Schülerjobs: Aachener Kinderschutzbund kritisiert Hartz-IV-Regeln

Mädchen spielt sitzend mit einem Kleinkind.

Schülerjobs: Aachener Kinderschutzbund kritisiert Hartz-IV-Regeln

Von Anke Bardenberg

  • maximaler Verdienst 2.400 Euro im Jahr
  • Mehrverdienst wird von Sozialhilfe abgezogen
  • Kinderschutzbund fordert Chancengleichheit

Weil ihre Eltern Hartz-IV beziehen, dürfen Kinder und Jugendliche mit Ferien- und Schülerjobs weit weniger verdienen, als andere in ihrem Alter. Der Aachener Kinderschutzbund kritisiert diese Regelung.  

Abzüge bei Sozialleistungen drohen

Es klingt paradox: Ausgerechnet die Kinder und Jugendlichen, die einen Zuverdienst am nötigsten hätten, dürfen mit Schüler- und Nebenjobs am wenigsten verdienen. Ob Zeitungsaustragen, Babysitten oder Supermarktregale sortieren: 100 Euro im Monat und zusätzlich 1200 Euro in höchstens vier Schulferienwochen pro Jahr sind erlaubt – also maximal 2.400 Euro pro Jahr. Jeder Cent, der darüber hinaus verdient wird, muss zu 80 Prozent wieder an den Staat zurückgezahlt werden – beziehungsweise wird in dieser Höhe von den Sozialleistungen abgezogen.

2.400 Euro statt rund 7.700 Euro

Denn auch die Kinder sind Teil der "Bedarfsgemeinschaft", so sehen es die Hartz-IV-Gesetze vor. Insgesamt 2400 Euro, das klingt viel. Aber zum Vergleich: Kinder aus "Normalverdiener-Familien" dürfen in Deutschland bis zu 7664 Euro verdienen, ohne dass ihren Eltern der Kinderfreibetrag gestrichen wird.

Lohnt sich Leistung?

Bei Sozialverbänden und Organisationen wie dem Kinderschutzbund stößt diese Regelung auf Kritik. Statt Eigeninitiative zu fördern, würde betroffenen Kindern und Jugendlichen das Gefühl vermittelt, Leistung lohne sich nicht, sagt etwa Andrea Weyer, Geschäftsführerin beim Kinderschutzbund Aachen.

Problem Kinderarmut

Der gemeinnützige Verein fordert mehr Chancengleichheit und die Einführung einer Kinder-Grundsicherung, statt sozialer Ausgrenzung von Kindern aus Hartz-IV-Familien. Das sei ein wichtiges Signal – auch gegen Kinderarmut. Denn die ist auch in Aachen und Umgebung ein großes Problem, das beweist die Statistik: Nach dem Ruhrgebiet liegt die Region Aachen mit 21,8 Prozent in Nordrhein-Westfalen auf Platz zwei.

Stand: 05.02.2020, 10:31