Nach Festnahme in Düsseldorf: Ermittlungen gegen mutmaßlichen türkischen Spion

Dienstschild der Bundesanwaltschaft

Nach Festnahme in Düsseldorf: Ermittlungen gegen mutmaßlichen türkischen Spion

Gegen den in einem Düsseldorfer Hotel festgenommenen Türken ermittelt nun die Bundesanwaltschaft. Der Mann steht unter anderem im Verdacht, Gülen-Anhänger für den türkischen Nachrichtendienst MIT ausspioniert zu haben.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe teilte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag mit, es gebe "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" dafür, dass der Mann namens Ali D. Informationen über Personen aus dem Raum Köln gesammelt habe, um sie an den türkischen Nachrichtendienst MIT zu übermitteln.

Gewalt gegen Gülen-Anhänger im Ausland?

Bei den ausspionierten Personen soll es sich um Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen handeln. Der türkische Staat geht seit Jahren mit voller Härte gegen die Gülen-Bewegung vor. Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigt den im US-Exil lebenden Prediger, hinter dem Putschversuch von 2016 gegen ihn zu stecken, was Gülen bestreitet.

Zuletzt gab es immer wieder Berichte, dass der türkische Geheimdienst MIT im Ausland gewaltsam gegen Gülen-Anhänger vorgeht. Deutschland hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einem der weltweit wichtigsten Standorte der Gülen-Bewegung entwickelt.

Anfangsverdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit

Im Düsseldorfer Fall hatten zeitweise auch mögliche Anschlagspläne im Raum gestanden. Zu solchen Vorwürfen teilte die Bundesanwaltschaft nichts mit. "Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen besteht ein Anfangsverdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit", hieß es.

SEK-Einsatz in Düsseldorf

SEK-Einsatz in Düsseldorf

Ermittelt wird gegen Ali D. außerdem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Den Angaben zufolge wurden in seinem Hotelzimmer in Düsseldorf-Oberbilk 200 Schuss scharfe Munition gefunden. Eine bei ihm sichergestellte Waffe entpuppte sich als Schreckschusswaffe. Auch ein verdächtiger Koffer stellte sich als harmlos heraus.

Festnahme bei Großeinsatz

Der 40-Jährige war am 17. September bei einem Großeinsatz in Düsseldorf festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. Bisher hatte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt, wegen des Verdachts der Verabredung zu einem Verbrechen. Nach ihren Angaben hatten Einsatzkräfte Schriftstücke entdeckt, die auf eine Gefährdung bestimmter Personen hätten schließen lassen. Die Betroffenen waren von der Polizei kontaktiert und gewarnt worden.

Stand: 01.10.2021, 15:05