Der Gummersbacher Priester vor dem Kölner Landgericht.

Missbrauchs-Prozess gegen Gummersbacher Priester – weitere Betroffene

Stand: 17.12.2021, 15:46 Uhr

Der Missbrauchskomplex um einen Gummersbacher Priester zieht größere Kreise. Jetzt haben sich die nächsten mutmaßlichen Opfer beim Vorsitzenden Richter gemeldet.

Von Markus Schmitz

Der zehnte Prozesstag in dem Verfahren gegen einen Priester, dem sexueller Missbrauch gegen Kinder und Jugendliche vorgeworfen wird, begann mit einer Überraschung. Noch bevor weitere Zeugen gehört werden sollten, las der Vorsitzende Richter Mails vor, die ihn erreicht haben. Es hätten sich noch weitere Menschen gemeldet, die Angaben zu dem Fall um den Priester machen können.

Dabei geht es um zwei Frauen, die offenbar auch sexualisierte Gewalt in unterschiedlicher Form und Intensität erlitten haben sollen. Eine Frau sagte, dass sie nun den Mut gefasst habe, die Behörden zu kontaktieren, um ihre Geschichte zu erzählen. Ebenso geht es auch um die Aussage einer Teilnehmerin eines Zeltlagers, die sich bereits im Jahr 1992 einem Kreisjugendseelsorger anvertraut hatte.

Damals hatte sie den Seelsorger auf Gerüchte angesprochen, dass der betroffene Priester sexuell übergriffig sei. Darauf soll der Kreisjugendseelsorger lediglich gesagt haben, dass die Sache "schwierig, sehr schwierig" sei. Konsequenzen gab es aber nicht. 

Suchte der Angeklagte Kontakt zu Familien mit vielen Töchtern ? 

In einer emotionalen Aussage berichtete eine junge Frau, dass sie in der Gemeinde des Priesters groß geworden sei. Der Angeklagte sei ein Freund ihre Familie gewesen. Es sei auffällig gewesen, dass der Priester mit den Kindern sehr viel gespielt und getobt habe, sagte die junge Frau. So viel, bis diese zu schwitzen begannen und sich Kleidungstücke ausziehen mussten. Bei der Hausaufgaben-Hilfe habe er den Arm so auffällig um die Kinder gelegt, dass schließlich die Mutter der Töchter den Priester zur Rede stellte.

Von da an wurde der Kontakt weniger. Der Zeugin sei aufgefallen, dass der Priester zum Beispiel im Firm-Unterricht deutlich vom "liebenden und alles verzeihenden Gott" gesprochen habe. In der Betrachtung von heute würde sich das so anhören, als würde er tatsächlich denken, dass alle Taten - möglicherweise auch seine eigenen - verziehen würden.

In der Gemeinde machte auch eine Beobachtung die Runde: Eine Frau habe gesehen, dass der Priester in seinem Haus sehr oft mit einem Kinder auf dem Schoß vor dem Computer gesessen habe. Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft Fälle angeklagt, in denen der Priester in solchen Situation Kinder unsittlich angefasst haben soll. 

"Es darf nicht rauskommen, weil Oma daran zu Grunde geht" Bruder der mutmaßlich missbrauchten Nichten

Ein Hauptanklagepunkt in dem Prozess ist der sexuelle Missbrauch an den drei Nichten des Priesters. Ein Familienmitglied sagte heute als Zeuge, dass seine Familie nach dem Aufkommen der Vorwürfe erst einmal nichts unternommen habe.

Ein wichtiger Grund sei gewesen, dass es vor der Großmutter verheimlicht werden sollte, sagte der Bruder der mutmaßlich missbrauchten Nichten. Außerdem habe der Vater der drei Mädchen und Bruder des jetzigen Angeklagten die Anschuldigungen nicht geglaubt.