Betrug mit Stil: Eschweilerin narrt New Yorker High Society

Anna Sorokin vor Gericht

Betrug mit Stil: Eschweilerin narrt New Yorker High Society

  • Prozessauftakt gegen Anna Sorokin
  • Vorwurf: 275.000 Dollar ergaunert
  • Netflix will Fall der Eschweilerin verfilmen

Glaubt man Berichten über den Lebensstil von Anna Sorokin, könnte man sie für eine reiche Erbin mit Treuhandfonds im Rücken halten. Doch das mondäne Auftreten der junge Frau aus Nordrhein-Westfalen hatte US-Ermittlern zufolge nur einen Zweck: Es sollte das Vertrauen der New Yorker Oberschicht wecken.

Seit Mittwoch (27.03.2019) steht die 28-Jährige vor einem New Yorker Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, zwischen November 2016 und August 2017 etwa 275.000 US-Dollar ergaunert zu haben.

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Verfügbar bis 06.05.2020

Neuer Namen, neue Vita

Seitenansicht von St. Marien Eschweiler, einer Kirche aus rotem Backstein vor blauem Himmel

Sorokin ging im beschaulichen Eschweiler zur Schule

Sorokin wurde in Russland geboren, zog im Alter von 16 Jahren mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder nach Deutschland und ging in Eschweiler bei Aachen zur Schule.

In die USA kam sie 2013 - und legte sich bei der Gelegenheit mit Anna Delvey nicht nur einen neuen Namen, sondern auch eine neue Vita zu: Dem US-Magazin "Vanity Fair" zufolge gab sie sich als Spross einer schwerreichen Familie aus - mit 60 Millionen US-Dollar zur freien Verfügung.

Sie schien geschickt darin zu sein, sich mit den richtigen Leuten an den richtigen Orten zu umgeben. "Treuhandfonds-Kids rennen überall herum. Jeder ist dein bester Freund und du weißt über niemanden etwas wirklich", sagte Marketing-Experte Tommy Saleh, der Sorokin 2013 in Paris während der Modewoche kennenlernte.

Antrag auf Milllionenkredit

Der Haken war nur: Sorokin verstand es zwar ausgezeichnet, wie ein Mitglied der Oberschicht aufzutreten - ihre Rechnungen zahlte sie aber nicht. Laut Staatsanwaltschaft fälschte sie Schecks, bemühte sich mit gefälschten Unterlagen (erfolglos) um einen 20-Millionen-Dollar-Kredit und schnorrte viel Geld bei Freunden und Bekannten, das sie nie zurückzahlte.

Erst Ende 2017 brach das Kartenhaus zusammen: Sorokin wurde verhaftet und wartet seitdem im Gefängnis auf ihre Verhandlung. Ihr droht eine mehrjährige Haftstrafe. Ob sie diese im Fall einer Verurteilung in den USA oder in Deutschland absitzen muss, ist unklar.

Eines hat Sorokin auf jeden Fall erreicht: Ihr Fall hat das Interesse Hollywoods geweckt. TV-Produzentin Shonda Rhimes ("Grey's Anatomy") will die Geschichte für Netflix verfilmen.

Betrug statt Spitzenforschung - Wenn Wissenschaftler schummeln Quarks 24.07.2018 45:00 Min. UT DGS Verfügbar bis 24.07.2023 WDR

Stand: 27.03.2019, 13:06