Nach OVG-Urteil: Ablehnungskriterien bei Gesamtschulen im Fokus

Schulkinder im Klassenzimmer bearbeiten Aufgaben, im Hintergrund hilft die Lehrerin einigen Schülern, die Fragen haben

Nach OVG-Urteil: Ablehnungskriterien bei Gesamtschulen im Fokus

  • NRW-Gesamtschulen rechnen mit Schüleransturm
  • Zu wenig Plätze für zu viele Kinder
  • Schulen verweisen auf Aufnahme-Kriterien

Auf Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen könnten vermehrt Klagen gegen Ablehnungsbescheide zukommen. Eine Mutter hatte Mitte Januar vor dem Oberverwaltungsgericht Münster Recht bekommen.

Die Essenerin hatte dagegen geklagt, dass ihr Sohn an einer Gesamtschule in Heiligenhaus nicht angenommen wurde. Das Gericht befand: Das Aufnahmeverfahren war fehlerhaft, die Schule habe ein ungültiges Kriterium angewandt.

Welche Kriterien gibt es?

Schulklasse der Else-Lasker-Schüler Gesamtschule in Wuppertal

Schulklasse der Else-Lasker-Schüler Gesamtschule in Wuppertal

Das Kriterium, nachdem sich alle Gesamtschulen laut Ausbildungsprüfungsordnung richten müssen, ist die sogenannte „Leistungsheterogenität“. Das bedeutet: Leistungsstärkere und -schwächere Schüler müssen ausgewogen aufgenommen werden.

Der Notendurchschnitt kann allerdings von Schule zu Schule variieren. Gibt es mehr Anmeldungen als Plätze, können die Schulen weitere, sogenannte „weiche“ Kriterien hinzuziehen. Dazu zählt etwa das Verhältnis von Mädchen und Jungen oder die Weite des Schulweges

Schild der Gesamtschule Heiligenhaus von draußen

Eine Mutter hatte vor dem OVG in Münster gegen die Gesamtschule Heiligenhaus geklagt

Die Gesamtschule in Heiligenhaus hatte den Jungen aus Essen mit dem Argument abgelehnt, er sei nicht ortsansässig. Dies sei kein gültiges Kriterium, so das Oberverwaltungsgericht Münster. „Nur wenn die Stadt Heiligenhaus als Schulaufsicht festgelegt hätte, dass sie grundsätzlich keine Kinder aus anderen Städten aufnimmt, wäre das in Ordnung gewesen“, erklärt Richter Dirk Rauschenberg vom OVG Münster.

Gesamtschulleiter rechnen mit Anmelde-Ansturm

Ab nächster Woche können Eltern ihre Viertklässler an NRW-Gesamtschulen anmelden. Die Wuppertaler Schulleiterin Dorothee Kleinherbers-Boden vertritt die Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen NRW. Sie rechnet mit einem großen Schüler-Ansturm. Und sie befürchtet übergroße Klassen, wenn sich mehr Eltern einklagen.

Sprecherin der Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen NRW Dorothee Kleinherbers-Boden

Dorothee Kleinherbers-Boden

Kleinherbers-Boden rät den NRW-Gesamtschulleitern, sehr genau darauf zu achten, mit welchen Kriterien sie Ablehnungen begründen. Richter Rauschenberg hält es für möglich, dass Eltern nun schneller vor Gericht zögen.

Stand: 07.02.2019, 06:30