Thomas Geisel, 18.03.2020

Düsseldorfs Ex-OB Geisel erntet Kritik nach Ukraine-Äußerungen

Stand: 25.04.2022, 06:39 Uhr

Mit einem Blog-Beitrag zum Ukraine-Krieg hat der ehemalige Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) für Diskussionen und heftige Kritik gesorgt - auch aus den eigenen Reihen.

In seinem Text geht Thomas Geisel den ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk scharf an. Er bezeichnet ihn als "PR-Profi" und wirft ihm vor, die Lage in der Ukraine durch gezielte Rhetorik dramatischer darzustellen, als sie tatsächlich sei. Dadurch steige der Druck auf Deutschland, Waffen zu liefern.

Zu den Kriegsverbrechen in der ukrainischen Stadt Butscha schreibt Geisel, jedes zivile Opfer eines Krieges sei eine Tragödie und eines zu viel. "Aber werden durch die ukrainische Genozid-Rhetorik nicht letztlich die Kriegsverbrechen von Srebrenica, My Lai und Babiyar (Babyn Jar), um nur einige zu nennen, und vielleicht auch die Bombennacht von Dresden, der angeblich 30.000 Menschen zum Opfer fielen, bagatellisiert?"

Kutschaty distanziert sich von Geisels Positionen

Scharfe Kritik an seinen Äußerungen kommt unter anderem von Politikern der CDU und der Grünen - inzwischen aber auch aus den eigenen Reihen der SPD. So forderte der SPD-Spitzenkandidat zur NRW-Landtagswahl, Thomas Kutschaty, Geisel am Sonntag nach eigenen Angaben in einem Telefonat auf, den Beitrag "noch heute" zurückzuziehen. "Gerade die Kriegsverbrechen von Butscha erlauben keine Relativierungen. Dieser Angriffskrieg muss scheitern. So klar muss man es auch benennen", so Kutschaty auf Twitter.

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Auch der Düsseldorfer Ortsverband der SPD distanzierte sich am Sonntag von Geisels Positionen. Geisel spreche nicht im Namen der SPD, so der Ortsverband.

Geisel verteidigt sich: Sorge über Konsequenzen von Waffenlieferungen

Den Blog-Beitrag hatte Thomas Geisel bereits Anfang der Woche veröffentlicht. Am Wochenende übte unter anderem der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz auf Twitter Kritik an Geisels Positionen. Andrij Melnyk selbst nannte Geisels Beitrag einen "ekelhaften Vorstoß".

Als Reaktion auf die Kritik betonte Geisel gegenüber der Rheinischen Post, er halte den russischen Angriff für einen völkerrechtswidrigen Überfall und habe Verständnis für die Forderung nach Waffenlieferungen. "Ich mache mir aber Sorgen über die Konsequenzen, wenn Deutschland den ukrainischen Forderungen nach Waffenlieferungen nachkommt", sagte er. Militärisch könne die Ukraine den Krieg kaum gewinnen.

Blog-Beitrag mittlerweile offline

Thomas Geisel hat den Blog-Beitrag mittlerweile offline genommen. Damit komme er der Bitte von NRW-Spitzenkandidat der SPD Thomas Kutschaty nach. Geisel schreibt dazu in einem aktuellen Post: "Ich verstehe dies vor dem Hintergrund, dass der Beitrag in den sozialen Medien zum Anlass genommen wird, gegen die SPD zu polemisieren, obwohl ich kein SPD-Mandat habe und er offensichtlich keine Partei-, sondern meine persönliche Auffassung wiedergibt."

Düsseldorfs Ex-OB Geisel erntet Kritik

00:43 Min. Verfügbar bis 25.04.2023


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