Wuppertal: Gab es beim Mord an Hanaa S. Helfer?

HANDOUT - Die undatierte Aufnahme zeigt Hanaa S.

Wuppertal: Gab es beim Mord an Hanaa S. Helfer?

  • Hauptangeklagter spricht von bulgarischem Mittäter
  • Zunächst keine Stellungnahme von Staatsanwaltschaft und Richter
  • Schwager gestand Mitverantwortung an dem Verbrechen

Überraschende Aussage im Wuppertaler Mordprozess um den Tod der sechsfachen Mutter Hanaa S.: Nach Auskunft seines Verteidigers sagte der Hauptangeklagte am Donnerstag (07.12.2017): : "Als ich den Körper von Hanaa S. nach Kronau gefahren habe, war ein Bulgare mit dabei“, der habe ihm geholfen. Das ist neu, davon war bisher nie die Rede. Der Verteidiger sagte, er sei völlig überrascht über die Äußerung und verstehe das Verhalten des Angeklagten überhaupt nicht. Warum der 26-Jährige das jetzt auf einmal sagt - keiner hier im Saal kann sich einen Reim darauf machen. Staatsanwaltschaft und Richter nahmen zunächst keine Stellung dazu. 

Verteidigung wollte "Ehrenmord"-Hypothese erschüttern

Davor hatten die Verteidiger versucht, die "Ehrenmord"-Hypothese der Anklage zu erschüttern-Anwalt wollte Verwandte aus dem Irak einladen. So beantragte ein Anwalt, Verwandte des Opfers aus dem Irak zu laden, um zu belegen, dass die Familie "kein Kollektiv jesidischen Glaubens" sei. So seien in der Familie auch ein Konvertit und eine Muslima. Diesen Antrag lehnten die Richter jedoch ab. Erneute Aussagen seien nicht nötig.

Verteidigung: Streit um Goldschmuck war Mordmotiv

Aus Sicht der Verteidiger war ein Streit um Goldschmuck das Motiv für den Mord. Nach jesidischem Brauch habe Hanaa bei der Hochzeit das Familiengold bekommen, nach ihrer Trennung aber nicht zurückgeben wollen. Der Streit um den Schmuck sei schließlich eskaliert. Fünf Angehörige der Ermordeten sitzen auf der Anklagebank. Bislang sieht es so aus, als sei die Solingerin von einem ihrer beiden Schwager getötet worden. Am Donnerstag (07.12.2017) oder Freitag (08.12.2017) wurde bislang mit den Plädoyers gerechnet.

Stand: 07.12.2017, 14:29