Hambacher Forst: Braunkohlegegner stürmen in den Wald

Hambacher Forst: Braunkohlegegner stürmen in den Wald

  • Braunkohlegegner stürmen in Hambacher Forst
  • Erster Eilantrag gegen Räumung abgelehnt
  • Polizei hat mit Räumung begonnen

Laut Polizei sind am Donnerstagabend (13.09.2018) 40 bis 50 Braunkohlegegner aus einer Demo mit 1.000 Menschen heraus in den Hambacher Forst gerannt. Die "Überläufer" wurden lautstark von den in Baumhäusern lebenden Aktivisten begrüßt, berichtete eine dpa-Reporterin. Für den Polizeieinsatz habe dies keine Relevanz, sagte ein Sprecher der Aachener Polizei. Die Räumung von Hindernissen und Baumhäusern werde am Freitag (14.09.2018) fortgesetzt. Die Polizei rechnet damit, dass der Einsatz bis mindestens Ende nächster Woche dauern wird.

Gerichte prüfen Eilanträge gegen Räumung

Derweil prüfen Gerichte in Köln und Aachen mehrere Eilanträge, die gegen die Räumung eingereicht wurden. Einer wurde bereits vom Verwaltungsgericht Köln abgelehnt. Es hält das Einschreiten der Behörden für gerechtfertigt - wegen Waldbrandgefahr und aufgrund der Gefahrenabwehr für den Bewohner selbst. Auch die kurze Räumungsfrist sei nicht zu beanstanden, da weitere Eskalationen befürchtet werden müssen.

Ein Beamter verletzt

Etwa 3.500 Beamte waren im Einsatz und räumten bislang drei Baumhäuser und eine Barrikade. Dabei wurde eine Aktivistin in Gewahrsam genommen. Auch einige Sitzblockaden wurden aufgelöst. Laut Polizei wurden Beamte mit Steinen und Molotowcocktails beworfen. Ein Polizist sei leicht verletzt, ein Dienstwagen beschädigt worden.

Die Aktivisten hatten die Räumung kritisiert. Karolina Drzewo vom Bündnis "Ende Gelände" hält das Argument für vorgeschoben, dass der Brandschutz bei den Baumhäusern mangelhaft sei. Gesche Jürgens von Greenpeace erklärte, dass die "Landesregierung sich zum Erfüllungsgehilfen von RWE" mache.

Spontandemo in Köln

Am Abend kamen in Köln etwa 400 Braunkohlegegner zu einer Spontandemo zusammen und blockierten zeitweise den Friesenplatz. Nach WDR-Informationen blieb die nicht angemeldete Demo friedlich. Die Polizei war lediglich mit etwa zehn Streifenwagen präsent. Die meisten Kollegen waren im Hambacher Forst.

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Zuvor hatte der Stellvertretende Bundesvorsitzende des "Bundes Deutscher Kriminalbeamter" kritisiert, die Polizeibeamten und Kriminalbeamten fehlten bei der Bewältigung ihrer Alltagsaufgaben: "Hier werden die Kollegen regelrecht verheizt. Im Ergebnis schützen wir nun den Braunkohleabbau von RWE statt unsere Bevölkerung."

Die lange Räumung im Hambacher Forst

Für die Polizei hat im Hambacher Forst einer der größten Einsätze in der jüngeren NRW-Geschichte begonnen. Dort sollen Demonstranten endgültig von den Baumhäusern geholt werden.

Wasserwerfer der Polizei am Hambacher Forst

Schon am frühen Donnerstagmorgen (13.09.2018) sah man erste Polizeiwagen im Braunkohlerevier am Hambacher Forst.

Schon am frühen Donnerstagmorgen (13.09.2018) sah man erste Polizeiwagen im Braunkohlerevier am Hambacher Forst.

Die Behörden wollten dort die Baumhäuser der Umweltaktivisten räumen, die dort seit Jahren in selbst gebauten Baumhütten, auf Plattformen und in Zeltlagern leben, um gegen die Rodung des Waldes zu demonstrieren. Dutzende solcher Camps gibt es in dem Wald.

Für die Polizei hat damit einer der größten Einsätze in der jüngeren NRW-Geschichte begonnen. Wasserwerfer und schweres Räumgerät sind im Einsatz.

Mitarbeiter der zuständigen Stadt Kerpen informierten die Baumbesetzer per Lautsprecher über den Räumungsbeschluss und forderten sie auf, die Baumhäuser zu verlassen.

Das Waldgebiet zwischen Köln und Aachen ist ein Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle geworden.

Der Energiekonzern RWE will im Herbst 2018 mehr als die Hälfte des noch verbliebenen Waldstücks roden, um weiter Braunkohle baggern zu können.

Im Hambacher Forst leben Aktivisten seit Jahren in hohen Baumhäusern, um eine Rodung des Waldes zu verhindern.

Am Morgen wurden erste Sitzblockaden von Demonstranten im Wald aufgelöst. Die Aktivisten, die einen Weg zu den Baumhäusern blockierten, wurden von Einsatzkräften weggetragen. Gegenwehr leisteten sie nicht. Zuvor hatte die Polizei aus Holzstämmen aufgebaute Barrikaden beiseite geräumt.

Mit schwerem Gerät wurden im Wald zunächst etliche Barrikaden weggeräumt, um überhaupt nahe genug an die Baumhäuser zu kommen.

Während der Polizeieinsatz lief, wurden die Protestler in den Bäumen noch mit Lebensmitteln versorgt. Ob der Wald tatsächlich komplett geräumt wird, steht noch nicht fest. Anwälte der Waldbesetzer prüfen derzeit noch rechtliche Schritte gegen die geplante Räumung. Erste Eilanträge gegen die Räumung wurden bereits beim Verwaltungsgericht eingereicht.

Nach stundenlangem Polizeieinsatz im Wald, konnten die Einsatzkräfte am Donnerstagmittag (13.09.2018) eine Aktivistin vom Baum holen und mit dem Abbau der Baumhütte beginnen. Die Polizei stellt sich auf einen tagelangen und schwierigen Einsatz vor. Nach und nach müssen die Kräfte des Höheninterventionsteam die rund 60 Baumhäuser räumen und abbauen.

Die Einsatzkräfte konnten eine Barrikade und drei Baumhäuser entfernen. Die Aachener Polizei erklärte auf Twitter, dass ein Polizeiauto mit Molotowcocktails beworfen worden sei.

Mehrere Bewohner hatten Eilanträge gegen die kurzfristige Räumung im Hambacher Forst gestellt. Ein Antrag wurde bereits am frühen Abend vom Verwaltungsgericht Köln abgelehnt.

Am Abend gab es in Köln eine spontane Demonstration von etwa 400 Rodungsgegnern. Sie blockierten zeitweise den Friesenplatz. Nach WDR-informationen blieb die Demo friedlich, wenngleich sie nicht angemeldet war.

In der kommenden Nacht will die Polizei nach WDR-Informationen eine Wache im Hambacher Forst aufstellen, damit entfernte Plattformen nicht wiederaufgebaut werden. Die Räumung soll aber erst am Freitagmorgen fortgesetzt werden.

Stand: 13.09.2018, 20:51