Remscheider Klinik will Gendermedizin vorantreiben

Unterschiedlich krank: Warum Gender-Medizin so wichtig ist Lokalzeit Bergisches Land 21.04.2021 05:04 Min. Verfügbar bis 21.04.2022 WDR Von Helge Rosenkranz

Remscheider Klinik will Gendermedizin vorantreiben

Von Helge Rosenkranz

Die gleiche Krankheit, aber unterschiedliche Symptome: Bei Männern und Frauen ist das nicht ungewöhnlich. Gendermediziner am Remscheider Sana-Klinikum achten nun vermehrt darauf, dass das Geschlecht bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten eine wichtige Rolle spielt.

Im Remscheider Sana-Klinikum ist diese Beobachtung Alltag: Patientinnen kommen in die Notaufnahme mit Beschwerden wie Luftnot, Bauchschmerzen und Mattigkeit, und am Ende steht die Diagnose: Herzinfarkt.

Diese Notfälle haben sich ganz anders angekündigt als bei Männern, die meist von starken Schmerzen in der Brust und in den Armen berichten. Das ist ein typisches Beispiel für die noch junge Gendermedizin.

Viele Todesfälle ließen sich vermeiden, würden die Symptome des Herzinfarktes richtig erkannt, erklärt Burkhard Sievers, Gendermediziner am Sana-Klinikum.

"Broken-Heart-Syndrom" bei Frauen verbreitet

Zwei Ärzte betreuen eine Patientin

Denn schon die Ursachen für Infarkte unterscheiden sich bei Frauen und Männern. Das Hormon Östrogen schützt bei Frauen die Herzkranzgefäße, während beim männlichen Infarkt diese Gefäße oft verstopft sind. "Beim Herzinfarkt der Frau ist die Ursache oft eine große emotionale Belastung, Stress, Konflikte", berichtet Burkhard Sievers.

Eine starke seelische Belastung erhöhe den Anstieg von Stresshormonen im Blut. Das sei eine mögliche Ursache für Infarkte bei Frauen.

Große Unterschiede bei Immunkrankheiten

Kardiogramm

Doch nicht nur bei der Wirkung der körpereigenen Hormone gibt es Unterschiede. Mediziner wissen: Frauen haben ein viel aktiveres Immunsystem als Männer. Das schützt sie vor dem typischen "Männerschnupfen" im Winter, kann aber auch dramatische Folgen haben. Nämlich dann, wenn sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Drei Viertel der Patienten, die an Autoimmunkrankheiten wie Rheuma oder Multipler Sklerose leiden, sind weiblich.

Umdenken bei Studien und Medikamenten gefordert

Auch Medikamente wirken ganz anders im Körper von Männern als im weiblichen Körper. Trotzdem gibt es bei der Auflistung von Nebenwirkungen und bei der Dosierung keine genderspezifischen Regeln. Ebenso ist der Männer-Anteil an medizinischen Studien immer noch höher als der der Frauen. All das wollen die Gendermediziner am Remscheider Sana-Klinikum möglichst schnell ändern.

Grafik zur Gegenüberstellung eines Herzinfarktes bei Mann und Frau

Stand: 21.04.2021, 11:46