Hambacher Forst – Wer lanciert falsche Informationen?

Luftaufnahme Hambacher Forst und Tagebau

Hambacher Forst – Wer lanciert falsche Informationen?

Von Thomas Wenkert

  • Berichte über angebliches Tunnelsystem im Hambacher Forst
  • Aachener Polizei dementiert entsprechende Berichte
  • Bislang keine Anhaltspunkte für Tunnelbau

Existiert im Hambacher Forst ein Tunnelsystem, vergleichbar mit den unterirdischen Anlagen während des Vietnamkrieges? Darüber hatte die "Rheinische Post" am Samstag (08.08.2018) berichtet, beruft sich auf mehrere Polizeivertreter. WDR-Nachfragen kommen zu einem anderen Ergebnis.

Aachener Polizei dementiert Tunnelsystem

Die Tunnel würden den Aktivisten als Rückzugsort, als Schlafstätte und vermutlich auch als Schmuggelroute dienen, um Waffen und Krawallmacher in den Forst zu bringen, zitiert die "Rheinische Post" einen leitenden Polizisten.

Polizisten vor Baumhaus im Hambacher Forst

Ein Baumhaus im Hambacher Forst

Die zuständige Aachener Polizei, die für den Einsatz im Hambacher Forst verantwortlich ist, betonte am Samstag (08.09.2018): “Die Angaben in dem Bericht der RP stammen nicht aus unserem Haus. Der Polizei Aachen als einsatzführende Behörde liegen bislang keine Erkenntnisse über solche Tunnelsysteme im Hambacher Forst vor.”

Die Aachener Polizei geht bisher davon aus, dass sich rund 200 Umweltaktivisten in dem Wald aufhalten. Viele von ihnen leben auf Baumhäusern.

Wer will den Konflikt verschärfen?

Während die zuständige Behörde in Aachen auf Deeskalation setzt, fällt das Ministerium von NRW-Innenminister Herbert Reul seit Wochen mit markigen Aussagen auf. Reul verglich die Situation im Hambacher Forst mit Szenen beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017: Die Waldbesetzer hätten ein zweites Hamburg im Sinn.

"Sie (Anmerkung der Redaktion: die Umweltaktivisten) wollen nicht die Bäume retten, sondern unseren Staat abschaffen. Auch im Hambacher Forst gilt unsere Null-Toleranz-Linie”, so der CDU-Politiker am vergangenen Montag (03.09.2018).

Der Konflikt droht nun weiter zu eskalieren. Auch, weil die offenbar falschen Informationen dazu genutzt werden könnten, den Streit weiter anzuheizen.

Heftige Gewaltszenen blieben bislang aus

Friedliche Demonstranten im Hambacher Forst

Bisher sind die jüngsten Einsätze am Braunkohlentagebau Hambach relativ ruhig verlaufen. Wenn es aber zu Räumungen und Rodungen kommt, könnte sich die Lage verschärfen. “Wir gehen davon aus, dass es in der Zukunft eine wesentlich härtere Auseinandersetzung geben wird und auf die Polizei eine schwierige Aufgabe zukommt”, erklärte Aachens Polizeisprecher Kemen.

Die Polizei appelliert an die Umweltaktivisten und die Braunkohlegegner, friedlich zu protestieren. Einen solchen Protest werden man immer schützen und zulassen, so Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach. Auch er sieht die Gefahr, dass Gewalttäter aus der linksautonomen Szene bereits im Hambacher Forst sind oder noch dorthin kommen werden. 

 

Stand: 09.09.2018, 17:24