Großeinsatz im Hambacher Forst - Aktivisten festgenommen

Räumung im Hambacher Forst mit Polizei

Großeinsatz im Hambacher Forst - Aktivisten festgenommen

  • RWE räumt im Hambacher Forst Barrikaden weg
  • Polizei nimmt fünf Aktivisten fest
  • Braunkohlegegner planen Mahnwache vor der Staatskanzlei

Zur Diskussion über die Räumungsaktion

Rund 200 RWE-Mitarbeiter haben am Mittwoch (05.09.2018) im Hambacher Forst Barrikaden weggeräumt. Es seien auch Gräben und Erdlöcher zugeschüttet und Müll entfernt worden, sagte ein RWE-Sprecher.

Im Laufe des Einsatzes waren insgesamt fünf Rodungsgegner von der Polizei festgenommen worden. Nach Polizeiangaben verlief der Einsatz weitgehend ohne Störungen. Eine angemeldete Demonstration am Hambacher Forst verlief am Mittwochabend friedlich.

Am Donnerstag (06.09.2018) werden die Aufräumarbeiten und der Polizeieinsatz im Hambacher Forst fortgesetzt. Zwischenfälle gab es nach Polizeiangaben bislang nicht. Währenddessen rufen Initiativen gegen den Braunkohleabbau und Umweltverbände zu einer gemeinsamen Mahnwache vor der Düsseldorfer Staatskanzlei am 13. September auf.

Das große Aufräumen im Hambacher Forst

Aufräumarbeiten von RWE-Mitarbeitern und einem Polizeigroßaufgebot im Hambacher Forst. Dabei ging es nicht zimperlich zu, die Lage eskalierte aber auch nicht.

Die Polizei stehen in einem Camp von Umweltaktivisten..

Wenige Wochen vor einer möglichen Rodung im Hambacher Forst hat der Energiekonzern RWE am Mittwoch (05.09.2018) damit begonnen, in dem Wald aufzuräumen. Eskortiert wird das Unternehmen dabei von einem Großaufgebot der Polizei.

Wenige Wochen vor einer möglichen Rodung im Hambacher Forst hat der Energiekonzern RWE am Mittwoch (05.09.2018) damit begonnen, in dem Wald aufzuräumen. Eskortiert wird das Unternehmen dabei von einem Großaufgebot der Polizei.

Ein Bagger räumt eine von Umweltschützern aus Ästen gebaute Barrikade aus dem Weg.

Mitarbeiter von RWE räumen mit schwerem Gerät eine Barrikade weg, die ein Camp der Umweltaktivisten schützen sollte.

Polizisten inspizieren ein Umweltschützer-Camp, in dem auf Bannern Parolen stehen wie "Kapitalismus abschaffen, Staaten überwinden, Anarchismus organisieren".

Vereinzelt kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Umweltschützern und Polizei. Hier wird ein Aktivist nach seiner Festnahme von Polizisten gefilmt. Insgesamt werden fünf Personen in Gewahrsam genommen.

Ein Umweltaktivist hängt vermummt in einem Baum. Die Braunkohlegegner glauben, dass die Aufräumaktion der Vorbereitung einer wahrscheinlichen Rodung des Hambacher Forsts dient.

Dieser Aktivist gibt den angereisten Journalisten-Teams vermummt ein Interview.

Dieser Umweltschützer seilt sich neben einem Transparent an einem Baum ab.

Polizisten durchsuchen ein Zelt im Hambacher Forst. Nach eigenen Angaben findet die Polizei bei der Aufräumaktion unter anderem einen mit Nägeln gespickten Autoreifen, Sprengstoff-Attrappen und mit brennbaren Flüssigkeiten gefüllte Flaschen. Zwei Beamte sollen leicht verletzt worden sein, als sie Aktivisten von Holzkonstruktionen herunterholten.

Per Umzugskartons entsorgen RWE-Mitarbeiter die Utensilien der Waldbesetzer.

Rodungsgegner festgenommen

Schon am Mittwoch wurden die Räumungsarbeiten von Hundertschaften der Aachener Polizei eskortiert. Laut Polizei waren die Beamten mit Pyrotechnik beschossen und von Holzplattformen mit Urin und Fäkalien bespritzt worden. Zudem seien Gegenstände zum Bau von Zwillen und Geschossen gefunden worden und ein mit Nägeln gespickter Autoreifen. Sechs Polizeifahrzeuge seien durch Metallkrampen und Krähenfüße beschädigt worden.

