Himmelslaternen - gefährlich und verboten

Himmelslaternen - gefährlich und verboten

  • Seit 2009 ist das Steigenlassen in NRW verboten
  • Fackeln weiterhin im Handel frei erhältlich
  • Prinzip funktioniert wie bei einem Heißluftballon

Himmelslaternen haben wohl das tödliche Unglück im Krefelder Zoo ausgelöst. Dort brannte in der Nacht auf Neujahr (01.01.2020) das Affenhaus komplett ab – etwa 30 Tiere verendeten in den Flammen, darunter Orang-Utans, Schimpansen und Gorillas. Was hat es auf sich mit den kleinen Fackeln, die zwar romantisch aussehen, aber großen Schaden anrichten können?

Ist der Einsatz von Fluglaternen verboten?

Das Foto der Polizei Krefeld zeigt eine sichergestellte Himmelslaterne.

Eine von der Polizei Krefeld sichergestellte Laterne.

Ja. In NRW wie in den meisten anderen Bundesländern auch besteht seit 2009 ein Verbot, der Einsatz der kleinen Fackeln ist nicht erlaubt.

Die örtlichen Ordnungsbehörden können aber auf Antrag örtlich und zeitlich begrenzte Ausnahmen von dem Verbot zulassen, wenn die besonderen Umstände des Einzelfalls keine Bedenken für die öffentliche Sicherheit darstellen.

Wer die Laternen dennoch steigen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die Geldbuße kann bis zu 1.000 Euro betragen. Alternativ zu den Himmelslaternen ist es jedoch gestattet, LED-Ballons oder sogenannte "Flying Wishpapers" steigen zu lassen. Fackeln mit offenem Feuer sind aber verboten.

Wo kann man Himmelslaternen kaufen?

Die Laternen sind im Handel frei erhältlich. Auf etlichen Webseiten kann man die Fackeln kaufen. Das ist auch nicht verboten. Nur Steigenlassen darf man die auch als "Kong-Ming-Laternen" bekannten Flugobjekte nicht.

Die SB-Warenhauskette Real hat nach dem Brand in Krefeld den Verkauf von Himmelslaternen auf ihrem Online-Marktplatz gestoppt. Ein Real-Sprecher betonte am Donnerstag (02.01.2020), die Himmelslaternen seien nicht Teil des Real-Sortimentes gewesen, sondern von Dritten auf der Online-Plattform der Handelskette angeboten worden. Sie seien mit Warnheinweisen versehen gewesen.

Der Krefelder Kriminalhauptkommissar Gerd Hoppmann nahm die drei Frauen, die Himmelslaternen hatten steigen lassen, in Schutz. Sie hätten die Laternen im Internet bestellt und dachten nach eigenen Angaben, dass es an Silvester erlaubt sei, sie steigen zu lassen.

Wie funktionieren die Laternen?

Die Fluglaternen, auch Sky Lanterns genannt, sind meist 30 bis 70 Zentimeter groß. Die Lampions bestehen aus dünnem Reispapier.

Das Prinzip ist das gleiche wie bei einem Heißluftballon: Im Innern des Lampions befindet sich entweder eine brennbare Flüssigkeit oder ein mit Wachs getränkter Baumwollstoff. Wird dieser angezündet, erwärmt sich die Luft im Lampion und es wird ein Auftrieb erzeugt. Das Lampion beginnt zu schweben. Erst wenn der Brennstoff verbrannt ist, sinkt das Lampion langsam nach unten.

Die Himmelslaternen können 500 bis 800 Meter hoch aufsteigen und bis zu 30 Minuten brennen. Jedoch geht auch noch von den glühenden Resten der Laterne eine Gefahr aus.

Bilder vom Brand im Krefelder Affenhaus

Im Krefelder Zoo ist in der Nacht zu Neujahr das Affenhaus in Flammen aufgegangen. Mindestens 30 Tiere starben.

Ein Schild mit der Aufschrift "Kein Eingang" steht vor dem abgebrannten Affenhaus im Krefelder Zoo

Am Morgen danach: Vom Affenhaus im Krefelder Zoo ist nur noch eine Ruine übrig.

Am Morgen danach: Vom Affenhaus im Krefelder Zoo ist nur noch eine Ruine übrig.

Holz ist verkohlt, Glasscheiben sind zerborsten.

Als die Feuerwehr in der Nacht eintraf, stand das Affenhaus schon komplett in Flammen.

Das abgebrannte Affenhaus von oben.

Die Polizei geht davon aus, dass eine sogenannte Himmelslaterne den Brand verursacht hat.

Mögliche Verursacher haben sich am Mittwochnachmittag (01.01.2019) bei der Polizei gemeldet. Ihre Angaben werden jetzt überprüft.

Viele Menschen haben ihre Trauer mit Kerzen, Blumen und Botschaften vor dem Zoo zum Ausdruck gebracht.

Der Krefelder Zoodirektor Wolfgang Dreßen war tief betroffen und sprach am Mittwochnachmittag mit seinen Mitarbeitern und den trauernden Besuchern.

Auch am Donnerstag (02.01.2019) bleibt der Krefelder Zoo noch geschlossen.

Der Deutsche Tierschutzbund forderte Konsequenzen. Er schlug vor, Sicherheitszonen zu schaffen, in denen Tiere in Zoos, Tierheimen oder auf Bauernhöfen vor Silvesterfeuerwerk geschützt würden.

Stand: 02.01.2020, 20:42

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