Schüler bauen Anlage fürs Klassenzimmer selbst

Der Schulleiter hat eine schwelende Zeitung in der Hand. Von dieser steigen Rauchschwaden nach oben, in die Trichter der Lüftungsanlage hinein.

Schüler bauen Anlage fürs Klassenzimmer selbst

Von Sven Lüüs / Piet Keusen

Professionelle Anlagen sind teuer, ständig frieren im Klassenraum, aber auch keine Lösung. Deswegen haben Neuntklässler in Grefrath ihre eigene Lüftungsanlage gebaut.

Schulleiter Christian Rütten zündet mit einem Feuerzeug eine Zeitung an. Die Schüler der Schule an der Dorenburg in Grefrath schauen ihm gespannt dabei zu. Hier und da erklären sie dem Schulleiter, wo er die schwelende Zeitung hinhalten soll. Rütten testet gerade, ob die von den Schülern gebaute Lüftungsanlage auch einen Corona-Schutz bieten kann.

4.000 Euro für eine professionelle Anlage

Mit der Corona-Pandemie wurde das Lüften an Schulen gleichermaßen wichtig und lästig. Wichtig, damit Aerosole aus dem Raum herauskommen. Falls ein Schüler infiziert ist, soll es durch das Lüften zu weniger Ansteckungen im Klassenraum kommen. Lästig, weil es draußen kalt ist. Die Schüler frieren, wenn das Fenster offen ist. Alle 20 Minuten soll in Klassenräumen stoßgelüftet werden - das unterbricht außerdem den Unterricht.

Lüftungsanlagen könnten helfen, aber die sind teuer. 3.000 bis 4.000 Euro kann so eine professionelle Anlage kosten, sagt Schulleiter Rütten. Deswegen haben die Grefrather ihre Anlage einfach selbst gebaut - für weniger als 250 Euro.

Die Schüler bauen einen Trichter für die neue Lüftungsanlage.

Richtig schwer sei es den Schülern nicht gefallen, die Anlage zu bauen, sagen sie.

Sie brauchten dazu nur Trichter, Rohre, Folie, einen Schlauch und einen Ventilator. Der Ventilator erzeugt einen Unterdruck, damit werden die Aerosole durch ein Fenster nach draußen befördert.

90 Prozent weniger Aerosole

Renommierte Forscher haben zuvor entwickelt, was die Kinder jetzt gebaut haben. Die Vorlage kommt vom Max-Planck-Institut für Chemie. Mit dieser Anlage könnten 90 Prozent der Aerosole, die das Coronavirus enthalten können, aus der Luft gefiltert werden, so das Institut.

Auf dem Foto ist die fertige Lüftungsanlage: in der Mitte ein gelber Schlauch, von dem dünnere graue Rohre abführen. An den Rohren sind die Trichter befestigt.

Fast fertig: Die Lüftungsanlage funktioniert schon, ein paar Kleinigkeiten sind noch zu optimieren.

Eine Mainzer Gesamtschule hat das Konzept zuerst ausprobiert. Durch einen Fernsehbeitrag darüber wurde auch Schulleiter Rütten auf die Anlage aufmerksam.

Endlich Praxisunterricht

Das, was die Schüler machen, dient nicht nur dem Coronaschutz. Die Kinder haben mehr Spaß am Unterricht und lernen mehr: "Man merkt sofort, dass sie deutlich motivierter sind", sagt Techniklehrer Michael Fischer. In seinem Kurs haben die Schüler die Anlage gebaut.

Auch die Schüler sind begeistert: "Es war krass, dass man es selber gemacht hat", sagt einer. Sonst ist der Unterricht im Technikkurs eher theorielastig. Und natürlich freut es die Schüler auch, das Gefühl zu haben, etwas Sinnvolles zu tun.

"Das meiste wird tatsächlich weggesaugt"

Mit seinem Test ist Schulleiter Rütten durchaus zufrieden. Die Rauchschwaden steigen von der schwelenden Zeitung auf und finden ihren Weg in den Trichter, der darüber hängt. "Das meiste wird tatsächlich weggesaugt", sagt er.

Ein bisschen gibt es noch zu tun: Der Ventilator soll noch ausgetauscht werden, damit die Lüftung noch besser funktioniert. Ein Schüler sagt: "Wenn wir später noch die Trichter verbessern, dann wird das Ergebnis auch nochmal besser."

Stand: 10.12.2020, 13:50