Die Polizei fand nach eigenen Angaben auch eine Bomben-Attrappe und ein nicht funktionsfähiges Katapult. Rodungsgegner, die in Baumhütten im Wald campen, forderten per Megafon den Abzug der Polizei. Eine Person hatte sich in einem knapp drei Meter tiefen Loch festgekettet. Zwei Beamte seien bei dem Einsatz leicht verletzt worden.

Räumung bis 1. Oktober

Ein Räumungsfahrzeug im Hambacher Forst

Zum 1. Oktober, wenn die Rodungen beginnen dürfen, soll der Wald geräumt sein. Der Aachener Polizeisprecher Paul Kemen sagte dem WDR: "Wir schützen diese Arbeiten als Polizei. Das ist unser Auftrag. Wir nehmen aber gleichzeitig die Gelegenheit wahr, nach der Gewalteskalation der letzten Tage alles sicherzustellen, was Polizeibeamten bei möglichen folgenden Einsätzen gefährlich werden kann - sprich: Molotowcocktails, Wurfgeschosse, Krähenfüße."

Brandsätze auf Polizisten geworfen

Jan Pütz vom Aktionsbündnis "Unterholz" kündigte an: "Sobald die Polizei NRW hier als Handlanger von RWE beginnen sollte, im Wald Bäume zu fällen oder Baumhäuser zu roden, werden wir mit Hunderten Menschen mit Aktionen zivilen Ungehorsams die Rodungen stören." Die Zahl der Rodungsgegner wird auf 60 bis 100 geschätzt. Etliche gehören der linksautonomen Szene an.

160 Hektar Wald will RWE bis März 2019 fällen. Das kann noch das Oberverwaltungsgericht Münster verhindern. Dort hat der "Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland" Klage eingereicht. Eine Entscheidung wird für Ende September erwartet.

Gegen die Abholzung gibt es seit Jahren Proteste. Umweltschützer fordern einen schnellen Ausstieg aus der schädlichen Braunkohle und zumindest ein Rodungsmoratorium, solange die bundesweite Kohlekommission tagt.

Braunkohlegegner bei einer Mahnwache am Hambacher Forst

Braunkohlegegner mit einer Mahnwache während der Räumungsaktion

Hier ist Platz für Ihre Meinung.

Stand: 06.09.2018, 07:34

Kommentare zum Thema

159 Kommentare

  • 180 Maren 06.09.2018, 20:58 Uhr

    Hallo Ralf, vielleicht findest du dann ja Arbeit im Umweltschutzsektor oder im Bereich der erneuerbaren Energien, Umbruch und Umdenken muss sein, sonst gibt es bald keine Wälder mehr, die du für RWE oder sonst wen in Deutschland abholzen kannst, dann hast du auch keine Arbeit mehr. Die Umweltaktivisten freuen sich bestimmt auch über Zulauf :-)

  • 179 Antonietta 06.09.2018, 17:47 Uhr

    gegen die Rodung des Hambacher Forst! für alternative Energien!

  • 178 Fabian 06.09.2018, 16:27 Uhr

    RWE sollte sich schämen Wälder nur für die doofe Braunkohle abzuholen wir alle sind auf das produzierte Sauerstoff von denn Bäumen angewiesen

  • 177 Alter Corse 06.09.2018, 15:19 Uhr

    Richtig! Weg mit den Bäumen. Mir ist im Winter sowieso noch zu kalt. Die Hauptsache,die von unserer Regierung protegierten Wirtschaftsmonopole bekommen den Hals voll. Aber bitte nicht jammern wegen der Klimaerwärmung und auch nicht wegen des steigenden Meerwasserspiegels. Eine Frage der Zeit, wann unseren Politikern das Wasser bis zum Halse steht und unsere Hauptstadt in den Ostseefluten versinkt. Aber - nach uns die Sinflut.

    Antworten (1)
    • ungerecht 06.09.2018, 22:40 Uhr

      schön wäre es, wenn die verantwortlichen die schuld treffen würde. aber, die wissen wohl sehr genau, daß ihnen das erspart bleibt. haben ja auch wohl den größten teil ihres lebens schon hinter sich und nehmen gerne alles mit, was man noch erbeuten kann. egoismus pur unter dem deckmantel des "uns wird es allen noch besser gehen". wer`s glaubt ? diesen kreaturen ist es egal, was nach ihnen passiert. anders kann ich das nicht deuten.

