Mord an dreijähriger Greta: Lebenslange Haft für Erzieherin

Mord an dreijähriger Greta: Lebenslange Haft für Erzieherin

Von Ulrich Spinrath und Hanna Makowka

Die Erzieherin einer Viersener Kita ist am Freitag wegen Mordes an der kleinen Greta zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung weitestgehend ausgeschlossen.

Es war ein emotionaler Prozess. Es ging um den Tod eines dreijährigen Mädchens und um die Frage, wieso diese Tat nicht verhindert worden ist. "Wir existieren nur noch, aber leben nicht mehr", hatte die Mutter des Mädchens vor Gericht erzählt.

Greta war am Tattag im April 2020 zum ersten Mal wieder in der Kita gewesen - nach wochenlanger Schließung wegen des ersten Corona-Lockdowns. Das kleine Mädchen habe sich sehr auf den Tag gefreut, so ihre Mutter.

Kein Berufsverbot für die verurteilte Erzieherin

Sandra M. hat Greta beim Mittagsschlaf in der Kita den Brustkorb zusammen gedrückt. Davon ist das Gericht überzeugt. Das Kind starb einige Tage später im Krankenhaus - einen Tag nach ihrem dritten Geburtstag.

Die Richter am Landgericht Mönchengladbach schlossen sich der Forderung der Staatsanwaltschaft nach lebenslanger Haft an. Die Erzieherin wird für sehr lange Zeit im Gefängnis sitzen. Nach der Urteilsverkündung brach sie in Tränen aus. "Das ist natürlich schon ein Schock für sie", sagte ihr Verteidiger Felix Menke.

Ein Berufsverbot hat das Gericht für die 25-Jährige aber nicht ausgesprochen. Gretas Mutter hat dafür kein Verständnis, so ihre Anwältin Marie Lingnau: "Was ist, wenn die Angeklagte vielleicht nach 25 Jahren wieder raus kommt. Kann sie dann vielleicht doch als Erzieherin wieder arbeiten?" Davon gehe die Anwältin zwar nicht aus, aber sie verstehe die Sorgen ihrer Mandantin.

Bestrafung der Dreijährigen als mögliches Motiv

"Die Angeklagte war im Dienst und hatte - allein und ungestört - Zugriffsmöglichkeit auf die Kinder", sagte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers bei der Urteilsbegründung. Die Tat sei besonders verwerflich, weil sich Greta in der Kita in einem besonders behüteten Schutzraum befand und dort von einer vermeintlichen Vertrauensperson erstickt wurde.

Die von den Kolleginnen als unfähig bezeichnete Erzieherin habe sich bei den Kindern kaum durchsetzen können. Sie habe Greta wohl dafür bestrafen wollen, dass sie nicht schlafen wollte. "Sie war nicht besonders durchsetzungsstark und hat dann die Kinder gequält, um sie letztendlich zu dem Verhalten zu zwingen, das sie gerne wünschte", so Raimond Röttger vom Landgericht Mönchengladbach.

Greta-Prozess: Angeklagte voll schuldfähig

WDR 5 Westblick - aktuell 20.01.2021 03:48 Min. Verfügbar bis 20.01.2022 WDR 5


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Die Erzieherin hatte die Tat bis zuletzt bestritten, auch gegenüber einer psychiatrischen Gutachterin, die sie als voll schuldfähig eingestuft hatte. Die Expertin hatte bei ihr keine Hinweise auf eine krankhafte Persönlichkeitsstörung gefunden.

Die Angeklagte Sandra M. vor dem Mönchengladbacher Landgericht

Die Anwälte der Erzieherin hatten im Prozess die Todesursache angezweifelt. Sie hielten auch eine Grippeinfektion für möglich. Eine Rechtsmedizinerin sagte aber aus, dass das Zusammendrücken des Brustkorbs und der daraus resultierende Sauerstoffmangel im Gehirn als Todesursache wahrscheinlicher seien.

Schon in der Vergangenheit war Sandra M. auffällig geworden. Während ihrer Ausbildung wurde ihr "Empathielosigkeit" bescheinigt, sie selbst erzählte im Prozess, dass sie der Job überfordert habe. Trotzdem konnte sie die Ausbildung abschließen.

Verurteilung auch wegen weiterer Fälle

Zudem verurteilten die Richter die Frau wegen der Misshandlung von Schutzbefohlenen in zwei weiteren Fällen. Sie soll - so die Staatsanwaltschaft - auch andere Kinder in anderen Kitas, in denen sie arbeitete, misshandelt haben. Viermal musste sogar ein Rettungswagen anrücken. Die Fälle wurden nie gemeldet, weil sie nicht als Misshandlung, sondern als medizinische Notfälle eingestuft wurden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidiger der 25-jährigen Erzieherin wollen in die Revision gehen.

Stand: 05.03.2021, 19:21