Die App "Herrmannpost" neben ihrer Entwicklungsumgebung

Der Self-Made-Schul-Messenger

Stand: 09.02.2022, 11:30 Uhr

Eine Grundschule in Stolberg möchte in Pandemiezeiten nicht den Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern verlieren und entwickelt ihren eigenen Messengerdienst.

Von Jens Tervooren

Der Ko-Rektor der Hermannschule in Stolberg war unzufrieden mit den auf dem Markt erhältlichen Messenger Angeboten. Damit seine Schülerinnen und Schüler auch zu Hause von ihren Lehrerinnen und Lehrern erreicht werden, programmierte er kurzerhand einen eigenen Messenger.

Auch wer nicht lesen und schreiben kann ist dabei

Der neue Messenger kann zwar nicht so viel wie WhatsApp, Telegram, Signal & Co, aber er ist genau auf die Bedürfnisse der Grundschülerinnen und Grundschüler zugeschnitten, sagt der Erfinder Nacho Ruiz-Dominguis.

An der Hermannschule treffen sich Kinder, in deren Zuhause häufig kein deutsch gesprochen wird. Ingesamt 25 verschiedene Sprachen kommen in dem „bunten Haufen“ Hermannschule zusammen. Gerade die Erstklässler können noch nicht lesen und schreiben oder es fällt ihnen noch schwer.

Für den Messengerdienst, den Nacho Ruiz-Dominguis entwickelt hat, war daher die Grundvoraussetzung, dass damit Tonaufnahmen, Videos und Bilder ausgetauscht werden konnten.

Fürsorgepflicht heißt auch Datenschutz

Geschriebenes wird auch vorgelesen. Doch all das sollte in einer geschützten Umgebung passieren. Die Klarnamen, die Telefonnummern der Schülerinnen und Schüler - all das durfte nicht sichtbar sein.

„Es war eine Horrorvorstellung, dass Mobbing oder auch nur Beschwerden von einem Elternteil über unseren Messenger läuft“, so Nacho Ruiz-Dominguis.

Die üblichen Messenger bieten solche Sicherheitsvorkehrungen in der Regel nicht. Wichtig war auch, dass die Kinder ohne komplizierte Passwörter Zugriff auf den Messengerdienst bekommmen.

Entwicklung dauerte fünf Wochen

Angefangen hat Nacho Ruiz-Doninguis in den Sommerferien 2020. Dabei ist er kein IT- Experte, er ist Grundschullehrer. Er hat sich durch freiverfügbare Programme geklickt, Tutorials im Internet geschaut und nie aufgegeben. Das Ergebnis: die "Hermannpost".

Fünf Wochen hat Ruiz-Dominguis vor Bildschirmen gesessen und Programmcodes kopiert, gelöscht und wieder neu sortiert, bis eine Woche vor Schulbeginn die Hermannpost einsatzbereit war.

Digitale Schule ist mehr als ein Hilfsmittel für den Lockdown

Damals hat der selbstgebaute Messenger-Dienst es überhaupt erst ermöglicht, den Unterricht aufrecht zu erhalten. Heute kann die Schule auch Kinder in Quarantäne am Unterricht teilnehmen lassen, und die Hermannschule baut die Funktionen aus.

Hausaufgabenbetreuung, Krankmeldungen, Smartboardunterstützung: die Möglichkeiten sind riesig und die Hermannschule noch nicht am Ende mit ihren Ideen. In Stolberg hoffen sie, dass irgendwann mehr Schulen ihren selbstgebauten Messenger nutzen können.