  • 176 Katrin Klembach 06.09.2018, 15:18 Uhr

    Der Bericht ist nicht richtig, wenn es heißt, es handle sich um Linksautonome, die die Rodung stoppen wollen. 15000Besucher des Hambacher Forstes allein mit dem Waldpädagogen Zobel, 70% der Menschen in NRW, die den Kohleausstieg wünschen, weil sie nicht länger Dörfer und Ackerland weg baggern wollen, zahllose Eigenheimbesitzer mit Setzrissen in ihren Häusern, und alle die wissen, dass wir mit RWE den größten CO2 Produzenten Europas haben, sind gegen diese Rodung. Das gebietet der gesunde Selbsterhaltungstrieb, das hat nichts mit linksautonom zu tun.

    Antworten (1)
    • Max Braesich 06.09.2018, 16:07 Uhr

      Aber linksautonom klingt besser, mit dem Label belegt läßt sich das verantwortungslose RWE Treiben besser als rechtmäßig verkaufen. Trau schau wem ...

  • 175 Steinhoefel 06.09.2018, 14:48 Uhr

    Wie weltfremd gegen die Gemeinschaft sind eigentlich die Waldbesetzer und deren Sympatisanten? Wie aufsässig gegen den Staat, der wir alle sind, durch freie Wahlen? Der Globus hängt zusammen, warum wird hier ein Stress erzeugt wegen 100 Fussballfeldern, die wieder renaturiert werden. Warum demonstrieren solche Unterholzmenschen nicht am Amazonas und anderen Stellen unserer Erde, wo wirklich Schlimmes der Natur angetan wird. Geht auf nach China, wo man aus Umweltschutzgründen weitere Atomkraftwerke baut,..wie übrigens auch in USA und nebenan in UK. Und massiv auf Braunkohle setzt. Ein paar Millionen und beste deutsche Braunkohlenkraftwerke in der Mongolei und China hülfen der Erde wirklich wesentlich. Denn Dreck macht nicht an Grenzen halt, weder in der Luft noch im Wasser. Leute die sich hier verhalten wie Staatsfeinde, könnten doch gut ihre Energie dort anbringen, wo Hilfe gebraucht wird,..nicht egoistisch auf einem Quadratkilometer, sondern als Erdfreunde mit Globalwirkung.

    Antworten (2)
    • Max Braesich 06.09.2018, 16:11 Uhr

      Dazu fällt mir nur eines ein - absurd !

    • ungerecht 06.09.2018, 23:07 Uhr

      das china viel dreck produziert hat bestimmt was damit zu tun, daß die anderen länder halt billig einkaufen wollen. da werden wohl gute und damit teuere kraftwerke ein hinderniss. wenn man im amazonas demonstriert, kann man dabei schon mal verschollen gehen und china hat auch schöne gefängnisse. wundert mich auch, daß dort keiner hin will, um zu protestieren. was soll da schon denen passieren ? im übrigen demonstrieren leute aus aller welt bei weltgipfel-treffen. sind halt nur nicht 100 % der weltbevölkerung.

  • 174 Monika J aus Solingen 06.09.2018, 14:37 Uhr

    An den WDR u die D u H der Regierung der BRD, ich erwarte von Ihnen, bezüglich der Absichten der RWE, den Hambacher Forst zu roden und die Braunkohle darunter zu CO2 umzuwandeln, vernünftiges Verhalten im Sinne einer aktiven Politik für den Klimaschutz, sprich: Aktiven öffentlichen Einsatz gegen den diesbezüglichen weiteren Braunkohle-Tagebau und die Verstromung von Braunkohle. Nach meiner Vorstellung kann kein vernünftiger Mensch wollen, was dort von RWE beabsichtigt ist. Es ist mir völlig unverständlich, dass die Politiker keinerlei Stellung beziehen. Und wenn es um die Arbeitsplätze geht? Ich denke, wenn wir die Sanierung von Ostdeutschland, Zocker-Banken, Griechenland, und was weiß ich alles bezahlen können, sollten ein paar beschäftigungslos werdende Braunkohle-RWE-Mitarbeiter auch noch mit durchgezogen werden können. Sie können gerne das gesamte, von Frau von der Leien angestrebte Budget für Militärausgaben von jährlich etwa 60 Milliarden Euro hierfür verwenden. Monika J aus S

  • 173 Jochen 06.09.2018, 13:40 Uhr

    Unglaublich was sich da wieder ereignet. Hauptsache es kann ordentlich Geld verdient werden, die Folgen müssen dann wieder die Natur und Mittellosen ertragen. Und die Leute die daran verdienen haben sicher eine schöne Bleibe im Schönen. Kapitalismus pur. Heuchelei in der Politik.

