Auf der Suche nach dem Virus: Jede zehnte Untersuchung erfolgt in Köln

Corona-Forschungslabor in Köln

Auf der Suche nach dem Virus: Jede zehnte Untersuchung erfolgt in Köln

Von Frank Piotrowski

  • 100 Mitarbeiter arbeiten Tag und Nacht
  • 4.000 bis 6.000 Proben täglich
  • Auch Antikörpertests sind möglich

In einem Industriegebiet in Köln-Marsdorf sitzt Deutschlands größtes Labor. Am Dienstag (31.03.2020) wurde dort die 50.000. Probe auf Corona getestet. Nirgendwo in Deutschland untersuchen so viele Biologen und Ärzte Proben, die Patienten zur Abklärung einer Covid-19- Erkrankung abgenommen werden. Jede zehnte Probe in Deutschland wird in Köln untersucht. Täglich erreichen 4.000 bis 6.000 Abstrich-Stäbchen das Kölner Labor Dr. Wisplinghoff.

100 Mitarbeiter arbeiten Tag und Nacht

Noch sind es viele Arbeitsschritte, die eine Probe durchlaufen muss, bis feststeht, ob der Patient Virusträger ist. Die Laboranten und Laborantinnen arbeiten an Werkbänken, die mit einer Absaugeinrichtung ausgestattet ist. Diana Fassbender ist eine von ihnen. Die 25-jährige biotechnische Assistentin hat deshalb auch keine Angst, sich anzustecken. Das Risiko sei beim Einkaufen viel höher, sagt die Laborantin. Viele Kolleginnen von ihr haben sich aus der Elternzeit gemeldet, mit dem Angebot, das Team zu unterstützen.  Gearbeitet wird rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Ab mittags treffen viele Fahrer mit den Proben aus den Arztpraxen ein. Nicht nur aus dem Rheinland, sondern auch aus Hessen und Niedersachsen.

4.000 bis 6.000 Proben täglich

Testergebnis Corna

Der rote Punkt bedeutet positiv. Stand heute (31.03.2020) ist in Köln aktuell jede achte Probe positiv.

Der Facharzt für Labormedizin Dr. Fabian Wisplinghof ist einer der Laborinhaber. Er sagt, dass bisher der Testablauf viel Handarbeit erfordert. Das Labor habe aber bereits die Geräte, um automatisierte Tests durchzuführen. Sobald das Test-Kit von den Pharma-Herstellern vorliege, sei es möglich, auch damit zu starten. Bisher würden zwischen 4.000 und 6.000 Tests täglich durchgeführt. Die Kapazitätsgrenze sei längst noch nicht erreicht. Das Kölner Labor könne bis zu 12.000 Tests pro Tag leisten. Heute wurde die 50.000. Probe abgegeben. Inzwischen seien etwa acht Prozent der Tests positiv. Niemand der Beschäftigten sei bisher an Covid-19 erkrankt, es sei auch kein Problem, genügend Mitarbeiter einsetzen zu können.

Auch Antikörpertests sind möglich

Insgesamt beschäftigt das Kölner Labor 800 Mitarbeiter, darunter etwa 50 Ärzte. Viele Aufträge in anderen Bereichen gibt es aktuell nicht, da Krankenhäuser Operationen verschoben und Ärzte ihre Versorgung teilweise auf Notbetrieb umgestellt hätten. Seit einer Woche sei es möglich, auch Blutuntersuchungen auf Antikörper durchzuführen. So können die Labormitarbeiter feststellen, ob der Körper eines Patienten bereits mit dem Corona-Virus beschäftigt war. Viele Krankheitsverläufe sind so leicht, dass die Patienten selbst nicht bemerken, dass Sie an Covid-19 erkrankt sind.

Stand: 31.03.2020, 16:44

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