Gummersbacher Pfarrer soll auch Pflegetochter missbraucht haben

Stand: 10.12.2021, 16:50 Uhr

Im Prozess gegen den wegen Missbrauch angeklagten katholischen Pfarrer Hans Bernhard Ue. haben heute die Pflegekinder des Pfarrers ausgesagt.

Von Christina Zühlke

Bei der Verhandlung im Landgericht Köln sagte die Pflegetochter, dass auch sie von Ue. missbraucht worden sei. Die Aussage der Pflegetochter kam für die Beobachter des Prozesses am Freitag überraschend. Bisher waren nur die Vorwürfe dreier Nichten des Angeklagten und einer weiteren Betroffenen bekannt.

Die Pflegetochter sprach mit ruhiger Stimme davon, dass es ab 1979 über Jahre sexuelle Handlungen zwischen ihr und ihrem Pflegevater gab. Der Pflegesohn berichtete, dass er sich immer gewundert habe, warum seine Pflegeschwester mit dem Priester in einem Zimmer schlafen "durfte" und regelmäßig mit ihm das Bad teilte. Er sei als Kind aber eher eifersüchtig gewesen und habe sich nicht mehr dabei gedacht. Erst vor wenigen Wochen habe seine Schwester von der Missbrauchserfahrung erzählt.

Zwei Schwangerschaften

Die Pflegetochter berichtete, dass sie zweimal vom Angeklagten schwanger gewesen sei, das erste Mal mit etwa 14 oder 15 Jahren. Auf die Frage des Richters, warum sie sich bisher nicht geäußert habe, sagte sie, sie habe das einfach abschließen wollen.

Ich habe mir jahrelang einen Kopf gemacht, ob ich daran Mitschuld habe. Pflegetochter des Angeklagten

31 Fälle von Missbrauch

Schon vor diesem Prozesstag waren die Vorwürfe der Kölner Staatsanwaltschaft massiv: Der Priester soll sich von Sommer 1993 bis Ende 1999 an den Kindern vergangen haben. Die Mädchen waren in dieser Zeit zwischen sieben und dreizehn Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft zählte am ersten Prozesstag insgesamt 31 Fälle auf, darunter auch drei des schweren sexuellen Missbrauchs. Zwei der Frauen waren auch beim Prozesstag am Freitag im Gerichtssaal.

Staatsanwaltschaft stellte ein

Kurz vor Prozessbeginn am 23. November war bekannt geworden, dass eine weitere Frau als Nebenklägerin auftreten werde. Der jüngste Vorwurf stammt aus dem Jahr 2011. Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl der Staatsanwaltschaft als auch dem Erzbistum Köln bereits die Vorwürfe der Nichten bekannt. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren eingestellt, nachdem die Nichten ihre erste Anklage zurückgezogen hatten. Auch das Erzbistum Köln versuchte nicht den Fall weiter aufzuklären. Die Verantwortlichen verstießen damit gegen Kirchenrecht, denn es hätte eine Meldung nach Rom erfolgen müssen.

Erzbischof als Zeuge

Der katholische Geistliche wurden damals zwar zunächst suspendiert, ging dann aber zurück in den Seelsorger-Dienst. Unter anderem arbeitete er in einem Krankenhaus in Wuppertal. Eine Frage für den späteren Prozessverlauf wird deshalb nun auch sein, wer im Erzbistum welche Informationen bekommen hat. Auf der Zeugenliste steht auch der damalige Personalchef im Erzbistum Köln und jetzige Hamburger Erzbischof Stephan Heße.

Nachhilfelehrer im Kinderheim

Zunächst sagte am Freitag der Pflegesohn des Priesters aus. Er habe Ue. als Nachhilfelehrer im Kinderheim kennengelernt, dann sei der Kontakt immer intensiver geworden. Die spätere Pflegeschwester war ebenfalls im gleichen Heim. Schließlich seien beide Kinder mit Genehmigung des Bistums als Pflegekinder zum Priester gezogen.