Gummersbacher Krankenhaus kämpft um türkischen Arzt

Gummersbacher Krankenhaus kämpft um türkischen Arzt

Von Jochen Hilgers

Das Gummersbacher Kreiskrankenhaus kämpft mitten in der Corona-Krise um die Arbeitserlaubnis für einen approbierten türkischen Arzt.

Ömer Can Dogrul mit Dr. Robert Hoffmann und Wolfgang Gerb.

Ömer Can Dogrul mit Dr. Robert Hoffmann und Wolfgang Gerb.

Wie beliebt Ömer Can Dogrul ist, zeigt sich bei seinen täglichen Besuchen in der Klinik. Er kommt in Zivil, denn offiziell arbeiten darf er nicht. Die Kollegen umringen ihn, muntern ihn auf. Manchmal geht er mit auf Visite, muss aber an der Tür warten. Dogrul wartet seit mehr als drei Monaten auf seine Berufserlaubnis. Die Ausstellung dieser Berufserlaubnis ist ein bürokratischer Akt, der normalerweise in wenigen Tagen erfolgt. Das Kölner Ausländeramt regte sich aber trotz massiver Intervention der Klinik bisher nicht.

Ömer Can Dogrul vom Gummersbacher Kreiskrankenhaus.

Ömer Can Dogrul vom Gummersbacher Kreiskrankenhaus.

Der junge türkische Arzt, der aus politischen Gründen seine Heimat verlassen hat, möchte den Anschluss nicht verlieren. Nicht zu seinen Kollegen, den Patienten und dem medizinischen Fachwissen. Im Sommer hatte er drei Monate erfolgreich im Krankenhaus hospitiert. Für alle im Krankenhaus war klar: Er kann sofort anfangen, er ist eine absolute Bereicherung für das Ärzteteam. Doch dann kam das Kölner Ausländeramt ins Spiel. Seit September warten alle Beteiligten auf die Berufserlaubnis für den jungen Arzt.

Ausländeramt Köln: Bürokratieversagen in der Corona-Krise

Er gehe sehr gut mit den Patienten um und sei freundlich, aufmunternd und medizinisch total strukturiert, sagt der Chefarzt der Klinik, Dr. Robert Hoffmann. Dem Chefarzt fehlen wegen der angespannten Situation gleich mehrere Ärzte. Ömer Can Dogrul würde auf der immer voller werdenden Corona-Station dringend gebraucht.

Dr. Robert Hoffmann vom Kreiskrankenhaus Gummersbach.

Dr. Robert Hoffmann vom Kreiskrankenhaus Gummersbach.

Für den Chefarzt ist das Verhalten der Kölner Ausländerbehörde ein eklatantes Bürokratieversagen mitten in der Corona-Krise. Der junge türkische Arzt hat selbst mehrfach bei der Behörde vorgesprochen, 30 E-Mails geschickt, Briefe geschrieben und dutzende Male in Köln-Ehrenfeld angerufen. Mehr als Eingangsbestätigungen seiner E-Mails hat er bisher nicht bekommen. Eine Mitarbeiterin der Klinikleitung fuhr sogar persönlich zum Ausländeramt und wurde regelrecht abgewimmelt.

Kölner Ausländeramt bedauert Umgang mit dem Fall

Seit der WDR am Mittwoch eine schriftliche Anfrage an die Stadt gestellt hat, kommt plötzlich doch Bewegung in die Sache. Das Ausländeramt bedaure, dass die Bearbeitung des Falles noch nicht abschließend erfolgen konnte.

Man kontaktiere jetzt die Bundesanstalt für Arbeit. Vielleicht nehmen sich die Kölner Bürokraten mal ein Beispiel an ihren Aachener Kollegen. Als Ömer Can Dogrul im vergangenen Jahr im Aachener Klinikum arbeitete, brauchte das Ausländeramt zur Ausstellung der Berufserlaubnis ganze vier Tage.

Stand: 02.12.2021, 20:01