Hambacher Forst: Zustand "eklatant verschlechtert"

Hambacher Forst: Zustand "eklatant verschlechtert"

Von Jürgen Döschner

  • Forscher sehen Zusammenhang mit näherrückendem Tagebau
  • Neue Studie im Auftrag von Greenpeace
  • Erstmals Temperaturmessungen via Satellit

Seit Oktober letzten Jahres steht der Hambacher Forst unter höchstrichterlichem Schutz. Bis auf weiteres darf er weder gerodet, noch durch andere Maßnahmen in seinem Bestand gefährdet werden. Wissenschaftler der Universität Eberswalde und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sehen dennoch den Bestand des Waldes als gefährdet an.

In einer von Greenpeace beauftragten Studie nennen sie als einen Grund das Heranrücken der RWE-Braunkohlebagger. Teilweise beträgt der Abstand zum Wald nur noch 50 Meter.

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"Randeffekte"

Anders als in den bisherigen Diskussionen über die Auswirkungen des Tagebaus auf den Hambacher Forst, geht es in der Studie nicht um das Grundwasser. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die offenbar extremen Temperaturunterschiede zwischen dem Wald und der Braunkohlegrube.

Studie zum Hambacher Forst: "Der Wald ist gefährdet"

WDR 5 Morgenecho - Interview 14.08.2019 05:27 Min. Verfügbar bis 13.08.2020 WDR 5

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Dazu haben die Forscher erstmals in Deutschland auf Daten eines NASA-Satelliten zurückgegriffen. Das Ergebnis: Im Hitzesommer 2018 war es demnach im Tagebau bis zu 45 Grad heiß. Im Wald hingegen lagen die Temperaturen um bis zu 20 Grad niedriger. An den Übergängen zwischen Wald und Tagebau kommt es dann zu sogenannten Randeffekten – mit schwerwiegenden Folgen.

Bäume entwurzelt

Der Hambacher Wald am Tagebau

Der Hambacher Wald am Tagebau

"Der Zustand ist schlecht", sagt Pierre Ibisch, Professor an der Universität Eberswalde und einer der Autoren der Studie nach mehreren Besuchen im Hambacher Forst. Es gebe viele umgestürzte Bäume. Andere seien vertrocknet. Betroffen seien insbesondere die Ränder des Waldes. "Das ist ein Ökosystem, das ist gestresst", sagt Ibisch. Gestresst nicht nur durch die extreme Hitze der letzten zwei Sommer. Die gemessenen Temperaturunterschiede führten zusätzlich zu starken Winden - und die wiederum verstärkten die Austrocknung und entwurzelten reihenweise Bäume.

Schutzzone

Um den Bestand des Hambacher Forsts zu sichern, sollte eine "thermische Pufferzone" rund um den Wald angelegt werden – 500 Meter breit und möglichst dicht bepflanzt. Doch im Moment geschieht genau das Gegenteil. Die Abbaukante des Tagebaus ist an manchen Stellen nur noch 50 Meter vom Wald entfernt. Schützendes und kühlendes Gehölz ist an vielen Stellen bereits verschwunden.  

Kühlaggregat Wald

Baumhäuser bei der Räumung im Herbst 2018, Filmstill aus "Die rote Linie"

Baumhäuser bei der Räumung im Herbst 2018

Die Wissenschaftler empfehlen außerdem, die Trasse der ehemaligen A4 wieder aufzuforsten und die im Zuge der Baumhausräumung verbreiterten Waldwege wieder zurück zu bauen. Denn – auch das ein Ergebnis dieser Studie – der Hambacher Forst ist, wie jeder Wald, nicht nur ein CO2-Schlucker, sondern auch eine Art regionales Kühlaggregat. Und solche werden in Zeiten der Klimakrise immer wichtiger.

Stand: 14.08.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

31 Kommentare

  • 31 Michael Hünseler 15.08.2019, 08:18 Uhr

    Einen so alten Wald durch absenkung des Grundwassers zu zerstören finde ich nicht nur sehr fraglich sondern bereits kriminell. Einen Baumbestand der viele Jahrhunderte existent ist, wird mal eben mit einem lachenden Auge zum sterben gebracht um nachher die Braunkohle weiter abbauen zu können. Ich empfinde so etwas wiederlich.

