Festival-Atmosphäre bei Demo gegen Braunkohle

Festival-Atmosphäre bei Demo gegen Braunkohle

Mit einer Kundgebung am Hambacher Forst demonstrieren Menschen am Samstag gegen den Braunkohle-Abbau und für den Erhalt des Hambacher Forsts.

Teilnehmer einer Demonstration am Hambacher Forst (6.10.2018)

Am Hambacher Forst haben sich am Samstag (06.10.2018) tausende Menschen zu einer Anti-Kohle-Demonstration versammelt. Aufgerufen zu der Kundgebung hatten Umweltverbände wie der BUND und Greenpeace.

Am Hambacher Forst haben sich am Samstag (06.10.2018) tausende Menschen zu einer Anti-Kohle-Demonstration versammelt. Aufgerufen zu der Kundgebung hatten Umweltverbände wie der BUND und Greenpeace.

Die Demonstranten machten sich für einen schnellen Kohle-Ausstieg stark. Außerdem feierten sie, dass das Oberverwaltungsgericht Münster am Freitag (05.10.2018) einen vorläufigen Rodungsstopp für den Hambacher Forst verfügt hatte.

Zu der Demonstration kamen nach Veranstalterangaben 50.000 Menschen. Die Polizei sprach hingegen von "mehreren Zehntausend" Demonstranten. "Es ist die mit Abstand größte Demo, die das Rheinische Braunkohlerevier je gesehen hat", sagte Dirk Jansen, Geschäftsführer des BUND Nordrhein-Westfalen.

Nach Polizeiangaben verlief die Großkundgebung ohne größere Zwischenfälle. Probleme bereitete jedoch zeitweise die A4. Dort gab es nach Angaben einer Sprecherin in Richtung Aachen zehn Kilometer Rückstau ab der Abfahrt Merzenich. Dort hätten Dutzende Menschen ihre Autos abgestellt und seien zu Fuß entlang der Fahrbahn in Richtung Kundgebung unterwegs.

Der von einst 4.100 auf mittlerweile nur noch 200 Hektar geschrumpfte Hambacher Forst mit Jahrhunderte alten Buchen und Eichen liegt am größten europäischen Braunkohle-Tagebau zwischen Aachen und Köln. Der Streit um den Abbau hat sich zum Symbol für den Widerstand gegen die Braunkohle-Verstromung und für den Klimaschutz insgesamt entwickelt.

Der Energiekonzern RWE wollte in den nächsten Monaten gut 100 der verbliebenen 200 Hektar des Waldes für den fortschreitenden Tagebau abholzen. Dagegen formierte sich in den vergangenen Wochen massiver Protest - vor allem von Umweltverbänden.

Greenpeace-Aktivistin Gesche Jürgens sagte am Samstag vor Ort, die Entscheidung des Gerichts sei "ein total tolles Signal an die Aktivisten, die hier schon seit Jahren wohnen". Es gebe keine Akzeptanz mehr in der Bevölkerung für die Politik von RWE und der Landesregierung, so Jürgens.

Auf einem großen Feld neben dem Wald herrschte Festival-Atmosphäre mit Livemusik. Auf Bannern standen Losungen wie "Hände weg vom Hambacher Forst" und "Kein Baum ist egal".

Viele Tausend Demonstranten liefen am Nachmittag auch in den Wald, was nach dem Ende der Räumungsarbeiten der Polizei nicht länger verboten ist. Allerdings dürften keine neuen Baumhäuser gebaut werden, so eine Polizeisprecherin.

Allerdings riefen Aktivisten genau dazu wieder auf. "Ende Gelände freut sich über neue Baumhäuser und andere Besetzungs-Strukturen, die heute entstehen", teilten die Initiative am Samstag mit. Sie begannen am Nachmittag nach eigenen Angaben mit der Wiederbesetzung des Waldes. Sie spannten zahlreiche Hängematten zwischen den Bäumen.

Rund 100 Menschen drangen in den Tagebau Hambach ein.

Stand: 06.10.2018, 17:00 Uhr