Hambacher Forst: Ein symbolträchtiger Ort

Ein Kind geht auf einem Waldweg

Hambacher Forst: Ein symbolträchtiger Ort

  • Ehemals größter Wald im Rheinland
  • Alte Hainbuchen und Stieleichen
  • Legende um den Bürgewald

Mit seinen über 4.000 Hektar war der Hambacher Forst einmal doppelt so groß wie Langeoog. Von dem einst größten Wald des Rheinlands ist tatsächlich nur noch eine kleine Insel übrig geblieben, seit er für den Braunkohletagebau abgeholzt wird. Über 90 Prozent seien verschwunden, sagt Naturführer und Waldpädagoge Michael Zobel. Mit ihm sprach WDR.de über alte Bäume, Maiglöckchen und nachhaltige Waldwirtschaft.

WDR.de: Der Hambacher Forst gilt auch als rheinischer Urwald. Was heißt das?

Michael Zobel: Mit dem Begriff Urwald muss man ein bisschen vorsichtig sein. Der Hambacher Forst ist mit 12.000 Jahren zwar der älteste Wald des Rheinlandes, das bezieht sich aber nicht auf die Bäume, die dort stehen. Dieser Wald wurde immer auch wirtschaftlich genutzt. Die ältesten Bäume, die dort stehen, sind maximal 350 Jahre alt.

WDR.de: Was unterscheidet ihn von anderen Wäldern?

Stieleiche

Krone einer alten Stieleiche

Zobel: Dort hat es immer Wald gegeben - seit der letzten Eiszeit. Das heißt, die Bodenstruktur konnte sich 12.000 Jahre entwickeln. Der Untergrund besteht aus fruchtbaren Lössböden. Aber auch die Zusammensetzung dieses Waldes ist etwas Besonderes. Das ist kein normaler Wald, denn hier gibt es zwei prägende Baumarten: Stieleichen und Hainbuchen und dazwischen Maiglöckchen. Das ist der Rest des einzigen Stieleichen-Hainbuchen-Maiglöckchen-Waldes in ganz Europa.

Michael Zobel

Michael Zobel ist Naturführer und Waldpädagoge. Seit knapp vier Jahren veranstaltet er einmal im Monat Führungen durch den Hambacher Forst. Über 10.000 Menschen haben bereits mitgemacht.

WDR.de: Ein Teil der Geschichte ist, dass die Menschen schon immer auch mit diesem Wald gewirtschaftet haben?

Hainbuche

Blüte der Hainbuche

Zobel: Es gab auch schon im Mittelalter eine Zeit, da standen unsere Wälder eigentlich vor der Vernichtung, weil man so viel abholzte. Der heute oft überstrapazierte Begriff der Nachhaltigkeit kommt eigentlich aus der Forstwirtschaft. Wenn wir heute durch diesen kleinen Restwald gehen, sehen wir ganz unterschiedliche Abschnitte. Zwischen alten Eichen und Buchen stehen auch Planquadrate mit schnell wachsenden Fichten und Birken.

WDR.de: Der Hambacher Forst hat in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht. Es gibt Proteste gegen den Kohleabbau, Waldbesetzungen und Gerichtsurteile. Es ist ein sehr symbolträchtiger Ort geworden. Warum ist er so wertvoll?

Zobel: Das ist ein ganz bestimmter Lebensraum. Dort gibt es über 140 geschützte Tierarten und diese besonderen Bäume. Dieser Wald müsste eigentlich ohne Diskussion unter Schutz gestellt werden. Die Fläche müsste dazu von den zuständigen Regierungen an Brüssel gemeldet werden. Das ist aber nie passiert. Stattdessen ist er Privateigentum.

Das Gespräch führte Katja Goebel

Stand: 26.11.2017, 13:07