Kontaktnachverfolgung: Job beim Gesundheitsamt?

Gesundheitsamt-Mitarbeiter am Telefon bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten.

Kontaktnachverfolgung: Job beim Gesundheitsamt?

Von Lisa Mathofer

Die Corona-Fallzahlen steigen, die Gesundheitsämter suchen Mitarbeiter zur Kontaktverfolgung. Die Anforderungen an die Bewerber sind jedoch sehr unterschiedlich.

Die Gesundheitsämter in NRW sind aktuell oft überfordert, die steigenden Fallzahlen machen die Arbeit nicht einfacher. Befristet werden neue Mitarbeiter eingestellt, immer wieder veröffentlichen die Städte neue Stellenausschreibungen.

Doch die Anforderungen an die Bewerber sind sehr unterschiedlich, jede Stadt oder jeder Kreis in NRW legt sie selbst fest. Die Stadt Duisburg setzt zum Beispiel zwingend ein Studium voraus.

Die Kontaktverfolgung

Wer positiv auf das Corona-Virus getestet wird, muss sich beim Gesundheitsamt melden. Gemeinsam mit den Mitarbeitern überlegen die Infizierten dann am Telefon, mit wem sie zuletzt Kontakt hatten, wo sie sich im öffentlichen und privaten Raum länger aufgehalten haben, wo sie ihre persönlichen Daten hinterlassen haben. Kontaktnachverfolgung nennt sich diese Aufgabe offiziell.

Voraussetzung: Studium?

"Für alle Stellen im gehobenen Dienst ist ein Bachelorstudium nötig", sagt ein Mitarbeiter der Stadt. "Da richten wir uns nach dem geltenden Tarifrecht." Auch wenn das Gesundheitsamt in besonderen Situationen - wie der Corona-Krise - Verstärkung suche, gebe es da keine Ausnahmen. Die letzte Ausschreibung habe er vor zwei Wochen veröffentlicht, seitdem hätten sich etwa 100 Bewerber gemeldet.

Auch Leo Dzialoszynski aus Duisburg hatte sich beworben, bekam eine Woche später die Absage. "Die habe ich wegen des fehlenden Studiums bekommen. Und das obwohl ich als Handelsfachwirt jahrzehntelange Erfahrung als Geschäftsleiter habe und studierte Betriebswirtschaftler fortgebildet habe", sagt der 60-Jährige, der sich per Mail beim WDR gemeldet hat. Ihm sei bewusst gewesen, dass die Stadt ein Studium verlangt, er habe sich aber trotzdem beworben. Er sei motiviert gewesen, den befristeten Job zu machen.

Im Kreis Kleve hätte er den Job vielleicht bekommen, denn da sieht es anders aus: Wer sich dort bewerben möchte, muss Berufserfahrung oder ein Studium im Gesundheitsbereich oder der Sozialwissenschaften mitbringen. Alternativ sei auch eine kaufmännische Ausbildung von Vorteil.

Gesundheitsamt: "Es werden zu viele, die wir verfolgen müssen"

WDR 2 16.10.2020 05:54 Min. Verfügbar bis 16.10.2021 WDR Online


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Städte erledigen Nachverfolgung selbst

Im Kreis Kleve können einige Städte die Nachverfolgung der Kontaktpersonen außerdem seit einigen Monaten mit einer Datenbank des Gesundheitsamts einfach selbst erledigen. In Kevelaer, Geldern, Goch, Rees und Emmerich ist das schon eine Option, auch für die Stadt Kleve soll das ab November möglich sein. Trotzdem wurde auch im Kreis mehr Personal eingestellt, je nach Bedarf sollen auch weitere Mitarbeiter eingestellt werden, sagt eine Sprecherin.

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Soldaten der Bundeswehr unterstützen das Kölner Gesundheitsamt

Die besondere Situation erfordert neben den Ausschreibungen auch weitere besondere Maßnahmen in den Ämtern. Rund 150 Bundeswehrsoldaten helfen seit einigen Tagen in ganz NRW aus, in Duisburg sind es 15. Ihr schärfstes Geschütz für die nächsten vier Wochen: Der Telefonhörer.

Leo Dzialoszynski ist sich sicher: Jemanden für eine befristete Vollzeitstelle mit einem eher niedrigen Tarifgehalt zu finden, sei nicht immer einfach. Auch er hat über den Einsatz der Soldaten im Duisburger Gesundheitsamt gelesen. "Das finde ich dann nicht ganz so fair, da hat bestimmt nicht jeder studiert", sagt er.

Festgelegt ist der außergewöhnliche Bundeswehreinsatz allerdings im Grundgesetz: Laut Artikel 35 "leisten alle Behörden des Bundes und der Länder sich gegenseitig Rechts- und Amtshilfe." Dzialoszynki ist trotzdem weiter motiviert zu helfen. Er will sich weiter bewerben – vielleicht im Kreis Kleve.

Stand: 20.10.2020, 13:29