Caritas rät: Obdachlosen im Zweifel Geld geben

Caritas rät: Obdachlosen im Zweifel Geld geben

Von Gösta Neumann

  • 3.000 bis 5.000 Obdachlose leben allein in Köln.
  • Ratgeber gibt praktische Tipps.
  • Caritas will dabei helfen, den Obdachlosen richtig zu begegnen.

Immer mehr Obdachlose und Bettler leben in Großstädten wie Köln auf der Straße. Das hat die Caritas bei ihrer Arbeit festgestellt und deswegen jetzt einen Ratgeber herausgegeben, wie man mit ihnen umgeht. Allein in Köln gibt es zwischen 3.000 und 5.000 Obdachlose, schätzt die katholische Hilfsorganisation.

Leitfaden zeigt Schicksale der Obdachlosen

Armes Köln

6.000 Exemplare liegen in Köln aus

Der Leitfaden, der am Montag (16.10.2017) vorgestellt wurde, erzählt Geschichten von Menschen, die von Armut betroffen sind. Darunter sind Obdachlose, aber auch arme Menschen mit einem festen Wohnsitz.

Zum Beispiel enthält der Ratgeber einen Bericht über einen obdachlosen Mann, der als Arzt nach Köln gekommen ist und jetzt auf der Straße lebt. Die Ausweispapiere des Kroaten sind ungültig und werden nicht mehr verlängert. Er muss jetzt nachts in einem Waggon in einem Güterbahnhof übernachten.

Armut in der Stadt

Eine andere Geschichte ist von einer Frau, die zum Pfandflaschen-Sammeln quer durch die Stadt fährt, damit sie ihre Kinder oder deren Klassenkameraden dabei nicht trifft. Ihr ist die Armut peinlich. Diese Geschichten sollen den Lesern einen besseren Eindruck vermitteln, was es bedeutet kein Geld zu haben.

Ratgeber soll Fragen der Kölner beantworten

"Soll man bettelnden Menschen Geld geben?" oder "Ist die Not echt?" sind zwei der Fragen, die die Caritas stellt und beantwortet. Im Zweifel sollte man lieber Geld geben, rät die Caritas. Ein belegtes Brötchen und ein Kaffee sind zwar nett gemeint, aber sie helfen nicht, wenn derjenige das in diesem Tag schon mehrmals von anderen bekommen hat, sagt die Hilfsorganisation.

Armes Köln

Caritas rät Geld zu geben anstatt Lebensmittel

Mit Geld kann der Obdachlose sich unter Umständen Alkohol oder sogar Drogen kaufen. Das mag zwar dem Spender nicht gefallen, räumt die Caritas ein. Aber der Obdachlose brauche das möglicherweise eher, weil ein kalter Entzug auf der Straße lebensbedrohlich für ihn sein könne, sagt die Caritas. Auch die Not ist echt, weil keiner freiwillig auf der Straße lebt, so die Helfer.

Insgesamt liegen 6.000 Exemplare des Ratgebers in Köln aus. In erster Linie in sozialen Einrichtungen und in Kirchen. Die Caritas hofft, dass Menschen mit dem Ratgeber ihre Haltung zur Armut verändern und auf Obdachlose mehr im Stadtbild achten, um ihnen Hilfe anzubieten.

Stand: 17.10.2017, 10:44