Streit um Kiesabbau im Rhein-Erft-Kreis

Eine Kiesgrube in Elsdorf

Streit um Kiesabbau im Rhein-Erft-Kreis

  • Über 90 Hektar große Kiesgrube geplant
  • Widerstand aus Elsdorf und Bergheim
  • Große Belastung für Anwohner befürchtet

Im Rhein-Erft-Kreis gibt es Streit um eine geplante Kiesgrube. Sie soll in Höhe der A61 zwischen Bergheim und Elsdorf entstehen. Beide Städte haben Widerstand angekündigt. Sie befürchten, dass Anwohner in den kommenden Jahrzehnten unter Staub und Lärm leiden müssten.

Es geht um eine landwirtschaftlich genutzte Fläche, so groß wie etwa 130 Fußballplätze. Sie liegt nur wenige Kilometer vom Braunkohletagebau entfernt, zwischen dem Elsdorfer Stadtteil Widdendorf und Bergheim-Thorr. Nach Angaben des Rhein-Erft-Kreises will hier ein Unternehmen aus Jülich in den kommenden Jahrzehnten Sand und Kies abbauen. Für das Abgrabungsverfahren mit der Bezeichnung "Widdendorf I" sei die Erteilung eines Vorbescheides beantragt worden, heißt es in einer Mitteilung der Kreisverwaltung. Sowohl in Elsdorf als auch in Bergheim werden die Abbaupläne jedoch abgelehnt.

Städte befürchten "Schweizer Käse"

Elsdorf und Bergheim sehen sich durch den geplanten Kiesabbau vor allem in ihrer Stadtentwicklung ausgebremst. „Ein Drittel unserer Stadtfläche liegt im Tagebau Garzweiler, womit wir uns seit Jahrzehnten gut arrangiert haben. Aber wo bitte sollen wir Elsdorf noch entwickeln können, wenn unsere Stadtfläche bald aussieht wie ein Schweizer Käse", sagt Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller. Auch aus Bergheim kommt Protest. „Das ist eine Unverschämtheit, über so etwas überhaupt nachzudenken“, schimpft Herrmann-Josef Falterbaum, Mitglied im Bergheimer Stadtrat. Denn im Süden Bergheims soll eine neue Wohnsiedlung entstehen. "Wer will denn hier noch hinziehen, wenn nebenan im großen Stil Kies und Sand abgebaggert werden", ergänzt Herrmann-Josef Falterbaum, der eine hohe Belastung aller Anwohner durch Staub und Lärm befürchtet.

Rhein-Erft Kreis sieht kaum Handlungsspielraum

Doch der Rhein-Erft-Kreis macht den betroffenen Kommunen kaum Hoffnung. Das Vorhaben unterliege der Genehmigungspflicht, wenn die Städte dem bauplanungsrechtlich nicht entgegen zu setzen haben, heißt es aus der Kreisverwaltung in Bergheim. Mittlerweile ist bei der Behörde eine Voranfrage aus Jülich eingangen. Würde die positiv beschieden, könne der Unternehmer detaillierte Planungen vorlegen, die dann mit Blick auf Arten-, Lärm-, Natur-, Denkmal- und Immissionsschutz geprüft würden, sagt der Kreis - und erst wenn alle Fragen beantwortet seien, könne eine Genehmigung erteilt werden.
Für das Jülicher Unternehmen könnte sich die Kiesgrube zur Goldgrube entwickeln. Denn Baustoffe wie Sand und Kies werden in der Industrie händeringend gebraucht -  nicht nur in NRW, sondern weltweit.  

Stand: 15.10.2019, 17:43