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    • Matthias 06.09.2018, 15:22 Uhr

      Allen voran die Heuchelei der Grünen. Die rot-grüne Landesregierung hat den Hambacher Tagebau noch vor 2 Jahren bestätigt, und jetzt kommt kommt Parteichef Hofreiter und wird Baumpate. Das braucht doch niemand. Respekt vor den Leuten die gewaltfrei(!) den Wald schützen. Sie können aber der Politik nicht dabei helfen die Energieversorgung in diesem Land zu organisieren, und eine Perspektive zu entwickeln welcher Mix aus immer nur entweder sauberen oder sicher verfügbaren oder günstigen Energieträgern in den nächsten Jahren genutzt werden soll.

  • 172 Karl Anders 06.09.2018, 12:52 Uhr

    Ich empfinde es als totale Frechheit - und typischer Auswuchs unser geldgeilen Gesellschaft - dass RWE hier auf so viele Arten und Weisen gegen das soziale Miteinander verstößt. Die Polizei sollte nicht RWE vor Forderungen aus der Gesellschaft schützen, sondern uns alle gegen Forderungen von RWE (und den anderen Raubbauern). Was ich meine ist: -Braunkohle ist nicht rentabel, wenn es nicht durch steuergeldlich finanzierte Privilegien unterstützt würde (siehe https://rp-online.de/wirtschaft/rwe-und-vattenfall-braunkohle-kostet-15-milliarden_aid-19710147) - Die Räumung des Forstes wäre nicht möglich, wenn nicht durch Steuergelder die Polizei bezahlt würde - Die Schaffung von Tatsachen, bevor alle Gerichtsentscheidungen abgewartet wurden ist anti-demokratisch - Die Rodung von Waldfläche ist - in Zeiten des Klimawandels - asozial und frei von jedem Verantwortungsbewusstsein

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    • Max Braesich 06.09.2018, 15:56 Uhr

      Danke, mir aus dem Herzen gesprochen !

  • 171 Ohada 06.09.2018, 12:44 Uhr

    Hallo. Man kann ja klein anfangen, aber jeden Tag werden viele Quadratkilometer Wald Jungle abgeholzt, damit man Möbel kaufen kann die modern sind. Gleichzeitig wird der Rohstoff Erdöl verbraucht als gelbe als einen ersatztank. Wenn das verbraucht ist dann gibt es nichts mehr wo Kunststoff wenn verarbeitet ist, kein Smartphone kein TV kein E-Auto und so weiter. Jedoch was interessiert es die Masse Mensch, wer die Mittel hat nimmt jeden Unsinn auf unverantwortliche Weise war. Kreuzfahrt Reisen Flugreisen übergroße KFZ usw. Tausende Quadratkilometer werden jeden Tag Boden verdichtet, bebaut, dies speichert alles Wärme und reflektiert es wieder in die Atmosphäre. Also worüber reden wir hier die Kugel rollt und keiner kann sie stoppen Punkt nur jeder einzelne für sich hat die Freiheit vernünftige verantwortliche Dinge zu tun, also tue es schau auf niemand sondern sei praktisches Vorbild. Viel Erfolg und wo happy day...

  • 170 Chief Joseph 06.09.2018, 12:25 Uhr

    Das Aktionsbündnis UNTERHOLZ ebenso wie ENDE GELÄNDE haben sich der Gewaltfreiheit verpflichtet https://www.ende-gelaende.org/de/aktionskonsens/ Die "Zahl der Rodungsgegner" ist mit weit mehr als "60 bis 100" zu schätzen. Alleine heute kamen zu einer kurzfristig geplanten Demonstration 500-700 Menschen : Junge, Alte, ganze Familien, von nah und weiter weg, bunt und vielfältig. Das ist nur die Spitze des Eisberges. Geschätzt 8 von 10 Menschen, mit denen ich an beliebigen Orten spreche, sind gegen weitere Rodungen, gegen weiteres Schleifen von Kirchen und Dörfern sowie für ein schnelles Ende der Kohleverstromung und für Klimaschutz. Ach, Sie meinten die Wald- und Wiesenbewohner? Auch das sind in 6 Jahren mehrere Hundert gewesen. Es herrscht Kommen und Gehen. Einige bleiben Tage, manche Jahre. Die allermeisten sind friedliche, verantwortungsvolle Menschen. Wie überall gibt es gewalttätige Typen. Hier schaden sie der Sache durch Provokationen. Woanders schlagen sie Frauen und Kinder ...