Bei Minusgraden: Der Gutenachtbus in Düsseldorf

Gutenachtbus für Obdachlose 04:07 Min. Verfügbar bis 31.01.2020

Bei Minusgraden: Der Gutenachtbus in Düsseldorf

  • Essen, Getränke und Kleiderspenden
  • Eine warme Jacke ist überlebenswichtig
  • Täglich kommen hundert Bedürftige zum Bus

"Ich bin eh bald tot", sagt er und wischt sich Tränen aus den Augen. "Haben Sie Angst vor der Kälte?", frage ich ihn. "Ich hab schon sechs Winter hinter mir. Man kennt es dann irgendwann."

Es ist bitterkalt. Wir stehen zusammen neben dem Gutenachtbus am Kommödchen in der Düsseldorfer Altstadt. Er - nennen wir ihn Rainer - ist obdachlos und hat gerade am Gutenachtbus eine Winterjacke geschenkt bekommen. Größe 52 und vor allem warm. Diese Jacke braucht er auch, wenn er die Nacht gut überstehen will.

Zu dritt in zwei Schlafsäcken - so ist es wärmer

Ein paar Schritte vom Kommödchen entfernt schläft Rainer. Gemeinsam mit zwei anderen. Nachher, sagen sie, packen sie zwei Schlafsäcke aneinander und schlafen zu dritt darin. So ist es wärmer.

Der Gutenachtbus für Düsseldorf hat einen Kleidervorrat

Der Gutenachtbus für Düsseldorf hat einen Kleidervorrat für Obdachlose

Noch sitzen sie auf ihren Isomatten und quatschen, verdrängen die anstehende Nacht. "Am Abend artet es meistens in Schnapssaufen aus, damit man bei der Kälte einschlafen kann", sagt Rainer und hält seine neue Jacke fest umklammert.

Hundert Bedürftige jeden Tag

Währenddessen steht André am Gutenachtbus. Er trinkt und raucht nicht, geht regelmäßig arbeiten, hat aber keine Wohnung. Er schläft außerhalb von Düsseldorf in einem Zelt. "Die ganze Situation ist beschissen genug", sagt André. "Es ist beschämend, dass in Düsseldorf kein bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist - in so einer Stadt.

Freiwillige Helfer verteilen Essen und warme Getränke an Obdachlose

Montags bis donnerstags steht der Gutenachtbus am Kommödchen und am Hauptbahnhof.

Am Gutenachtbus in Düsseldorf holen sich an die hundert Menschen ihre letzte warme Mahlzeit des Tages: eine heiße Suppe und Kaffee oder Zitronentee. Es gibt auch Tüten zum Mitnehmen. Darin sind Kleinigkeiten zu essen, Brötchen und Süßigkeiten.

Nach drei Stunden in der Kälte bin ich komplett durchgefroren. Als ich nach Hause gehe und mich dort versuche aufzuwärmen, kann ich nicht aufhören an Rainer und André zu denken. Während mir wieder warm wird, wird ihnen immer kälter. Jetzt schlafen sie gar nicht weit von mir entfernt ein und doch liegen Welten zwischen uns. Eine Ungerechtigkeit, bei der mir kalt wird.

Stand: 31.01.2019, 14:37