Geisterfahrräder in köln werden immer wieder gestohlen oder beschädigt

Vandalismus an "Geisterfahrrädern" für Verstorbene in Köln

Stand: 28.12.2021, 15:56 Uhr

Weiße Fahrräder, sogenannte Geisterfahrräder, sollen an Radfahrerinnen und -fahrer erinnern, die bei Verkehrsunfällen gestorben sind. Es sind Gedenkstätten für die Angehörigen – und leider auch Orte für Vandalismus.

Von Christina Wilkes

Werner Hartmann kommt regelmäßig in die Oskar-Jäger-Straße nach Köln-Ehrenfeld. 2013 ist hier seine Tochter gestorben. Ein LKW hatte sie beim Abbiegen überfahren.

Seitdem erinnert ein Geisterfahrrad an Kerstin Hartmann. Doch: Vor ein paar Jahren musste es neu aufgestellt werden. Die Polizei hatte einen Dieb damit erwischt.

Der ADFC und ich haben überlegt, ob wir Strafantrag stellen. Nicht wegen des Diebstahls, sondern wegen Störung der Totenruhe. Werner Hartmann, Vater eines Unfallopfers

Das Geisterrad konnte zwar an den Unfallort zurückgebracht werden, aber für Werner Hartmann war das wie ein Flashback. Alles kam noch einmal hoch: "Beim zweiten Mal – das war im Dezember, es war dunkles Wetter – das war für mich noch bedrückender als das erste Mal."

Geisterräder als Warnung für Radfahrer

Die meisten Geisterfahrräder in Köln hat der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) aufgestellt. Er kümmert sich auch um Reparaturen - ehrenamtlich. Einem Rad in Köln Rodenkirchen zum Beispiel fehlte ein Vorderrad: "Es ist wichtig, auch um andere Radfahrende für Gefahrenstellen sensibel zu machen", sagt Christoph Schmidt vom ADFC Köln. Über die Motive der mutmaßlichen Täter kann er nur spekulieren:

Wir haben teilweise den Eindruck, dass es Metalldiebe sind. Es gibt Leute, die ein Ersatzteil suchen und es gab schon mal einen Fall, wo jemand mit einem Geisterrad wirklich weitergefahren ist. Christoph Schmidt, ADFC Köln
Geisterfahrräder in köln werden immer wieder gestohlen oder beschädigt

Immer wieder werden in Köln Geisterräder beschädigt oder gestohlen.

Häufig kommt es nicht zu einem Ermittlungsverfahren und auch die Kölner Polizei hat keine Statistik. Wenn doch Fälle angezeigt werden, laufen sie unter Diebstahl oder Sachbeschädigung.

Aufmerksamkeit für Gefahren beim Abbiegen

Geisterfahrräder in köln werden immer wieder gestohlen oder beschädigt

Werner Hartmann am Unfollort seiner Tochter.

Auch Werner Hartmann hat sich nach dem Diebstahl des Geisterfahrrads gegen eine Anzeige entschieden. Aber einen anderen Entschluss hat er gefasst: Seit dem Tod seiner Tochter wird er nicht müde, auf die Gefahren beim Abbiegen hinzuweisen.

6.000 Briefe hat er an Politiker und Politikerinnen in ganz Europa geschickt; immer wieder gefordert, dass Abbiegeassistenten für LKW zur Pflicht werden. In der EU ist es 2022 soweit – zumindest LKW, die neu zugelassen werden, brauchen dann solche Systeme. Kerstin Hartmann ist dann schon neun Jahre tot.