Der Gummersbacher Priester vor dem Kölner Landgericht.

Gummersbacher Priester soll weiteres Mädchen missbraucht haben

Stand: 13.12.2021, 20:21 Uhr

Im Prozess um einen Gummersbacher Priester, der sich wegen sexuellen Missbrauchs an Mädchen verantworten muss, sind am Montag neue Vorwürfe hinzu gekommen.

Von Markus Schmitz

Es ist der achte Prozesstag. Als zweite Zeugin kommt eine Frau in den Gerichtssaal, der sofort anzusehen ist, dass die folgenden Aussagen ihr sehr schwer fallen werden. Sie ist die Mutter einer Frau, die nach eigenen Angaben auch von dem Geistlichen missbraucht wurde.

Die Tochter hatte sich erst vor kurzem ihrer Mutter anvertraut. Vor einigen Wochen, als die ersten Berichte über den Angeklagten in der Zeitung standen, hatte die Mutter die Tochter besucht. In einem bestimmten Moment habe sie nach eigenen Angaben ganz unvermittelt gefragt: "Du auch?" Die Mutter beschreibt diese Szene sehr intensiv und sagt, dass sie gehofft habe, die Tochter würde verneinen. Doch stattdessen habe ihre Tochter "Ja" gesagt. Die Mutter sagte:

"Das war ein Schlag ins Genick." Mutter eines mutmaßlichen Opfers

Landgericht Köln: Priester soll weiteres Mädchen missbraucht haben

In der weiteren Vernehmung kann die Mutter nur andeuten, was der Mann damals mit der Tochter gemacht haben soll. Es fallen die Begriffe "Bett" und "Badewanne". Die Mutter kann weiter berichten, dass die Tochter vor Gericht aussagen möchte. Allerdings nur, wenn der Angeklagte nicht im Saal sitze.

Der Vorsitzende Richter erklärt daraufhin, dass sich die Tochter einen Anwalt nehmen könne, der alles Weitere für sie organisiere. Es gäbe auch mehrere Möglichkeiten einer Zeugenbetreuung im Landgericht. Bei dieser Zeugenaussage solle dann auch geklärt werden, warum sich die Frau erst jetzt zu den Fällen geäußert hat. 

Priester lud an Wochenenden Mädchen zum Übernachten ein

Ein Zeuge, der sehr eng mit der Gemeinde und auch dem angeklagten Geistlichen verbunden war, erklärt vor Gericht, dass in den 90er Jahren ein Mädchen von Übergriffen gegen sie berichtet hatte. Das sei aber nicht ernst genommen worden.

In dem Pfarrhaus übernachteten an den Wochenenden oft viele Mädchen. Die Kinder seien sehr froh darüber gewesen – sie durften den Priester beim Vornamen ansprechen. Niemand habe gedacht, dass dort so etwas passieren würden, so der Zeuge weiter. Er habe eine freundschaftliche Beziehung zu dem Geistlichen gehabt, doch das sei nun vorbei. 

Sollte angeklagter Priester Kinder "in die Welt der Sexualität einführen"?

Eine weitere Zeugenaussage bringt ein erschütterndes Zitat zum Vorschein. Der Bruder der drei Nichten, die von dem Angeklagten missbraucht worden sein sollen, wurde auf seine damalige Aussage bei der Polizei angesprochen. 2010 hatte er ausgesagt, die Mutter der drei Nichten habe dem angeklagten Priester gesagt, dass er die Kinder "in die Welt der Sexualität einführen soll".

Angeklagter Priester vermeidet Blickkontakt mit Opfern

Fast alle Zeugen müssen während ihrer Aussagen kurz innehalten. Tränen oder brüchige Stimmen unterbrechen ihre Aussagen. Der Angeklagte schaut ausschließlich in Richtung der Richterbank und vermeidet den Blickkontakt mit den Zeugen. 

Der Vorsitzende Richter fragt immer wieder nach Namen, mit dem Ziel, dass die Zeugen möglicherweise sagen können, ob sie noch von weiteren betroffenen Mädchen berichten können. Das Gericht interessiert auch, wer damals während einiger Ferienfreizeiten als Betreuer mit dabei war. Es gebe Vornamen, zu denen aber die Nachnamen fehlen.

Das Gericht unternimmt viel, um den Fall des Geistlichen aufzuklären. So versucht das Gericht, ein Puzzle von Namen und Funktionen zu vervollständigen, um herauszufinden, ob es noch weitere Betroffene gibt. 

Dem Pfarrer wird darüber hinaus vorgeworfen, sich von Sommer 1993 bis Ende 1999 an seinen Nichten vergangen zu haben. Die Mädchen waren in dieser Zeit zwischen sieben und dreizehn Jahre alt. Der Tatort liegt laut Anklage in Gummersbach. Neben seinen Nichten soll der Angeklagte auch seine Pflegetochter missbraucht und sie zweimal geschwängert haben.