Hobby-Schatzsuche im Bergischen: Faszination "Sondeln"

Marienheide: Schatzsucher findet römische Münze Lokalzeit Bergisches Land 14.01.2022 11:58 Min. Verfügbar bis 14.01.2023 WDR Von Helge Rosenkranz

Hobby-Schatzsuche im Bergischen: Faszination "Sondeln"

Von Helge Rosenkranz

Eine römische Münze, gefunden in Wipperfürth im Bergischen Land - durch einen Hobby-Schatzsucher. Und irgendwie auch eine Folge von Corona: Denn immer mehr Menschen suchen mit Metalldetektoren die Felder und Äcker im Bergischen Land ab. Der Landschaftsverband Rheinland, LVR, verzeichnet etwa doppelt so viele Anträge zum "Sondeln" wie in den vergangenen Jahren.

Das Hobby ist denkbar einfach: Es braucht einen Metalldetektor, am besten noch einen "Pin Pointer" (der sehr empfindlich und zielgenau auf Metall im Boden reagiert), einen leichten Spaten und ein Kästchen, gut mit Schaumstoff gepolstert, in dem die Funde untergebracht werden. Und das Wichtigste: Eine Nachforschungsgenehmigung des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege. Im Bergischen Land ist das die Außenstelle auf Gut Eichhof in Overath.

Nur kleiner Teil der Funde wertvoll

Sondengänger Alexander Maier

Sondengänger Alexander Maier

Denn das "Sondeln" ist nur auf zuvor genau festgelegten Flächen erlaubt. Diese Genehmigung gilt jeweils für ein Jahr und kostet 75 Euro. Dann kann es losgehen, und nach Angaben von Sondengängern piepst es eigentlich ständig, wenn der Detektor über den Acker geführt wird.

"Es ist wie Überraschungseier öffnen", sagt Daniel Visse, der in Hückeswagen sondelt. Allerdings: Nur ein kleiner Teil der Metall-Funde im Boden sind antike Münzen, Schmuck, Knöpfe, Beschläge oder Abzeichen.

Illegale Sondengänger verhindern historische Forschung

Die in Wipperfürth gefundene Römische Münze

Die in Wipperfürth gefundene Münze

Diese Fundstücke wandern nicht einfach in die Tasche des Sondengängers. Einmal im Jahr müssen die Teile beim LVR abgeliefert werden. Dort bewerten Experten den historischen Wert und entscheiden: Wandert das Stück zum Beispiel in eine Sammlung, oder erhält es der Finder zurück?

Und wenn der zum Beispiel die antike Münze zu Geld machen will, steht noch die Verhandlung mit dem Eigentümer der Fläche an, wo der Fund gelang. Dann greift eine hunderte Jahre alte Regel: Die "Hadrianische Teilung": die Hälfte des Erlöses für den Finder, die andere Hälfte für den Eigentümer des Grundstücks.

Hobby-Sucher wichtig für Archäologen

Für den LVR sind die Sondengänger wichtig, weil sie als Erste Hinweise geben können, zum Beispiel auf frühmittelalterliche Siedlungen, die noch nicht entdeckt worden sind. Aber es gibt auch viele „"aubgräber" die ohne Erlaubnis des LVR und der Denkmalbehörden mit dem Metalldetektor unterwegs sind.

Auf diese Weise verschwinden zum Teil wichtige historische Funde, die einen Einblick geben könnten in das Alltagsleben der vergangenen 2.000 Jahre.

Stand: 14.01.2022, 11:07

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