Kohlekraftwerk Frimmersdorf geht vom Netz – wie geht es weiter?

Auf dem Foto sind die rauchenden Schlote des Kohlekraftwerk Frimmersdorf in Grevenbroich zu sehen.

Kohlekraftwerk Frimmersdorf geht vom Netz – wie geht es weiter?

Mit der Stilllegung des Braunkohlekraftwerks steht der Grevenbroicher Stadtteil vor einem Umbruch: weg von der Kohlekraft, rein in die Zukunft. Aber in was für eine? Der Bürgermeister will Industrie ansiedeln. Manche Frimmersdorfer sagen: Das wird nichts.

"Schnitzel, Hähnchen, Currywurst – dann sind sie alle gekommen," erinnert sich Willibert Lambertz. Er war früher Koch in der Kantine des Kraftwerks Frimmersdorf. Zu Spitzenzeiten hat er 1.500 Gerichte täglich für die Arbeiter zubereitet. Aber damit ist lange Schluss.

Der Energiekonzern RWE legt sein traditionsreiches Braunkohlekraftwerk im Grevenbroicher Stadtteil Frimmersdorf am Donnerstag endgültig still. Strom wird dort schon seit vier Jahren nicht mehr produziert. Seit 2017 steht das Werk nur noch auf Reserve für den Notfall: Zwei der ursprünglich 16 Kraftwerksblöcke wurden einsatzbereit gehalten, um bei einem Engpass im Stromnetz einspringen zu können.

BUND: Eins der ineffizientesten Kraftwerke bundesweit

Bis 2038 will Deutschland den Kohleausstieg schaffen. Für das in den 50er- und 60er-Jahren entstandenen Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf ist schon jetzt Schluss - am letzten Donnerstag im September geht es vom Netz.

Das Kraftwerk ist das älteste in der Region. Laut BUND war es eines der ineffizientesten Kraftwerke in ganz Deutschland. Im kommenden Jahr sollen nebenan im Kraftwerk Neurath auch Blöcke abgeschaltet werden.

Kraftwerk hat für Wohlstand gesorgt

Für die Region geht es also in eine klimafreundlichere Zukunft. Was aber im Stadtteil Frimmersdorf entstehen kann, ist noch unklar. Das Braunkohlekraftwerk hat in Frimmersdorf jahrzehntelang für Arbeitsplätze und Wohlstand gesorgt.

Auf dem Foto sind rauchende Türme eines Kohlekraftwerks. Das Bild ist in schwarz-weiß.

So sah das Kraftwerk Frimmersdorf im Jahr 1962 aus. Zu dieser Zeit ist es noch stark gewachsen.

"Das war ein ganz großer Zusammenhalt innerhalb des Dorfes mit den Leuten, die auch zusammengearbeitet haben. Man war 16 Stunden zusammen: acht Stunden auf der Arbeit und acht Stunden in der Freizeit," sagt der Frimmersdorfer Klaus Brüggen, der früher im Kraftwerk gearbeitet hat.

"Grevenbroich ist doch arm wie eine Kirchenmaus"

Jetzt wird das alte Gelände des Kraftwerks frei – ein Neustart für Frimmersdorf? Nein, glaubt Annemie Brüggen, deren Mann, Vater und zwei Söhne im Kraftwerk gearbeitet haben: "Da kommt nichts mehr! Grevenbroich ist doch arm wie eine Kirchenmaus." Der ehemalige Koch Lambertz denkt ähnlich: "Was soll jetzt hier noch hinkommen? Ich glaube nicht, dass sich hier etwas tut!"

Bürgermeister will Industrie ansiedeln

Der Grevenbroicher Bürgermeister Klaus Krützen (SPD) sieht das jedoch ganz anders. "Ich glaube schon, dass wir hervorragende Perspektiven haben," sagte er dem WDR. Er will auf der Fläche, die dort entsteht, Industrie ansiedeln, damit dort gut bezahlte Arbeitsplätze entstünden: "Da muss Grevenbroich hin, wenn es um das Thema Strukturwandel geht!"

Was Krützen bei seinen Vorhaben noch im Weg steht: Der Landschaftsverband Rheinland möchte das Kraftwerk unter Denkmalschutz stellen. Auch deswegen sei man in Gesprächen mit dem Landschaftsverband und RWE, dem Besitzer des Kraftwerks, so Krützen. Der Denkmalschutz dürfe die Entwicklung nicht stoppen. Bis die Fläche des Kraftwerks neu genutzt werden kann, werde es aber noch einige Jahre dauern.

Stand: 30.09.2021, 19:11