiter gestiegen: Die Statistiken der Versicherungswirtschaft gelten dabei als besonders verlässlich: Risiken einzuschätzen, gehört zu ihrem Kerngeschäft.

Klimatologe: Müssen unser Land "wetterfest" machen

Für den Chef-Klimatologen der Versicherung, Ernst Rauch, zeigt die Statistik vor allem eins: "Etliche der extremen Unwetterereignisse gehören zu jenen, die durch den Klimawandel häufiger oder schwerer werden. Dazu gehören Schwergewitter in den USA auch im Winterhalbjahr. Oder auch Starkregen mit Hochwasser in Europa." Für ihn gibt es keinen Zweifel mehr: "Der Klimawandel hat solche Ereignisse wahrscheinlicher gemacht. Es wird eine Generationenaufgabe, unser Land wetterfest zu machen."

Das Juli-Hochwasser an Ahr und Erft habe dabei neue Maßstäbe gesetzt, sagt Rauch. "Dass auf so engem Raum ein so großer Schaden entstehen konnte, hat viele überrascht." Der versicherte Schaden liege beim Vierfachen dessen, was die größten Überschwemmungs-Katastrophen der Geschichte in Deutschland je angerichtet haben.

Sowohl Politik als auch Privatleute müssten sich auf die veränderte Situation einstellen, so der dringende Rat: "Das geht vom Verbot, zerstörte Gebäude in Risikozonen wieder aufzubauen, bis zur Renaturierung von Flüssen."

Meteorologe: Katastrophenschutz muss sich neu aufstellen

Meteorologe Karsten Schwanke

Karsten Schwanke

Für Karsten Schwanke, Meteorologe beim WDR, sind die neuen Erkenntnisse ein weiterer Grund, den Katastrophenschutz in Deutschland völlig zu überdenken. Dass Menschen von den Fluten völlig überrascht werden wie zuletzt beim Juli-Hochwasser, dürfe sich nicht wiederholen. "Wir müssen vor allem diskutieren, wie wir die Menschen in den letzten 30 bis 60 Minuten vor dem Eintreffen einer Flutwelle warnen können", forderte Schwanke am Montagabend im WDR-Fernsehen.

2021 war das fünftwärmste Jahr der Geschichte

Dass der Klimawandel auch in Europa im vollen Gange ist, zeigt auch die aktuelle Bilanz des EU-Forschungsprojekts Copernicus, die am Montag veröffentlicht wurde. Das Jahr 2021 in Europa war demnach das fünftwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die verheerenden Waldbrände in der Türkei, in Griechenland und in Süditalien seien eine unmittelbare Folge des Klimawandels.

Stand: 10.01.2022, 19:30