Grüne feiern Rodungsstopp im Hambacher Forst

Grüne feiern Rodungsstopp im Hambacher Forst

Von Christian Wolf

  • Parteitag der Grünen am Tagebau
  • Rodungsstopp für Hambacher Forst gefeiert
  • Forderung nach schnellem Kohleausstieg

Eigentlich sollte es kurz vor der Rodung des Hambacher Forstes ein Zeichen des Protests sein: Der kleine Parteitag der NRW-Grünen wurde ins Zelt verlegt – nur ein paar Schritte von dem bedrohten Waldstück entfernt. Statt dessen herrscht ausgelassene Stimmung. Rund 80 Delegierte feiern am Sonntag (07.10.2018) das richterliche Rodungsverbot – und ein bisschen auch sich selbst.

Standing Ovations für BUND

Ballon mit der Aufschrift: Es gibt keinen Planeten B.

"Keinen Planet B.": Aktion für den Grünen-Parteitag

Noch bevor Thomas Krämerkämper ein Wort sagen kann, stehen die Delegierten auf und klatschen langanhaltend. Es war Krämerkämper und sein Umweltverband BUND, der die Gerichtsentscheidung erkämpft hat. Ohne ihn würde der Hambacher Forst demnächst für den Braunkohletagebau abgeholzt.

Doch all zu lange will sich der Umweltaktivist nicht mit dem Erfolg beschäftigen. "Das Problem wird nur politisch gelöst und das ist eure Aufgabe", ruft Krämerkämper den Grünen zu.

Kritik an Landesregierung

NRW-Parteichefin Mona Neubaur auf dem Grünen-Parteitag

NRW-Grünen-Parteichefin Mona Neubaur

Die nehmen diese Aufgabe an. In einem einstimmig beschlossenen Leitantrag wird ein Ausbau der Erneuerbaren Energien und ein baldiger Kohleausstieg gefordert. In Redebeiträgen wird zudem die schwarz-gelbe Landesregierung massiv kritisiert, Tenor: Die Polizei hätte nicht mit dem größten Einsatz ihrer Geschichte in den Hambacher Forst zur Räumung geschickt werden dürfen. Parteichefin Mona Neubaur spricht von einem "deutlich zweistelligen Millionenbetrag", der verschwendet worden sei.

Probleme mit alter Entscheidung

Doch es zeigt sich auch die Zwickmühle der Grünen. Zwar kämpfen sie für den Hambacher Forst. Doch als Regierungsmitglied hatten sie den Braunkohleabbau mitbeschlossen. Schon auf dem Weg zum Parteitag wird eine Delegierte mit genau diesem Widerspruch konfrontiert. "Ihr habt das ja alles mitgetragen", werfen ihr zwei Aktivistinnen vor.

Blick über die Grube des Hambacher Tagebaus

Parteitag am Rande des Tagebaus

Auch Neubaur kennt diese Gespräche. Doch sie ruft ihre Partei zu mehr Selbstbewusstsein auf. Es sei damals erreicht worden, dass ein anderer Tagebau verkleinert und ein ganzes Dorf erhalten werde. "Das ist ein Erfolg, den dürfen wir nicht vergessen und den lassen wir uns nicht nehmen." Angesichts der neuen Klimaziele müsse die Lage neu bewertet und auch im Tagebau Hambach der Plan geändert werden.

Der Kampf gegen die Braunkohle bleibt das einzige Thema des Parteitreffens. Mit dem Fokus können sich die Grünen von den anderen Parteien absetzen – offenbar erfolgreich. Im neuen NRW-Trend verbuchen sie ein großes Umfrageplus. Und das soll genutzt werden. Im Landtag soll es kommende Woche erneut um den Hambacher Forst gehen.

Stand: 07.10.2018, 17:45