Arzt nimmt Stellung nach umstrittener Impfaktion

Arzt nimmt Stellung nach umstrittener Impfaktion

Von Benjamin Sartory

Ein Hausarzt hat Firmen-Mitarbeiter in Hamminkeln gegen Corona geimpft - und dafür 80 Euro pro Patient verlangt. Jetzt sagt er, das sei nur eine "Überlegung" gewesen, die Leistung in Rechnung zu stellen.

Ein Arzt hat am Sonntag in Hamminkeln offenbar eigenmächtig etliche Mitarbeiter von Firmen geimpft und steht deshalb massiv in die Kritik. Er hatte die Unternehmen nach WDR-Informationen in eine Festscheune eingeladen, sie sollten pro geimpftem Mitarbeiter 80 Euro zahlen.

80 Euro nur "eine Überlegung"?

In einer Pressemitteilung schreibt der Arzt nun, dass es nur eine Überlegung gewesen sei, sich seine Auslagung und Personalkosten "refinanzieren" zu lassen. Anders als berichtet habe er diesen Gedanken aber frühzeitig verworfen.

Dem WDR liegt allerdings ein Schreiben vor, in dem noch einige Tage vor der Impfaktion ankündigt wird, genau dieses Geld in Rechnung zu stellen. Und am Impftag selbst hatte der Arzt vor WDR-Reportern auch eingeräumt, dass die Unternehmen ihn bezahlen.

Wörtlich sagte er: "Die Unternehmen zahlen das, für die Scheune, für den Sonntag und mein Personal." 200 Leute würde er an dem Tag impfen.

NRW-Gesundheitsministerium kritisiert Arzt scharf

Das NRW-Gesundheitsministerium hatte zuvor scharf kritisiert, dass der Arzt Geld für die Impfaktion nehmen wollte. Das Vorgehen sei vollkommen inakzeptabel, man werde deshalb eine berufsaufsichtsrechtliche Prüfung veranlassen.

Ebenso inakzeptabel sei es, dass der Mediziner schon in seiner Einladung in Aussicht stellte, dass übriggebliebene Impfdosen an nicht-priorisierte Mitarbeiter gehen könnten. Sie seien immer zunächst weiteren priorisierten Personen anzubieten, so das Ministerium.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) prüft den Fall noch. Nach erster Einschätzung dürften Ärzte aber grundsätzlich keine besondere Vergütung für die Corona-Impfungen nehmen, auch nicht für Auslagen. Ob es einen Unterschied macht, dass der Mediziner nach eigenen Angaben auch der Betriebsarzt der Unternehmen ist, ist noch unklar.

Firmen waren noch nicht vorgesehen für Impfung

Ärger droht dem Arzt außerdem, weil er womöglich die Impfreihenfolge nicht eingehalten hat. Nach seinen Worten kommen die Unternehmen aus systemrelevanten Bereichen.

Ärger um Impfungen gegen Geld

WDR 5 Westblick - aktuell 19.04.2021 03:53 Min. Verfügbar bis 19.04.2022 WDR 5


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Ein Impfpass mit einer Nadel drüber

Anders als der Arzt angab, waren aus Sicht des Kreises Wesel Impfungen der Mitarbeiter dieser Firmen allerdings noch nicht vorgesehen. Der Mediziner habe die Vorgaben "eigenständig und ohne vorherige Rücksprache mit dem Kreis Wesel" ausgelegt. Auch die Kassenärtzliche Vereinigung schreibt, dass die Priorisierung grundätzlich "strikt zu beachten" sei.

Der betroffene Arzt meint dagegen, etwas "Gutes" getan zu haben. Immerhin seien 200 Menschen geimpft worden. Außerdem hätte der Impfstoff schnell verimpft werden müssen, so der Mediziner. Die zuständige Ärztekammer will sich den Fall anschauen, wenn die Untersuchungen der Kassenärztlichen Vereinigung abgeschlossen sind.

Stand: 21.04.2021, 11:37