  • 30 Hubert 14.08.2019, 22:49 Uhr

    Wo gesümpft wird trocknet alles weg. Das ist nicht neu und deshalb auch in Hambach nicht erstaunlich. Nicht umsonst werden Feuchtgebiete bis nach Schwalm-Nette mit enteistem Sümpfungswasser durch RWE mit Wasser versorgt. OB ein Trockenfallen/Austrocknen wirklich auf Dauer dadurch verhindert werden kann, bleibt abzuwarten, weil es sich um Oberflächenwasser handelt. Auch in Hambach dürfte die Nähe zur Abbaukante und damit verbundene massive, erforderliche Sümpfung (Sümpfungsbrunnen) wesentlich mehr das Problem sein als alles andere, hier thematisierte. Insofern ist das Vertrocknen insbesondere des Waldrandes, der nun einmal sehr nahe an der Abbaukante ist, nicht verwunderlich. Dass Wald generell für ein gutes Klima sorgt,ist hinlänglich bekannt, was die Grünen aber trotzdem nicht davon abhält andernorts für Monsterwindräder (20/25 Jahre Lebens- u.Fördermitteldauer!), alte Wälder abzuholzen. Der größte Teil des wirklich alten Hambacher Waldes wurde mit Zustimmung der Grünen gerodet.

  • 29 nrw-bürger 14.08.2019, 20:06 Uhr

    Gebt diesen Waldrest endlich auf. Die Besetzer holzen doch auch munter dort herum. Und eine Kohlsausstieg ist weiter weg denn je - wenn man sich die Probleme beim Windstrom und Leitungsbau anschaut. ----PS Für Windräder wird munter weiter abgeholzt - gibts mehrere Sorten Wald? ------PPS Wir waren kürzlich mehrmals kurz vor einem großen Stromausfall - durch unberechenbare Erneuerbare. Die Kohle muss weiterlaufen. Wer will, fliegt weniger oder kauft gebrauchte Sachen. Der Konsum macht 25% der CO2-Last aus. Der Strom muss sicher sein. Sonst wackeln Freizeit, Internet und viele Jobs.

  • 28 Achim 14.08.2019, 16:55 Uhr

    Ich habe schon vor einem Jahr RWE angeschrieben. Reaktion gleich null. Wie gesagt hier geht es nur um Kohle (Geldscheinen) und wir werden weiter verarscht genauso, wie von großen Automobilkonzernen. Die Bundesregierung stützt weiter solche Konzerne, will aber alternativ was für den Klimaschutz tun. Das ist lächerlich. Tut endlich jetzt mal was, damit wir unseren Kindern in 20 Jahren nicht sagen müssen, sorry, aber wir haben alle Geld damit verdient. Nach 1945 wollte auch niemand die Verantwortung tragen, mein Name ist Hase und wir wußten von nix. Scheint ja in Deutschland auch heute nach eine Standard Ausrede zu sein. Die eigenen Konten zu füllen ist wichtiger, als unseren Kindern eine Erde zum Leben zu hinterlassen. Das gilt auch für Bundespolitiker, die sich keinerlei finanzielle Sorgen machen müßen. In erster Linie ist sich jeder selbst der nächste. Und wenn das sich nicht mal irgendwie ändern sollte, die Menschen sozialer und ökunomischer denken, wird sich daran auch nix ändern.

    Antworten (1)
    • nrw-bürger 14.08.2019, 20:08 Uhr

      Hier gehts um unser Land. Es gibt nicht genug Strom, der immer da ist. Die Erneuerbaren können es noch viele Jahre nicht. Wenn Sie was tun wollen - nicht fliegen, wenig Auto, wenig Konsum, Warmwasser und Heizung sparsamer machen. Dann ist die Kohle ein kleines Problem.

