Vergiftetes Glukosepräparat: Weitere Frau meldet sich

Die Heilig-Geist Apotheke in Köln-Longerich

Vergiftetes Glukosepräparat: Weitere Frau meldet sich

  • Offenbar Narkosemittel in Glukose einer Kölner Apotheke
  • Mutter und Kind nach Einnahme gestorben
  • Warnung vor Testpräparat auf Schwangerschaftsdiabetes
  • Glukose-Tütchen einer Kundin wird nun untersucht

Im Fall der vergifteten Glukose-Mischung aus einer Apotheke in Köln hat sich am Mittwoch (25.09.2019) eine weitere Patientin gemeldet. Sie ist dem Aufruf von Polizei und Stadt nachgekommen und hat ein Tütchen mit Glukose, dass sie in der betroffenen Apotheke gekauft hat, auf einer Polizeiwache abgegeben. Die Substanz wird nun untersucht.

Apotheke und Heilig-Geist-Krankenhaus

Nach Bekanntwerden der Todesfälle einer 28-Jährigen Frau und ihres Neugeborenen warnen die Behörden die Bevölkerung vor der Glukose-Mischung aus der Heilig-Geist-Apotheke in Köln-Longerich.

Viele offene Fragen nach Glukose-Todesfällen

WDR Studios NRW 25.09.2019 01:51 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Online

Tödlicher Stoff war Narkosemittel

Die Ursache für den Tod der 28-Jährigen und ihres Neugeborenen ist nach WDR-Informationen ein Narkosemittel. Es war einem Glukose-Präparat untergemischt, mit dem Patientinnen auf Schwangerschaftsdiabetes getestet werden. Das Narkosemittel gilt als schnell wirksam und soll Lähmungserscheinungen verursachen.

Polizei hält auch Versehen für möglich

Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer sagte am Mittwoch, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der potentiell tödliche Stoff aus Versehen in die Glukose gelangt ist. Beide Stoffe seien Pulver und sehr ähnlich. Es werde aber auch weiter ermittelt, ob die toxische Substanz vorsätzlich unter die Glukose gemischt wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben wegen eines Tötungsdelikts gegen Unbekannt.

Möglicherweise weitere vergiftete Mischungen im Umlauf

Die Behörden warnen weiterhin vor der Einnahme des Testpräparats auf Schwangerschaftsdiabetes aus der Heilig-Geist-Apotheke in Köln-Longerich. Die Ermittler können nicht ausschließen, dass weiteres giftiges Material im Umlauf ist. Wer noch entsprechende Präparate habe, solle diese bei der nächsten Polizeiwache abgeben.

Am Mittwoch meldete sich daraufhin eine Frau bei der Polizei und gab ein Tütchen mit Glukose, dass sie in der betroffenen Apotheke gekauft hat, auf einer Polizeiwache ab. Die Substanz wird nun untersucht.

Mehrere Frauen nahmen die Mischung ein

Inzwischen sind 3 Frauen bekannt, die die Glukosemischung aus der Heilig-Geist-Apotheke eingenommen haben sollen - alle in derselben Praxis. Die erste Frau hatte die Einnahme am Dienstag (17.09.2019) abgebrochen, weil sie nicht süß schmeckte. Die Frau zeigte daraufhin Symptome und kam kurzzeitig in ein Krankenhaus.

Am darauffolgenden Donnerstag soll eine weitere Frau das Mittel eingenommen haben.Bei ihr soll die Einnahme ohne Komplikationen verlaufen sein.

Eine Apothekerin nimmt Medikamente aus einem Regal

Führte eine verunreinigte Arznei zum Tod von zwei Menschen?

Später am selben Tag nahm dann die 28-jährige Schwangere das Mittel ein. Bei ihr löste die Substanz heftige Komplikationen aus, sie starb an multiplem Organversagen. Mit einem Notkaiserschnitt in der 25. Schwangerschaftswoche versuchten Ärzte, ihr Baby zu retten. Das Neugeborene starb aber ebenfalls.

Auch der Säugling starb an Organversagen

Inzwischen liegt auch das Obduktionsergebnis des Säuglings vor. Demnach ist das Kind ebenfalls an Organversagen gestorben. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob die Ursache dafür die tödliche Substanz war.

Apotheke bleibt geöffnet

Laut Polizei sind ausschließlich Arzneimittel aus der besagten Apotheke betroffen. Der Inhaber der Kölner Apotheke kann sich nicht erklären, wie der Giftstoff in die Glukose gekommen ist. "Ich bin fassungslos, ich kann es mir nicht erklären", sagte er. Er vertraue auf die Ermittlungen der Polizei. "Dabei bin ich Zeuge, nicht Beschuldigter", betonte der Apotheker. "Das ist eine unvorstellbare persönliche Tragödie".

Die Apotheke in Longerich bleibt geöffnet, darf aber vorerst nichts mehr verkaufen, was dort selbst gemischt oder abgefüllt wird.

Stand: 25.09.2019, 18:01