Ausstellung in Düsseldorf: Gerhard Richter zeigt "Birkenau-Zyklus"

Eine Besucherin der K21 schaut sich Fotos vom Konzentrationslager Birkenau an.

Ausstellung in Düsseldorf: Gerhard Richter zeigt "Birkenau-Zyklus"

Der Künstler Gerhard Richter hat sich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte auseinandergesetzt und zeigt das Ergebnis nun in Düsseldorf - nach langer Schaffensphase.

Ist es überhaupt möglich, den Holocaust und das unvorstellbare Grauen in den NS-Vernichtungslagern zu malen oder darzustellen? Lange Zeit galt das unter Künstlern als ausgeschlossen - lange auch für Gerhard Richter. Nun hat er es doch gewagt und zeigt den "Birkenau-Zyklus" ab dem 18. Dezember 2021 im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Häftlinge machten Fotos unter Lebensgefahr

Inspiriert von den einzigen vier existierenden Fotos, die ein KZ-Häftling gemacht und in einer Zahnpastatube aus Auschwitz-Birkenau herausgeschmuggelt hat, schuf Richter einen abstrakten, vierteiligen und 2014 entstandenen Bilderzyklus - in zwei Versionen. Die eine hängt seit einigen Jahren in der Empfangshalle im Reichstagsgebäude in Berlin, die andere Version eben nun in Düsseldorf, der Stadt, in der der Künstler 22 Jahre lebte.

Die vier Fotos, die Richter als Ausgangspunkt nutzt, sind im August 1944 von jüdischen Häftlingen aufgenommen worden. Sie waren Teil eines Sonderkommandos des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, das dazu gezwungen wurde, bei der Ermordung der Gefangenen in Gaskammern und der Verbrennung der Leichen zu helfen.

Sind NS-Verbrechen überhaupt darstellbar?

Mit einer in das Lager geschmuggelten Kamera gelang es wohl Alberto Errera, der wohl den Auslöser betätigte, und anderen Mitgliedern des Sonderkommandos unter Lebensgefahr vier Fotos des Geländes und des Krematoriums V zu machen. Es sind die einzigen bekannten Aufnahmen des Vernichtungslagers, die von Häftlingen aufgenommen worden sind.

Der Künstler Gerhard Richter im Jahr 2018.

Der Künstler Gerhard Richter im Jahr 2018. Seine Werke gelten zu den teuersten eines lebenden Malers.

Es ist genau diese Schwere des Themas, die seit der Nachkriegszeit die Diskussion um die Darstellbarkeit von nationalsozialistischen Verbrechen aufrecht erhält. Gerhard Richter nahm stets Abstand von einer direkten Abbildung fotografischer Zeugnisse aus den Vernichtungslagern in seiner Malerei - noch 2011 bezeichnete er diese in einem Interview als "unmalbar".

Lange Schaffensphase bis zur Veröffentlichung

Obwohl ihn ein Teil der Fotografien schon Jahrzehnte seines Arbeitslebens begleiten - mindestens eins der Fotos kennt Richter seit seinem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden - kam der mittlerweile 89-jährige Maler lange nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

Die abstrakten Bilder Gerhard Richters.

Richters Kunstwerke zu den Fotografien aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Nach einigen Fehlschlägen begann Richter 2013 damit, die vier Fotos auf Leinwände zu übertragen, war mit dem Ergebnis aber erneut nicht zufrieden. Anschließend übermalte er sie mit mehreren Ölschichten und schuf so seine vier abstrakten Werke. Im Gegensatz zu seinen farbenreichen Darstellungen der vergangenen Jahre bleibt der Künstler bei seinen Birkenau-Bildern bei schwarz, weiß, grün und rot.

Die Ausstellung geht bis 24. April 2022

Gerhard Richters Ausstellung im K21 samt der vier Fotografien und der vier abstrakten Bilder wird durch eine Auswahl weiterer Werke ergänzt. Der "Birkenau-Zyklus" ist bis zum 24. April 2022 in Düsseldorf zu sehen.

Gerhard Richters "Birkenau-Zyklus" im Düsseldorfer K21

WDR 3 Mosaik 17.12.2021 06:11 Min. Verfügbar bis 17.12.2022 WDR 3


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Stand: 16.12.2021, 14:18