  • 27 Ein kritischer Hörer 14.08.2019, 16:18 Uhr

    Wo und warum haben Sie meinen Kommentar verschwinden lassen?

  • 26 Extrawurst 14.08.2019, 15:28 Uhr

    Wo bleibt die Diskussion über die Risiken und Nebenwirkungen der teutonischen Energiewende? Oder gibt es die nicht? http://www.rettet-den-taunuskamm.de/

  • 25 ich 14.08.2019, 14:49 Uhr

    Last uns weiter Baggern. Dann können wir auf der anderen Seite des Tagebaus, weiter machen mit der Rekultivierung. Wer es nicht weiss, dort wurden bis jetzt mehr als 10 Millionen neue Bäume gepflanzt.

  • 24 Axel van Ratingen 14.08.2019, 13:49 Uhr

    Unter Punkt 3 der Empfehlungen der Studie heißt es: Ebenso sind die Kiestagebaue am Hambacher Forst sofort einzustellen; die Agrarflächen südlich des Hambacher Forsts bzw. des Tagebaus sind möglichst rasch mit heimischen Bäumen aufzuforsten. Von der Verwendung nicht heimischer Arten ist abzusehen. Quelle: https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/hambacher_forst.pdf Seite 22 Ähem heißt das, das die Landwirtschaft in diesem Bereich auch aufgegeben soll? In der Studie heißt es auch das die kühlende Wirkung der Sophienhöhe größer wird (seit 2012 1,4°C), während sie im Hambacher Forst abnimmt. (seit 2012 -0,3°C). (Abb.17 Seite 16) Mein Fazit, jeder soll sich diese Studie durchlesen und seine eigene Meinung bilden, es gibt immer mehrere und egal ob pro oder contra Braunkohle, lasst sie uns in Ruhe abwickeln auf das die Menschen dort zur Ruhe kommen, der Wald unbewohnt ist und die Mitarbeiter von RWE keine Angst um ihre Existenz haben müssen. MfG Axel

  • 23 Mich@ 14.08.2019, 13:41 Uhr

    Verbreiterte Waldwege Der Konzern hat hochverdichtete Schotterpisten angelegt um sein aggressives vorgehen im Wald zu optimieren. Ganz offensichtlich will er dem Wald mit Vorsatz schädigen.

  • 22 Vera 14.08.2019, 13:03 Uhr

    Zu dem Zustand des Hambachen Forstes. Was dem Absterben dieses Wäldchens beiträgt, denke ich, ist das Abpumpen des Grundwassers direkt, das passier auch in der ganzen weiten Umgebung, wie weit es reicht weiss ich nicht. Bei uns am Rand von Mönchengladbach sehe ich neue Pumpenanlagen- und Röhrenverlegung auf dem Feld. Wenn für die Natur das Grundwasser nicht erreichbar ist und von oben kommt auch fast nichts, wie im vorigen Jahr, dann ist für mich der Grund deutlich. Dass es mit den unterschiedlichen Temperaturen und enstehenden Winden zusammenhängen könnte, ist mir nicht so klar. Also sehe ich für den Erhalt dieses Wäldchens keine Chance mehr. Ohne Wasser exisiert kein Leben, die Natur wird dabei auch vernichtet.. Und auch überall, wo der Raubbau und Wasserentzug betrieben wird, entsteht eine Wüste und riesige Umweltverschmutzung, siehe jetzt Südamerika, Asien, wo Rohstoffe für die Batterien für die Elektroautos gefordert werden. Die Menschheit schafft sich so selbst ab.

    Antworten (1)
    • Rony 14.08.2019, 14:56 Uhr

      Die Menschheit vernichtet sich selber.

  • 21 Ralf 14.08.2019, 12:55 Uhr

    Die sogenannte "zivilisatorische" Lebensweise, die aber ungehemmt kurzfristig ausbeuterisch ist, richtet so große Schäden an. Aber es gibt zu Viele, die als aktive oder passive Nutznießer und unter Verdrängung dieser Probleme immer wieder ein "Weiter so" befürworten. Schwer zu verstehen für mich, aber so sieht es wohl aus.